Sonntag, 20. Oktober 2019

Studie zu Managergehältern Das verdienen Finanzvorstände in Dax und MDax

Gehaltsvergleich: Das verdienen die CFOs in Dax und MDax
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2,94 Millionen Euro: Das war im vergangenen Jahr das Durchschnittseinkommen der Finanzvorstände (CFOs) der Dax-30-Unternehmen. Eine Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles, die manager-magazin.de exklusiv vorliegt, analysiert die Einkommen der CFOs von Dax und MDax, benennt die Topverdiener und setzt deren Verdienst aus Grundgehalt und Boni in Relation zu dem der CEOs der jeweiligen Unternehmen.

Dieses Verhältnis ist schon deshalb nicht unerheblich, weil der CFO-Posten immer mehr zum finalen Sprungbrett auf dem Weg nach oben geworden ist. Im vergangenen Jahr analysierte die Personalberatung Korn Ferry 170 CEO-Lebensläufe; 27 Prozent waren zuvor schon einmal Finanzvorstände, bei 21 Prozent war das die letzte Station vor dem CEO-Posten.

Wer es klug anstellt, kann mit diesem letzten Karriereschritt sein Gehalt nahezu verdoppeln, wie die aktuelle Studie von Heidrick & Struggles zeigt. Die Finanzvorstände von Dax und MDax kommen auf 55 beziehungsweise 60 Prozent der Vergütungen ihrer jeweiligen CEOs. Insgesamt sank das Einkommen der Dax-Finanzvorstände um durchschnittlich 0,77 Prozent; betrachtet man den Fünf-Jahres-Zeitraum seit 2013, ist die Vergütung allerdings um satte 12,2 Prozent gestiegen. Beim MDax waren es immerhin rund 5 Prozent.

Peter Behncke, Partner bei Heidrick & Struggles, erläutert: "Die Stagnation der Vergütungen der Finanzvorstände rührt von der leicht gebremsten Wirtschaftsleistung der Unternehmen im vergangenen Jahr her. Gerade die Bonuszahlungen der Finanzchefs richten sich nach den erzielten Ergebnissen der Unternehmen, 2018 dann eben zumeist seitwärts."

Das Fixgehalt machte bei den Dax-Finanzvorständen im vergangenen Jahr nur knapp ein Drittel der Gesamtvergütung aus. Zwei Drittel, also knapp zwei Millionen Euro, werden durch kurz- und langfristige Boni erzielt; der kurzfristige variable Anteil lag mit 821.000 Euro bei rund 28 Prozent am Gesamteinkommen, der langfristige Anteil mit 1,18 Millionen Euro bei rund 40 Prozent. Peter Behncke: "Die Zusammensetzung der durchschnittlichen CFO-Einkommen zu etwa einem Drittel fix und zwei Drittel variabel in einem normalen Jahr wie 2018 entspricht einer sinnvollen Vergütungspraxis. Dass der langfristige Bonus inzwischen den höchsten einzelnen Bestandteil der Jahreseinkommen von Finanzvorständen ausmacht, dokumentiert die Abkehr von zu kurzfristigen Shareholder-Value-Zielen." Zum Vergleich: Bei den CEOs ist das Verhältnis der Einkommensanteile fast identisch (Fixum 30, Short-Term Bonus 28 und Long-Term Bonus 42 Prozent).

Die MDax-Finanzvorstände verdienen mit durchschnittlich 1,43 Millionen Euro rund die Hälfte des Einkommens ihrer Dax-Kollegen. Die Anteile von Fixum, kurzfristigem und langfristigem Bonus ist dabei ähnlich: 36 Prozent, 29 Prozent und 35 Prozent. Der Abstand zu den CEOs ist etwas geringer - MDax-CFOs verdienen rund 60 Prozent von deren Einkommen.

Die höchsten Einkommen unter den CFOs der MDax-Unternehmen 2018 erzielten (zu den Bestverdienern unter den Dax-CFOs geht es hier):

  • Arnd Zinnhardt, Software AG, 4,05 Mio. Euro (441.000 Euro, 2,04 Mio. Euro, 1,57 Mio. Euro)
  • Peter Sassenfeld, Hochtief, 3,04 Mio. Euro (675.000 Euro, 788.000 Euro, 1,58 Mio. Euro)
  • Bernhard Günther, Innogy, 2,48 Mio. Euro (759.000 Euro, 721.000 Euro, 1 Mio. Euro)

Die niedrigsten Einkommen unter den CFOs der MDAX Unternehmen 2018 erzielten:

  • Olaf Borkers, Deutsche Euroshop, 465.000 Euro (186.000 Euro, 279.000 Euro, kein Long Term Bonus)
  • Enno Spillner, Evotec, 687.000 Euro (310.000 Euro, 171.000 Euro, 206.000 Euro)
  • Emmanuel Thomassin, Delivery Hero, 750.000 Euro (250.000 Euro, kein Short Term Bonus, 500.000 Euro).

Ein CFO allerdings fällt komplett aus dem Rahmen und wurde deshalb bei den Berechnungen zum MDax nicht berücksichtig, um die Zahlen nicht zu verzerren: Rubin Ritter, Gründer und Co-CEO von Zalando, der die Aufgaben des CFOs mitbetreut. Ritter erzielte wie seine beiden Vorstandskollegen 2018 ein rekordverdächtiges Einkommen von 19,3 Millionen Euro, wobei 19,2 Millionen Euro als langfristiger Bonus ausgewiesen sind. Sein Fixgehalt betrug lediglich 188.750 Euro. In die Berechnungen ebenfalls nicht eingeflossen: Ralph Dommermuth als CEO von 1&1 Drillisch und United Internet, der als Gründer und bestimmender Aktionär 2018 auf sein Einkommen verzichtet hat.

Zur Methodik: Die Berechnungen zur Ermittlung der Gesamteinkommen schließen Grundgehalt, Short-Term Bonus und Long-Term Bonus (einzelne Angaben zu Mid-Term Boni wurden dem Long-Term Bonus zugeschlagen) ein, etwaige Sonderzahlungen wurden wegen der besseren Vergleichbarkeit nicht berücksichtigt. Es wurden jeweils nur Finanzvorstände und Vorstandsvorsitzende berücksichtigt, die ganzjährig in ihrer Funktion tätig waren, das waren im Dax 24 CFOs. Beim MDAX wurden einige Unternehmen nicht berücksichtigt, die in ihren Geschäftsberichten keine individuellen Vergütungen ausweisen. Lediglich die Gesamtvergütung des Vorstandes berichten unter anderem Axel Springer, RTL und Airbus. In einzelnen Unternehmen betreut der CEO in Personalunion auch die Position des Finanzvorstands. Auch diese Unternehmen wurden nicht berücksichtigt.

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