Dienstag, 28. Januar 2020

Topfrauen und ihre Erfolgsgeschichten "Meine Karriere war alles andere als ein lockerer Spaziergang"

Simone Frömming ist Deutschland-Chefin bei VMWare
Lee Tuckett; VMWare
Simone Frömming ist Deutschland-Chefin bei VMWare

Simone Frömming ist Deutschland-Chefin von VMWare, einem US-amerikanischen Software-Anbieter. Über Stationen bei IBM, T-Systems und Tech Data ist sie zur Führungsfrau der IT-Branche aufgestiegen. Ihr Erfolgsrezept? "Eine große Portion Mut, den Status Quo zu ändern."

Hamburg - Manchmal weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll über all die vorherrschenden Meinungen und Vorurteile gegenüber Frauen in der Technologiebranche: Eine absolute Männerdomäne, heißt es da, in der Frauen sowieso keine Aussicht auf Erfolg hätten, den Männern weit unterlegen wären, und von Algorithmen, Netzwerken und Rechenzentren sowieso nichts verstehen würden.

Dass sich junge Mädchen, die sich heute für ein Studium im MINT-Bereich entscheiden, immer noch oft für ihre Wahl rechtfertigen müssen, offenbart, dass wir uns nur langsam von bestehenden Gender-Klischees lösen. Und dass sich die meisten von ihnen einen Beruf als Programmiererin, Elektronikerin oder IT-Beraterin erst gar nicht zutrauen, zeigt umso mehr, wie wichtig die frühzeitige Förderung und das Erkennen von (versteckten) Talenten bereits in frühen Schuljahren sind.

Dies aber kann nur durch eine neue Lern- und Lehrkultur geschehen, die Mädchen mit gleicher Selbstverständlichkeit einen Lötkolben in die Hand drückt oder einen Computer auseinanderschrauben lässt wie die Jungen. Denn neben dem mangelnden Selbstvertrauen in die eigenen technischen Fähigkeiten fehlt es jungen Frauen heute häufig an Wissen um die hervorragenden Zukunftsaussichten in der IT. Es fehlt ihnen aber insbesondere an weiblichen Vorbildern.

Geschichte ist voller erfolgreicher IT-Frauen

Es erscheint wie eine weitere Ironie der Geschichte, dass wir 2015 nach Gründen für so wenige Frauen in der IT suchen und über Sinn und Unsinn der Frauenquote diskutieren, wo doch die Informatik in ihren historischen Anfängen kein reiner Männerverein gewesen ist: Ada Lovelace gilt mit ihrem 1843 geschriebenen Algorithmus, den man heute als rudimentäres Computerprogramm bezeichnen könnte, als allererste Programmiererin und Computerpionierin - und das am Ausgang der englischen Romantik! Ihr Porträt findet man heute in den Fluren von vielen Informatikinstituten auf der ganzen Welt.

Der erste elektronische Universalrechner Eniac wurde zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs in den USA von sechs Frauen programmiert. Allerdings hatte man sie bei der offiziellen Vorstellung 1946 "vergessen" zu erwähnen. Gewürdigt hatte man nur die am Projekt beteiligten Männer. Die "Eniac-Frauen" hingegen wurden erst 50 Jahre später geehrt. Und dann wäre da auch noch Grace Murray Hopper, die "Grand Dame" der IT.

Sie gilt als Entdeckerin des Computer-Bugs und des Compilers, einem speziellen Übersetzer für Programmcodes. Sie bekam mehr als 90 Auszeichnungen, darunter 40 Ehrendoktorwürden. In einem Interview mit der US-Frauenzeitschrift "Cosmopolitan" soll Hopper gesagt haben: "Programmieren ist wie Abendessen vorbereiten. Man muss vorausplanen und alles so terminieren, dass es fertig ist, wenn man es braucht. Das geht nur mit Geduld und dem Blick für Details. Frauen sind Naturtalente im Programmieren."

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