CEOs über ihre härtesten Fragen an Bewerber "Was ist Ihre Lieblingsstraße bei Monopoly?"

Ja... ähm.... also: Bewerbungsgespräche können sich anfühlen wie ein Kreuzverhör

Ja... ähm.... also: Bewerbungsgespräche können sich anfühlen wie ein Kreuzverhör

Foto: Corbis

Das Portal Quartz hat CEOs nach ihrer alles entscheidenden Frage gefragt , die sie bei Bewerbungsgesprächen stellen. Spoiler Alert: Es ist weder "Was ist Ihre größte Schwäche?" noch "Und wo sehen Sie sich in fünf Jahren?".

In den oberen Hierarchieebenen geht es meist nicht mehr darum, abzuchecken, ob ein Bewerber sich überhaupt auf das Gespräch vorbereitet hat oder die nötigen fachlichen Qualifikationen mitbringt - sondern darum, dessen oder deren soft skills in Aktion zu sehen und dabei herauszufinden, ob jemand in die Unternehmenskultur passt.

Oder auch, ob sie oder er überhaupt ein anständiger Mensch ist - deshalb stellt einer der Chefs seine entscheidende Frage gar nicht dem Bewerber selbst, sondern den Leuten, die schon als Untergebene mit ihm zu tun hatten: Fahrer, Empfang, Sekretärin.

Auch wenn Sie derzeit kein Bewerbungsgespräch in Planung haben: Es kann nie schaden, die Situation gedanklich einmal durchzuspielen. Hier kommen neun knallharte Fragen - und die richtigen Antworten dafür. Behalten Sie aber den Aphorismus von Georg Christoph Lichtenberg im Hinterkopf: "Kluge Leute glauben zu machen, man sei, was man nicht ist, ist schwerer als zu werden, was man scheinen will."

Werden Sie lieber respektiert oder gefürchtet?

Klassische Alphatiere sind nicht unbedingt Sympathieträger. Man kann eben nicht immer alles haben.

Klassische Alphatiere sind nicht unbedingt Sympathieträger. Man kann eben nicht immer alles haben.

Foto: Alexei Nikolsky/ AP

Diese Frage stellt laut Quartz  Michael Gregoire, CEO der IT-Management-Software-Firma CA Technologies. Die Frage ist, das sagt er selbst, machiavellianisch. Machiavelli selbst warf allerdings im 17. Kapitel seines 1513 erschienenen Werks "Der Fürst" die Frage anders auf: Das Kapitel, ein zentraler Passus des Werks, heißt "Über Grausamkeit und Milde; und ob es besser ist, geliebt oder gefürchtet zu werden oder umgekehrt".

Machiavelli findet: Beides ist richtig. Allerdings schwierig. Milde kann schließlich zu größeren Grausamkeiten führen als ein strenges Regime - dann nämlich, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen. Klar, man soll maßvoll und menschenfreundlich handeln. Aber da Menschen nun mal "undankbar, wankelmütig, verlogen, heuchlerisch, ängstlich und raffgierig" sind,verzichtet man im Zweifel lieber auf die Beliebtheit - die man weniger kontrollieren kann als das Gefürchtetsein.

Machiavelli gibt seinen Lesern übrigens den Rat, sich "nicht an der Habe und den Frauen seiner Mitbürger und Untertanen" zu vergreifen und für jede nötige Exekution eine plausible Rechtfertigung zu haben. Diese Punkte kann man ja auch in einem Bewerbungsgespräch durchaus zur Sprache bringen, in netter Form. Sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal.

Aber Scherz beiseite: Seinen Machiavelli gelesen zu haben, schadet nicht. Und das können Sie dann auch lässig raushängen lassen - wenn Sie eine Führungsposition anstreben, sollten Sie auch darüber reflektiert haben, was Führung für Sie bedeutet und welche Art von Führung Ihnen liegt.

Warum sind Sie heute hier?

Der Privatjet wartet doch hoffentlich schon: Bei der Frage "Warum sind Sie hier?" sollten Sie sich nicht als Egozentriker positionieren

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Foto: Corbis

Das ist nun ein Frage von entwaffnender Schlichtheit. Man könnte sie unterschätzen oder geneigt sein, launig zu antworten, etwa: "Nun, ich war zu einem Bewerbungsgespräch bei Ihnen eingeladen, da dachte ich, ich schaue mal vorbei." Aber Gordon Wilson, der CEO der im Nasdaq gelisteten Softwareschmiede Travelport, denkt sich mehr dabei, wenn er Bewerbern genau diese Frage stellt.

"Ich bin überrascht, wie oft Leute über die Vorteile des Jobs aus ihrer Sicht sprechen, im Gegensatz zum Nutzen, den sie dem Unternehmen bringen können", zitiert Quartz  Wilson. Die Frage, spontan beantwortet, ist also eine, die recht trennscharf den Spreu vom Weizen sondert - nämlich die Nur-an-sich-selbst-Denker von denen, die sich in den Dienst der Sache stellen wollen. Wilson findet ohnehin: Wer dem Unternehmen gut tut, tut auch sich selbst gut. Das ergibt sich dann von selbst. Findet jedenfalls der CEO.

Was ist Ihr größter Traum?

Träumen Sie vom Sieg im Team? Oder sind Sie mehr so der Einzelkämpfer?

Träumen Sie vom Sieg im Team? Oder sind Sie mehr so der Einzelkämpfer?

Foto: Getty Images

Auch wieder so eine grundlegende Frage. Gestellt wird sie von Zhang Xin, der Mitgründerin und CEO von Soho China, einem Immobilienentwickler. Die Selfmade-Milliardärin hat sich ihre Ziele selbst gesteckt und alles erreicht - angefangen von ihrer Ausbildung, die sie durch harte Arbeit in einer Textilfabrik in Hongkong finanzierte, bis zum Chefposten von Chinas größtem Büroraumanbieter.

Wer eine solche Frage gestellt bekommt, sollte also nicht zu tief stapeln. Und die Geschichte seines Gegenübers kennen.

Denn jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt - und dieselbe Frage kann, je nachdem, wer sie stellt, ganz unterschiedliche Subtexte beinhalten. Bereiten Sie sich also gut vor.

Und nein: Träume wie "Ich wollte schon immer die stellvertretende Teamleitung von Außendienststelle K 17 haben, das ist jetzt meine Chance, meinen Traum endlich zu verwirklichen" kommen nicht so überzeugend rüber. Auch mit "Über alles unterhalb der Weltherrschaft brauchen wir hier gar nicht zu reden" setzen Sie sich eher in die Nesseln. Aber wenn Sie die Frage ehrlich und reflektiert beantworten, ist das eine Chance, miteinander in ein echtes Gespräch zu kommen. Und herauszufinden, ob Sie zum Unternehmen - und das Unternehmen zu Ihnen passt.

Wie wurden Sie behandelt?

Frag den Chauffeur: Was denkt dieser Mann über Sie?

Frag den Chauffeur: Was denkt dieser Mann über Sie?

Foto: Rolls-Royce

Aufgepasst - das ist eine Trickfrage. Denn: Die stellt Tupperware-CEO Rick Goings gar nicht dem Bewerber selbst, sondern den Leuten, denen der Bewerber unterwegs zum Gespräch schon in der Firma begegnet ist. Also dem Fahrer, der ihn vom Flughafen abgeholt hat, der Sekretärin, den Leuten am Empfang. Und die berichten ihrem CEO gerne, wie sich jemand außerhalb des direkten Bewerbungsgesprächs benommen hat. Alltägliche Kommunikationssituationen geben über Charakterfragen wahrscheinlich besseren Aufschluss.

Ist jemand unsicher? Hört er oder sie zu? Oder ist er nur zum Chef freundlich, aber lässt den Fahrer spüren, wer hier das Alphatier ist? Wichtige Informationen. Und es ist eine gute Empfehlung, einfach alle Leute mit Respekt zu behandeln. Auch wenn die nachher keiner nach Ihrem Benehmen fragt.

Was ist Ihre Lieblingsstraße bei Monopoly - und warum?

Ein schönes Spiel für Investmentbanker: Monopoly

Ein schönes Spiel für Investmentbanker: Monopoly

Foto: Franz-Peter Tschauner/ picture alliance / dpa

Das klingt nun wirklich nach einer selten forciert-konstruiert-originellen Frage, die sich jemand ausgedacht hat, um beim "Was ist Ihre härteste Frage"-Contest gut abzuschneiden, oder? Könnte sein. Könnte aber auch sein, dass Ken Moelis, CEO und Gründer der Investmentbank Moelis & Co, sich wirklich etwas dabei denkt.

Er stellt nach eigenem Bekunden die Frage gerne Leuten, die sich frisch von der Uni weg auf mittlere Führungspositionen bewerben - und schwört darauf, dass die Antwort viel darüber verrät, wie Leute Risiko und Ertrag bewerten.

Gibt es eigentlich jemanden, der die Schlossallee nicht mag? Gerade unter Investmentbankern? Unwahrscheinlich. Auf jeden Fall vermeiden sollte man wohl die Antwort "So ein blödes Kapitalistenspiel rühre ich nicht an, mein Lieblingsspiel ist Obstgarten, wo alle Spieler gegen den gemeinen Raben zusammenhalten."

Was war Ihr größter Fehler - und was haben Sie daraus gelernt?

Runterfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitermachen: 2010 stürzte Prinz Harry beim Polo vom Pferd, aber das kann ja mal passieren

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Foto: DPA

Ok, das sind gleich zwei Fragen, aber Scheitern ist ja auch ein Modethema. Davide Serra, Gründer und CEO des Hegdefonds Algebris, will so herausfinden, wen er vor sich hat - und welche Erfahrungen den Menschen und potentiellen Mitarbeiter entscheidend geprägt haben.

Plus: Gerade wenn es um viel Geld geht, ist es entscheidend, dass Führungskräfte nicht glauben, sie hätten nur Pech gehabt. Nur wenn sie es durchaus für möglich halten, auch ihre eigenen Handlungen könnten Teil des Problems sein, können sie das Problem lösen. Wer sich bei dieser Aufforderung zur Selbstreflexion drückt und sich an kein eigenes Versagen erinnern kann, in der Hoffnung, so besser auszusehen, sieht in Wahrheit schlechter aus.

Wer oder was wollten Sie sein, als Sie sieben Jahre alt waren?

Diese Frage kommt von Barbara Byrne, Vizechefin des Investmentbankings bei Barclays. Wenn ein Bewerber schon so weit sei, dass er ein Gespräch mit ihr habe, könne sie davon ausgehen, dass er oder sie smart sei - das müsse sie dann nicht mehr prüfen.

Viel wichtiger sei der "Flugzeugtest": Könnte sie neben dieser Person einen Langstreckenflug aushalten, ohne zu Tode gelangweilt zu werden? Und da sei die Kindheitsfrage ein guter Eisbrecher. Und eine Möglichkeit, echten menschlichen Kontakt herzustellen.

Unterwegs mit Elefanten: Was ist aus Ihren Kindheitsträumen geworden?

Unterwegs mit Elefanten: Was ist aus Ihren Kindheitsträumen geworden?

Foto: ANINDITO MUKHERJEE/ REUTERS

Vor dieser Frage müssen Sie also keine Angst haben - da gibt es kein Richtig und kein Falsch. Erzählen Sie doch einfach von sich.

Mutige Alternative: Schauen Sie sich um und sagen Sie: "Verdammt, Sie haben Recht. Was mache ich eigentlich hier? Ich habe hier nichts zu suchen. Investmentbanking, pfui Teufel! Ich wollte doch immer Elefantenpfleger im Duisburger Zoo werden! Auf Wiedersehen."

Es kann dann natürlich passieren, dass Sie niemand aufhält, wenn Sie den Raum verlassen. Aber wer weiß? Vielleicht ist es ja besser so.

Hier ist die Weinkarte! Suchen Sie uns etwas aus?

Hm, da fällt die Wahl schwer. Aber Sie könnten natürlich jemanden um Rat fragen.

Hm, da fällt die Wahl schwer. Aber Sie könnten natürlich jemanden um Rat fragen.

Foto: Four Seasons Hotel George V

Besonders sorgfältig geht Charles Phillips vor, CEO von Infor, einem New Yorker Softwareunternehmen. "Jeder kann eine Dreiviertelstunde lang blenden", meint er. Ernstzunehmende Bewerber dürfen sich deshalb auf ein gemeinsames Dinner mit den zukünftigen Kollegen freuen - und darauf, die Weinkarte ausgehändigt zu bekommen. Das ist natürlich auch eine Live-Variante von Frage zwei - Sie erinnern sich: Wie wurden Fahrer und Sekretärin behandelt?

Hier geht es um die Interaktion mit dem Sommelier und dem Kellner, aber nicht nur. Der Kandidat muss sich rasch entscheiden: Lässt er den Kenner raushängen? Versucht er zu imponieren? Versucht er, Kennerschaft vorzutäuschen, wenn er keine besitzt? Fragt er um Rat? Und wenn er diese Klippe souverän umschifft hat, wartet der Abschlusstest: Phillips bittet die Bewerber immer, einen Witz zu erzählen. Damit rechnen die wenigsten.

Seien Sie also gerüstet (es sei denn, Sie möchten lieber mit sonorer Stimme entgegnen "Ich bin nicht zum Witzeerzählen hergekommen."). Sie können es mit dem Knaller von Twitterer @jonnysun versuchen - und gleich die Bewerbungssituation als solche mit parodieren: "In Ihrer Bewerbung schreiben Sie, Ihre größte Stärke sei es, unerwartete Antworten zu geben." "Das ist richtig." "Oh, ich dachte, Sie würden etwas unerwart… oh wow, Sie sind gut!"

Wenn Sie eher der Mann oder die Frau für die Nische sind, können Sie natürlich auch eine Kostprobe klingonischen Humors aus der Science-Fiction-Serie Star Trek geben: Zwei Crewmitglieder landen auf Kronos. Sie treffen eine Wache. Sie fragen: "Kommen wir von hier zur großen Halle?" Die Wache antwortet: "Falls euch nicht die Käfer beißen." (Noch besser kommt der Witz natürlich im klingonischen Original: Qo'noSDaq paw cha' DIvI' beq. 'avwI' lughom. lutlhob: naDevvo' vaS'a'Daq majaHlaH'a'? jang 'avwI': lIchopbe'chugh ghewmey.)

Geben Sie uns eine Kostprobe Ihres Könnens?

Keine Scheu: Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel - und wenn Sie singen können, dann singen Sie!

Keine Scheu: Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel - und wenn Sie singen können, dann singen Sie!

Foto: Corbis

Atul Kunwar, technischer Vorstand des Outsourcing-Spezialisten Tech Mahindra, liebt es, wenn Bewerber auf Worte Taten folgen lassen. Und auch er sucht die menschliche Annäherung. Bei Führungskräften ist schließlich die ganze Persönlichkeit gefragt. Also fragt er nach sonstigen Interessen und Hobbies - und man sollte nicht nur eine Antwort parat haben, sondern auch gut vorbereitet sein.

Einen Bewerber, der das Singen als Hobby nannte, ließ er beim Bewerbungsgespräch vor versammelter Runde ein Lied anstimmen. Der Mann habe sich wacker geschlagen. Ein Indiz dafür, dass er es mit seinen Passionen ernst meinte und auch in überraschenden Situationen Gelerntes abrufen konnte.

Überlegen Sie also gut, welches Ihrer Hobbies bewerbungsgesprächstauglich ist und einen guten Eindruck macht. Bleiben Sie dabei glaubwürdig. "In meiner knappen Freizeit beschäftige ich mich gerne mit Bilanzbuchhaltung" kommt nicht überzeugend.

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