Dienstag, 26. Mai 2020

Gesundheit am Arbeitsplatz US-Konzern mit 30.000 Mitarbeitern stellt keine Raucher mehr ein

Nicht nur klassische Raucher, sondern auch Konsumenten von E-Zigaretten und Vaping-Produkten sind bei U-Haul unwillkommen

"Rauchen Sie? Nutzen Sie E-Zigaretten oder andere Vaping-Produkte?" Bei U-Haul, einem bekannten US-Vermieter von Transportern und Anhängern, entscheiden diese Fragen künftig, ob ein Bewerber oder eine Bewerberin einen Job bekommt - oder eben nicht.

Das Unternehmen, das in den USA und Kanada mehr als 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, hat angekündigt, ab 1. Februar niemanden mehr einzustellen, der Nikotin konsumiert. "Diese Regel ist ein verantwortungsvoller Schritt, um eine Kultur des allgemeinen Wohlbefindens bei U-Haul zu hegen", begründete Personalchefin Jessica Lopez den Schritt. Nikotin-Produkte seien suchterzeugend und würden diverse Gesundheitsrisiken bergen.

U-Haul ist mit der Vorgabe nach eigenen Angaben Vorreiter im amerikanischen Transportsektor. In den USA können für rauchende Mitarbeitende höhere Abgaben für die Krankenversicherung fällig werden, die dann mitunter auch von den Arbeitgebern beglichen werden müssen.

Aber auch in anderen Ländern achten immer mehr Firmen auf die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Zum einen versuchen sie, mit Sportangeboten oder Resilienz-Trainings Ausfälle durch Krankheit zu reduzieren und so die Kosten zu senken. Zum anderen wollen die Unternehmen den allgemeinen Achtsamkeitstrend nutzen, um im Wettbewerb um Talente zu punkten. Die "besten und schlausten" Fachkräfte wolle es anwerben, heißt es bei U-Haul.

Auch Tests auf Nikotin-Konsum sind möglich

Die Vorgabe gilt für 21 US-Staaten, in denen das Unternehmen tätig ist, unter anderem für Florida, Massachusetts und Texas. Wer schon für das Unternehmen arbeitet, sei nicht betroffen, heißt es in einer Pressemitteilung. In den US-Staaten, in denen es Unternehmen erlaubt sei, Mitarbeitende auf Nikotin zu testen, könne es in der Zukunft zu Proben kommen, hieß es weiter.

In Deutschland sei ein solches Vorgehen nicht denkbar, sagt Arbeitsrechtler Daniel Klösel. "Wenn ein Arbeitgeber fragt, ob jemand raucht, ist das eine unzulässige Frage. Ob ich rauche oder nicht, ist meine freie Entscheidung und geht das Unternehmen erst einmal nichts an." Weitere unzulässige Fragen in Bewerbungsgesprächen sind beispielsweise die nach Schwangerschaften oder der Familienplanung, generell nach Krankheiten oder der sexuellen Orientierung. "Bei derart unzulässigen Fragen darf der Bewerber oder die Bewerberin lügen. Der Arbeitgeber kann den Vertrag im Nachgang nicht anfechten, wenn sich herausstellt, dass die Angaben falsch waren", so der Jurist.

Streitpunkt in deutschen Betrieben: die Raucherpausen

In Deutschland sind Klösel keine Fälle bekannt, in denen Unternehmen Raucher vom Bewerbungsverfahren ausgeschlossen oder diese kategorisch abgelehnt hätten. "Was hierzulande immer wieder diskutiert wird, ist aber, ob und in welcher Form Raucherpausen zur Arbeitszeit zählen", so der Arbeitsrechtler.

Unternehmen und Mitarbeiter schließen hier oftmals eine Betriebsvereinbarung, die regelt, ob man beispielsweise ausstechen muss oder nicht. "Die meisten Personaler, die ich kenne, sagen aber, dass diese Frage vorrangig in der Verantwortung der Führungskräfte liegt. Wenn eine Maschine in der Produktion beispielsweise nicht regulär bedient werden kann, weil der zuständige Arbeiter gerade draußen rauchen ist, muss die Führungskraft das regeln", so Klösel.

Alaska Airlines stellt schon seit 1985 niemanden mehr ein, der raucht. Es sei schwierig, in Flugzeugen und in Flughafengebäuden zu rauchen, gibt die Fluggesellschaft als Begründung an. Auch so ein Fall sei in Deutschland nicht möglich, sagt Jurist Klösel: "Es gibt viele Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter, die rauchen. Das eine schließt das andere also offensichtlich nicht aus. Eine Tätigkeit, die von einem Raucher schlichtweg nicht ausgeübt werden kann, ist praktisch kaum vorstellbar."

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