Sieben überraschende Karriere-Tipps Prokrastinieren? Gute Idee!

Erleuchtung im Apple Store: Doch, das gibt es

Erleuchtung im Apple Store: Doch, das gibt es

Foto: AP/dpa

Die Arbeit vor sich her schieben, möglichst klein anfangen und öfter mal Dampf ablassen - das klingt nicht nach überzeugenden Karriere-Maßnahmen, ist aber genau das, was Adam Grant, Professor an der Wharton School of Business Management, den Lesern seines gerade erschienenen Buchs "Originals" empfiehlt. Das Magazin "Time" hat daraus sieben überraschende Karrieretipps destilliert , die wir Ihnen hier vorstellen.

Tipp 1: Normale Situation, ganz neue Idee

Hatten Sie schon mal ein Déjà vu? Hatten Sie schon mal ein Déjà vu? (Die Wiederholung der Frage sollte nur den Effekt zeigen.) Adam Grant prägt in seinem neuen Buch den Begriff des "vuja de", um zu beschreiben, wie alte Probleme plötzlich in ganz neuem Licht erscheinen können.

Sein Beispiel: Firmengründer Dave Gilboa, der ausgerechnet in einem Apple Store eine Art Erleuchtung hatte. Er fragte sich: Warum werden Brillen, die es seit mehr als 1000 Jahren gibt, immer teurer - während Smartphones immer günstiger werden? Diese Frage war die Initialzündung für den heute 1,2 Milliarden schweren Brillen-Discounter Warby Parker. Doch es muss ja nicht gleich ein Milliardenunternehmen sein - auch wer vor Publikum seine eigenen Ideen niedermacht, kann es weit bringen, wie das folgende Beispiel zeigt.

Seien Sie Ihr eigener Kritiker

Selbstkritik? Seriously? Wir wissen nicht, was Til Schweiger von diesem Karrieretip hält

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Foto: DPA

Ihre eigenen Ideen niedermachen? Warum sollten Sie das tun? Weil es sie in den Augen des Publikums gut aussehen lässt, meint Adam Grant, und weil es Vertrauen schafft. Rufus Griscom, der Gründer des Elternportals Babble, warb 3,3 Millionen Dollar Gründungskapital ein - indem er zunächst fünf gute Gründe aufführte, warum man auf keinen Fall in sein Unternehmen investieren solle.

Grant nennt solche Leute "defensive Pessimisten". Sie bedenken für jede Situation, was alles schief gehen könnte - und haben am Ende mindestens so viel Erfolg wie Optimisten. Bei besserer Vorbereitung.

Prokrastination ist super für die Arbeit

So... noch die Mails checken.... aber dann fange ich wirklich an. Oder auch nicht.

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Foto: Lena Klimkeit/ picture alliance / dpa

Die herrschende Lehrmeinung geht ja dahin: Packen Sie Ihre Aufgaben beherzt an und hören Sie auf, Unangenehmes auf die lange Bank zu schieben. Das könnte unter Umständen aber genau das Falsche sein. Grant führt den (in der Forschung allerdings nicht unumstrittenen) Zeigarnik-Effekt an: Die russische Psychologin Bljuma Wulfowna Seigarnik stellte ihn 1927 fest.

Demnach können Leute sich besser an unerledigte Aufgaben erinnern als an abgeschlossene; und durch die intensivere gedankliche Beschäftigung mit unerledigten Aufgaben können sie, so Grant, zu weitaus kreativeren und besseren Lösungen kommen. Martin Luther King Jr. habe die Fertigstellung seiner legendären "I Have A Dream"-Rede bis vier Tage vor dem Termin vor sich hergeschoben. Und das berühmte Zitat spontan eingeschoben.

Zerstückeln Sie Ihre Vision

Sie wollen Veränderung? Erschrecken Sie Ihre Mitarbeiter nicht mit allzu großen Ideen

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Foto: Corbis

Die meisten Leute hassen Veränderungen. Jeder, der im Unternehmen mit einer radikalen neuen Idee daherkommt, ist daher eine potentielle Bedrohung. Grant rät daher: Präsentieren Sie Ihre radikalsten Ideen umhüllt von dem Deckmäntelchen harmloser kleiner Veränderungen.

Er führt das Beispiel von Ubeam-Gründerin Meredith Perry an, die vergeblich versuchte, Entwickler und Investoren von ihrer Idee eines kabellosen Wandlers zur Energieübertragung zu überzeugen. Erfolg habe sie dagegen gehabt, als sie die Entwickler mit Einzelaufgaben betraute, die dann zusammengenommen ihr System ermöglichten.

Lernen Sie von den jüngeren Geschwistern

Geschwister: Lernen Sie von den Jüngeren

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Foto: Corbis

Alle anderen sind besser als Sie? Fein, dann machen Sie eben etwas anderes. Schwächen können ebenso wertvoll sein wie Stärken, findet Adam Grant. Jüngere Geschwister etwa seien dauernd damit konfrontiert, nicht mit den älteren mithalten zu können - und suchten sich daher, durchaus auch später im beruflichen Umfeld, Wirkungsgebiete aus, auf denen sie nicht konkurrierten. Das führe dazu, dass Jüngere oft die unkonventionellen Jobs hätten - unter anderem, weil sie, gestärkt durch den Beschützerinstinkt ihrer älteren Geschwister, sich tendenziell gesicherter fühlten.

Charakter sticht Regeln

Goldene Ketten, goldenes Herz: Serienheld Mister T hielt nicht viel von Regeln, aber war äußerst integer

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Foto: Corbis

Kleine sprachliche Unterschiede können eine Menge ausmachen: Wenn man etwa Leute auffordert, sie mögen keine Schummler sein, funktioniert das besser als die Ansage, bitte nicht zu schummeln. Warum? Letzteres ist eine Regel, und Regeln schreien förmlich danach, gebrochen oder zumindest gebeugt zu werden. Ersteres hingegen ist eine Aussage über den jeweiligen Charakter.

Grant zitiert eine Studie: Kinder, die man für ihren Charakter lobte, handelten bei einem Murmeltausch-Experiment großzügiger und wiederholten das gewünschte Verhalten eher. Er schreibt: Auf Charakterzüge abzuheben "ruft ein Gespür für das eigene Selbst hervor und löst die Logik der Angemessenheit aus: Welche Art von Person bin ich? Und wer will ich sein?" Im Umkehrschluss: Wenn Sie etwas von jemandem wollen, sollten Sie an denjenigen als an die Person appellieren, die so etwas gerne tun würde.

Gerne auch mal Dampf ablassen

Wer für seinen Job brennt, darf auch mal Dampf ablassen

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Foto: REUTERS

Ganz klar, Professionalität kann Ihre Karriere befördern oder, wenn sie fehlt, beenden. Man will niemals dabei erwischt werden, wie man über den Chef lästert, beispielsweise. Andererseits: Es mag Momente in Ihrer Karriere geben, an denen Sie einfach Dampf ablassen müssen. Wenn Sie das richtig machen, ist das kein Problem, meint Grant. Er schreibt über eine Gruppe von Chirurgen, die von ihren leitenden Ärzten immer wieder verbal gedemütigt worden seien.

Nach Feierabend habe sich die Gruppe getroffen und das "Arschloch der Woche" gewählt. Das habe geholfen, den Stress abzubauen - und 20 Jahre später, so Grant, hatten die Chirurgen fast alle selbst leitende Positionen inne und schworen einander, den Mobbing-Kreislauf zu durchbrechen und ihren Mitarbeitern mehr Respekt zu erweisen, als sie selbst erfahren hatten.