Freitag, 19. April 2019

Wissensmanagement Der Kollege, mein Lehrer

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2. Teil: Manche Chefs fürchten Kontrollverlust durch solche Netzwerke

Der Faktor Mensch ist also entscheidend, nicht die IT. "Ein guter Trainer ist der Dreh- und Angelpunkt", sagt Martina Erwig, verantwortlich für Training bei Ikea Deutschland. In den Möbelhäusern sind inzwischen schon mehr als 100 interne Trainer ausgebildet worden, um ihre Kenntnisse weiterzugeben: Wie wird der Verkaufsprozess organisiert? Wie sollten Verkäufer Kunden ansprechen? "Es geht um unsere Kultur, unsere Werte", sagt Erwig, "das möchten wir nicht einem externen Trainer überlassen."

Auch angehende Führungskräfte müssen die Managementkultur in ihrem Unternehmen erst einmal kennen lernen - am besten mithilfe erfahrener Kollegen: "Coaching ist die Weiterbildungsform, die in jüngster Zeit am stärksten zugenommen hat", sagt Peter Dehnbostel von der Deutschen Universität für Weiterbildung.

Dennoch schlummert noch viel Potential unentdeckt in den Köpfen. Eine Umfrage der Zeitschrift Wissensmanagement und des Steinbeis-Beratungszentrums unter 400 Fach- und Führungskräften vom April zeigt: 74 Prozent der Befragten stuften das Wissensmanagement in ihrem Unternehmen als sehr schlecht, schlecht oder mittelmäßig ein. Gerade mal 19 Prozent nutzten Collaboration Tools.

"Ein bisschen Gefrotzel muss man nicht gleich verbieten"

Nur wenn die Führungsebene dahintersteht, werden solche Werkzeuge auch eingesetzt. BASF etwa hat sein soziales Intranet mit einem Think Tank vorbereitet, Betriebsrat und ein Vorstandsmitglied direkt eingebunden. Für ein Pilotprojekt wählte das Management Expertengruppen aus, für Neueinsteiger bietet es Schulungen an.

Manche Chefs fürchten wohl den Kontrollverlust in solchen Netzwerken. Experte Florian Grolman beruhigt: Es sei für jeden sichtbar, wenn sich Einzelne in Privatheiten verlören. "Ein bisschen Gefrotzel muss man aber nicht gleich verbieten." Dabei könnten auch neue Ideen entstehen.

Eine weitere Angst: Daten aus einem sozialen Intranet könnten leicht nach außen gelangen. Grolman rät: Hochsensible Informationen dürfen nur in Bereichen eingestellt werden, zu denen nur wenige Zugang haben. Eine verschlüsselte Verbindung und ein in geschlossenes VPN-Netzwerk sollten selbstverständlich sein, außerdem eine Geheimhaltungsvereinbarung.

Das Management solle klare Regeln aufstellen, damit Mitarbeiter auch genug Zeit zum Netzwerken haben. Sollte jemand sein Wissen mit Absicht zurückhalten, müsse der Vorgesetzte Konsequenzen androhen. Wichtig sei auch, dass Manager kooperatives Verhalten vorleben. Wolfgang Kersten, Leiter des Instituts für Management und Unternehmensführung an der TU Hamburg-Harburg, sieht bei den Chefs noch Nachholbedarf: "Wir diskutieren Industrie 4.0, haben Mitarbeiter 2.0 und Führungskräfte 1.0."

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