Samstag, 20. Juli 2019

Von Extremsportlern für den Job lernen Wie man Willenskraft am besten trainiert

4. Teil: Im Interview: Christoph Harreither über Mut und Risiko

Kamele in der Wüste Gobi: Auch als Extremläufer geht man in diesem Gelände an seine Grenzen

Du hattest Halluzinationen. Reduziert sich da die Risikowahrnehmung?

Sie reduziert sich mitunter, ist aber nicht weg, und man hat trotzdem noch die Kontrolle. Das muss man erkennen, und das geht nur, indem man in den Körper und Kopf reinhört. Wenn man das Gefühl bekommt, das wirkt real, dann wird es gefährlich.

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Michele Ufer
Limit Skills:
Die eigenen Grenzen respektieren, testen, überwinden

Delius Klasing; 160 Seiten; 24,90 Euro

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Wieviel Mut und Risiko sind im Business nötig?

Auch im Business muss man ein Risiko nehmen, denn nur dort sind die größten Wachstumschancen. In alten Bereichen ist der Verdrängungswettbewerb viel zu groß. Da gibt es viel zu viele Player. Man muss immer wieder rein in neue Bereiche, etwas Neues ausprobieren. Da ist man auch im Limit-Bereich unterwegs. Das birgt natürlich das Risiko, dass ich zunächst viel investiere. Aber wenn ich es nicht versuche, führt das auch nicht zu Wachstum. Das Risiko muss ich eingehen, es muss nur kalkulierbar sein.

Wie wird man erfolgreich?

Mit wirklich harter Arbeit, großem Einsatz und mit viel Verzicht. Am Ende sind die erfolgreich, die wirklich viel dafür tun. Gleichzeitig muss man aber darauf achten, dass man nicht untergeht oder sich verletzt. Und das hat viel mit Körper- und Bauchgefühl zu tun. Man sollte immer Risiko und Nutzen abwägen. Und das wiederum basiert auf Erfahrung. Zum einen darf man nicht alles zu 100 Prozent machen wollen. Man braucht auch Mut zur Lücke. Zum anderen muss man Ausgleich schaffen, und das nicht nur am Wochenende. Dafür muss man sich die Zeit nehmen, zum Beispiel eine Stunde früher aufstehen, um morgens laufen zu gehen. Das ist ein Kraftakt und kostet zu Beginn Energie. Der Ausgleich muss während der ganzen Woche stattfinden. Es ist ein On-going-Prozess.

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