Mittwoch, 23. Oktober 2019

Studiendaten belegen Wer privat fremdgeht, betrügt auch im Job eher

Wer privat fremdgeht, ist auch im Job nicht ehrlich - so lassen sich die Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie zusammenfassen, die eine starke Korrelation zwischen dem Betrug an Partner oder Partnerin und Fehlverhalten am Arbeitsplatz ermittelte.

Wie das Portal Bloomberg berichtet, untersuchten die Wissenschaftler der University of Texas at Austin und der Emory University geleakte Datensätze der Dating-Site Ashley Madison, die Affären für verheiratete Menschen vermittelt. 2015 waren durch einen Hackerangriff die Namen und persönlichen Daten von mehr als 30 Millionen Usern bekannt geworden.

Die Wissenschaftler nahmen sich eine Liste von insgesamt 11.000 Menschen vor, die auf der Plattform (Slogan: "Life is short. Have an affair.") registriert waren, und überprüften sie auf bekannt gewordene Verstöße gegen berufliche Verhaltensregeln. Die Zahl der Fremdgeher mit Dreck am Stecken verglichen sie dann mit beruflichem Fehlverhalten von nicht auf der Plattform registrierten Vergleichsgruppen.

Dabei unterschieden sie vier Gruppen: Polizeibeamte, Finanzberater, sowie bei der Börsenaufsicht wegen Verstößen aktenkundig gewordene Personen im Vergleich jeweils zu Finanzberatern und CEOs sowie CFOs. Das Ergebnis: Bei den Fremdgehern war die Wahrscheinlichkeit bis zu doppelt so hoch, dass sie auch im beruflichen Kontext nicht ehrlich agierten.

Bloomberg zitiert Studienautor John Griffin: "Unsere Studie weist darauf hin, dass Betrug im einen Kontext sich auch auf andere Lebensbereiche überträgt. Wir versuchen nicht, eine ethische Debatte zu führen oder Menschen zu belehren; wir untersuchen nur die Daten. Und die sind ziemlich aussagekräftig."

Genau dieser Punkt macht die Studie besonders interessant - denn dass Menschen mit insgesamt eher laxen Moralvorstellungen in jeder Lebenssituation entsprechend agieren, mag wenig überraschen. Aber naturgemäß ist es schwierig, diese These mit validen Daten zu stützen. So fanden die Autoren heraus, dass 4,1 Prozent der Menschen, die die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde zwischen 2010 und 2015 der Verletzung von Wertpapiergesetzen beschuldigte, bezahlte Nutzerkonten bei Ashley Madison hatten. In der Kontrollgruppe, die ähnliche Berufsbiographien umfasste, aber nicht aktenkundig war, war es lediglich 1 Prozent.

CEOs and CFOs, die einen Account bei der Affärenplattform hatten, waren sogar mit doppelt hoher Wahrscheinlichkeit in finanzielle Betrügereien oder Sammelklagen wegen der Verletzung von Wertpapierbestimmungen verwickelt; auch fremdgehende Börsenmakler waren mit höherer Wahrscheinlichkeit bei der Aufsichtsbehörde für die Finanzindustrie als schwarze Schafe bekannt.

Ein paar Fragezeichen bleiben natürlich - allen voran die moralische Frage, ob man von Hackern erbeutete Daten für wissenschaftliche Zwecke nutzen darf. Und natürlich lässt sich nicht ermitteln, ob in der Kontrollgruppe auch Fremdgeher waren, die ihre Affären nur ohne Hilfestellung von professioneller Seite auslebten. Die renommierte Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" hat die Studienergebnisse zur Publikation angenommen.

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