Sonntag, 25. August 2019

Knappe Ressourcen richtig managen Drei Erfolgskriterien für glücklichere Mitarbeiter

Spacex/ Planet Pix via ZUMA Wire/ dpa

Die Gewichte in der Unternehmensführung verlagern sich. Waren einst Kapital und Strategie die zentralen Stellschrauben, so gewinnt heute, wer die Zeit, das Talent und die Energie seiner Mitarbeiter am besten einsetzt.

Walter Sinn
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    Walter Sinn ist Deutschlandchef der Unternehmens-beratung Bain & Company.

Um gleich mit einem Vorurteil aufzuräumen: Im Wettbewerb haben nicht die Unternehmen die Nase vorn, die die meisten High Potentials beschäftigen. Vielmehr sind diejenigen an vorderster Front zu finden, die für die vorhandenen Talente die bestmöglichen organisatorischen Voraussetzungen schaffen. Voraussetzungen, die es ihnen erlauben, ihr Können zum Nutzen der Firma einzusetzen.

Denn Tatsache ist, dass alle Unternehmen über ähnlich viele Top-Talente verfügen - etwa 16 Prozent der Belegschaft. Das habenjüngste Untersuchungen von Bain ergeben. Die Schere öffnet sich erst bei der Betrachtung, was Unternehmen aus diesem Potenzial machen. High Potentials sind von keinerlei Nutzen, wenn sie blockiert, gelangweilt und uninspiriert sind - und deshalb unproduktiv vor sich hinarbeiten.

Wie können Unternehmen heute also noch Reserven mobilisieren?

Eindeutig durch den optimalen Einsatz von Zeit, Talent und Energie. Volkswirtschaftler haben errechnet, dass das Produktivitätswachstum seit 2007 nachgelassen hat und in vielen Branchen gerade einmal auf dem Niveau der Inflation liegt. Seitdem Finanzmittel ausreichend und günstig vorhanden sind - und damit nicht mehr der limitierende Faktor für Erfolg oder Scheitern eines Unternehmens -, richtet sich das Brennglas der Unternehmensführung auf das Humankapital. Denn die Power der eigenen Mitarbeiter wird allzu oft vergeudet.

Unternehmen, die die Zeit, das Talent und die Energie ihrer Belegschaft am besten managen, sind 40 Prozent produktiver als der Rest. Dabei erzielen sie Gewinnmargen, die bis zu 50 Prozent über dem jeweiligen Branchendurchschnitt liegen. Zweifelsohne ein gravierender Hebel.

Mitarbeiter freischaufeln

Das Hindernis in vielen Organisationen bringt ein CEO auf den Punkt: "Wir heuern großartige Mitarbeiter an. Doch wenn sie erst einmal länger hier sind, verlieren sie Profil und Biss."

Unternehmen "fressen" häufig die Zeit ihrer Mitarbeiter. Sie verschwenden sie durch überflüssige Meetings, überbordende E-Mails, unproduktive Telefonate und bürokratische Prozesse. Durch ineffizientes Arbeiten gehen rund 25 Prozent der Produktivität verloren.

Im Durchschnitt verwendet ein Mitarbeiter pro Woche einen vollen Arbeitstag für die Bearbeitung von E-Mails und verbringt fast anderthalb Tage in Meetings, von denen 40 Prozent unnötig sind. Viele Aufgaben wie die Implementierung von IT-Projekten, die Suche nach neuen Mitarbeitern oder große Vertragsabschlüsse dauern heute deutlich länger als noch 2010. Bürokratie unterminiert zunehmend die Leistungsfähigkeit der Unternehmen, und das in allen entwickelten Ländern.

Was aber tun, um die Produktivitätskiller zu eliminieren?

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