Mittwoch, 17. Juli 2019

Manager-Training "Wer unauthentisch wirkt, ist nicht glaubwürdig"

Die 10 "Bühnenregeln": So hören Ihnen die Menschen zu
Matthias Jung

Wer sich verbiegt, wirkt künstlich. Authentisches Auftreten ist in moderner Unternehmensführung aber eine wesentliche Erfolgsvoraussetzung, sagt Trainer Severin von Hoensbroech. Gute Manager stellen sich flexibel auf verschiedene Umfelder ein - und bleiben trotzdem authentisch.

mm: Herr von Hoensbroech, Sie sind Schauspieler, Regisseur und Psychologe und trainieren mit Managern den authentischen Auftritt. Was gibt es denn da zu üben? Ist denn nicht jedermann automatisch " ganz er selbst"?

von Hoensbroech: Mit dieser Vorstellung kommen die Teilnehmer oft ins Seminar. Doch wenn ich denen dann sage "Nun kommen Sie mal auf die Bühne und seien Sie ganz Sie selbst", dann stehen die hilflos herum oder verhalten sich plötzlich furchtbar künstlich. So versteht jeder: Authentizität geht nicht auf Knopfdruck. Sie ist nämlich eine Wirkung, und nicht etwa eine Eigenschaft.

mm: Warum ist der authentische Eindruck im Management denn so relevant?

von Hoensbroech: Weil hier der eigentliche Anreiz liegt, der andere Menschen dazu bringt, der Führungskraft zuzuhören und sich auf sie einzulassen und vor allem: ihr zu glauben. So schwer das Authentische zu greifen ist, so klar sind die Reaktionen, wenn es fehlt: Jemand, der unauthentisch auf seine Umgebung wirkt, hat ein Problem. Er ist nicht glaubwürdig. Solchen Managern schenkt man kein Vertrauen. Man folgt ihnen nicht. Authentisches Auftreten ist in unserer Zeit - in der Unternehmensführung nicht mehr über Befehl und Gehorsam funktioniert - eine wesentliche Erfolgsvoraussetzung. Ich trainiere in meinen Kursen ja speziell die öffentliche Rede. Die ist für die meisten keine alltägliche Pflicht. Aber sie hilft, die wesentlichen Grundprinzipien der Authentizität zu begreifen.

mm: Die da wären?

von Hoensbroech: Beim Film gibt es den Ausspruch: wenn du anfängst, dein Bestes zu geben, hast du ein Problem. Und ich würde hinzufügen: und wenn Du versuchst, alles richtig zu machen, erst recht. Es ist einfach schrecklich durchschnittlich, sich zu bemühen, besser zu sein, als man ist. Die Bühne ist meist ein angstbesetzter Ort - doch wenn ich in der Konsequenz versuche, sie vollständig zu kontrollieren und gut zu sein und alles richtig zu machen, verliere ich mich schon mal selbst - zumindest in der Wirkung. Dies ist übrigens kein Aufruf, sich schlecht vorzubereiten. Gute Vorbereitung ist selbstverständlich.

mm: Es geht um Gelassenheit.

von Hoensbroech: Auch, ja. Vor allem geht es um den Mut, sich zu zeigen. Sich nicht hinter seinen Inhalten zu verstecken.

mm: Dieses Versteckspiel lieben Manager. Sie geben sich gern sachorientiert.

von Hoensbroech: Und riskieren dabei, dass ihre Zuhörer einschlafen. Und nichts von dem mitnehmen, was der Manager vermitteln will. Das läuft nicht über Faktenvermittlung. Sondern über persönliche Geschichten. Es geht ja nicht ums Ausplaudern privatester Geheimnisse. Die gehen keinen etwas an. Doch zwischen "privat" und "persönlich" gibt es einen Unterschied. Letzeres sollte man nutzen.

mm: Ein Beispiel, bitte.

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