Montag, 14. Oktober 2019

Acht Profi-Tipps für Bewerber So überzeugen Sie im Vorstellungsgespräch

3. Teil: Die Taktik - Fragen zielführend beantworten und selber gut stellen

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Nachdem sich die handelnden Personen auf der anderen Seite des Tisches vorgestellt haben, ist die Reihe nun an Ihnen. Hier gilt zunächst einmal die bekannte Regel: Wer fragt, der führt. Insofern ist es sehr wahrscheinlich, dass man Ihnen Fragen stellen wird zu Ihrem Werdegang, zu Ihren Motivationen, zu Ihren Kompetenzen. Wenn Sie es schaffen, das Frage-Antwort-Format in ein lockeres Businessgespräch umzuwandeln, von dem beide Seiten anschließend sagen werden, es habe sich gar nicht wie ein Rekrutierungsinterview angefühlt, dann haben Sie einen großen Schritt getan.

Das können Sie einerseits dadurch erreichen, indem Sie Ihrerseits durch Fragen, die Sie unmittelbar nach Ihrer Darstellung, an die Gesprächspartner richten: "Beantwortet das Ihre Frage? Oder soll ich noch weiter ins Detail gehen?" Andererseits hilft es, immer wieder verbale oder non-verbale Signale zu setzen, dass man ins Gespräch hinein möchte, aber auch zu erkennen, dass der Gesprächspartner zu Ihrer Darstellung eine Bemerkung machen, etwas ergänzen oder kommentieren möchte, und ihn dann ebenfalls "hinein" zu lassen. Sind beide Seiten geschult und versiert mit Blick auf die Besonderheiten eines solchen Gesprächs, steht einem erfolgreichen Verlauf nichts mehr im Wege.

Leider sind nicht jedoch nicht alle Gesprächspartner besonders geschult und erfahren im Führen eines Job-Interviews. Daher sollten Sie leider auch Fragen erwarten, die nicht zielführend sind und/oder keinen Erkenntnisgewinn bringen, wie beispielsweise geschlossene Fragen ("Sind Sie ein Machtmensch?") oder die klassische, leider immer noch häufig gestellte Stärken-Schwächen-Frage, die kaum Erkenntnisse zu Tage fördert, weil jeder sie kennt und sich entsprechend darauf vorbereitet hat.

Schildern Sie daher besser, was andere über Sie gesagt haben, zitieren Sie aus möglichen Evaluierungen, versuchen Sie darüber hinaus, herauszulesen, was ein nicht geschulter Interviewer mit einer möglicherweise nicht zielführenden Frage eigentlich von Ihnen wissen will und beantworten sie diese dann zu Ihren Gunsten.

Im dritten Teil eines Vorstellungsgesprächs - also nach der Vorstellung des Unternehmens und der Kurzvita Ihrer Gesprächspartner, nach Ihrer Werdegang-Darstellung, also dem idealerweise lockeren Businessgespräch - sollte man Ihnen Zeit einräumen, um Fragen zu stellen. Demonstrieren Sie auch hier, dass Sie vorbereitet sind und halten Sie einen Bogen Papier oder Ihr iPad bereit, um die während des Gesprächs noch nicht beantworteten Fragen zu erörtern.

Welche könnten dies sein? Zunächst ganz einfach alle diejenigen, die aus der Lektüre der Homepage, des Geschäftsberichts und der Presseartikel heraus nicht beantwortet werden können, etwa strategische Fragen wie

  • Wohin wird/soll sich das Unternehmen Ihrer Meinung nach entwickeln?
  • Welche strategischen und operativen Stellschrauben müssen hierfür bedient werden?
  • Wie wollen Sie wachsen, organisch oder auch durch Akquisitionen?
  • Was ist hierfür notwendig?
  • Wollen Sie Ihr Produktportfolio erweitern? Falls ja, in welche Richtung?
  • In welche neuen Märkte wollen Sie ggf. einsteigen? Welche Voraussetzungen müssen hierfür gegeben sein?

Gerne gehört wird in einem Vorstellungsgespräch auch eine Frage, mit der Sie zum einen die Erwartungen Ihrer Gesprächspartner abklopfen können, zum anderen bereits in diesem Stadium Ihre Einsatzbereitschaft demonstrieren und somit einen guten Eindruck hinterlassen können. Diese "Erwartungsfrage" geht so:

  • Wenn Sie nach 100 Tagen oder 6/9/12 Monaten sagen können wollen, es war genau die richtige Entscheidung, mich an Bord zu holen, was muss bis dahin passiert sein?

Und um zu verstehen, inwieweit sich der neue, potenzielle Arbeitgeber bereits ausreichend Gedanken über das Aufgabenportfolio der zu besetzenden Position gemacht und welche Detailtiefe er hinsichtlich deren Ausgestaltung und Ausstattung schon erzielt hat, hilft die "100-Prozent-Frage":

  • Wenn Sie meine Arbeitszeit einmal mit 100 Prozent annehmen, wohl wissend, dass es den idealtypischen Arbeitstag nicht gibt: wieviel Prozent meiner Zeit werde ich für welche Aufgaben/Aktivitäten verwenden?

Mit der Antwort auf diese Frage erhalten Sie einen guten Eindruck, ob überhaupt Verständnis und Detailtiefe vorhanden sind und, falls ja, wie die Gewichtung innerhalb des Aufgabenportfolios aussieht: eher strategisch, eher operativ, eher administrativ.

Auch sollten Sie unbedingt nach dem Grund für die (Nach-)Besetzung der Position fragen. Wenn Sie der x-te Stelleninhaber innerhalb kürzester Zeit sein werden, müssen bei Ihnen die Alarmglocken schrillen.

Fragen zum Gehalt und zu Urlaubstagen sind selbstverständlich tabu, auch wenn die aktuell in die Arbeitswelt nachrückende Generation gerade versucht, diesen ehernen Grundsatz aufzuweichen.

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