Donnerstag, 25. April 2019

Selbstüberschätzung von Top-Managern - die große Gefahr Sind Sie selbstbewusst oder schon gefährlich selbstverliebt?

Tafel ohne Tendenz: Frauen neigen weniger zur Selbstüberschätzung als Männer.

Viele Top-Manager entscheiden falsch, weil sie sich selbst überschätzen. Verhaltensökonom Alexander Sebald schreibt auf mm.de exklusiv über die Hintergründe - und lädt Sie zu einem von ihm konzipierten Selbsttest ein.

In leistungsbezogenen Umfeldern wird ein hohes Selbstvertrauen oft als sehr positive Eigenschaft angesehen, die durch Erfolg entsteht und zukünftige Erfolge fördert. Insbesondere Menschen, die viele große Herausforderungen gemeistert haben, wie Führungskräfte und Politiker, besitzen oft ein starkes Selbstvertrauen und sind sich ihrer überdurchschnittlichen Fähigkeiten sicher.

Es besteht jedoch ein schmaler Grat zwischen einem gesunden Selbstvertrauen und einem übersteigerten Selbstbewusstsein, das zu schwerwiegenden Entscheidungsfehlern führen kann. Affären und Skandale, bei denen eine solche Hybris im Spiel ist, sind ein Beleg dafür.

Es wird zwischen verschiedenen Arten von übersteigertem Selbstbewusstsein differenziert. Viele Menschen neigen dazu ihr eigenes Wissen und ihre Fähigkeiten absolut zu überschätzen oder glauben gegenüber anderen in diesen Punkten überlegen zu sein.

Aber was sind die Ursachen für dieses Phänomen und was für mögliche Konsequenzen beinhaltet es für Führungskräfte und Unternehmer? Gibt es Faktoren, die unseren Hang zur Selbstüberschätzung beeinflussen? Was kann man tun, um der eigenen Selbstüberschätzung oder der Hybris anderer im eigenen Unternehmen vorzubeugen?

Und selbst? Hier können Sie Ihren Hang zur Selbstüberschätzung in der ersten "manager magazin Challenge"testen.

Hybris und ihre Konsequenzen

Jede der oben genannten Spielarten der Hybris kann zu kostspieligen und fatalen Entscheidungsfehlern führen, sowohl bei großen unternehmerischen Investitions- und Finanzmarktentscheidungen wie auch in einfachen Planungsprozessen.

Alexander Sebald
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    Alexander Sebald ist Professor und Co-Direktor des Zentrums für Experimentelle Ökonomie der Universität Kopenhagen und wissenschaftlicher Kopf der "Intuition Challenge" von manager-magazin.de. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der Verhaltensökonomie und der experimentellen Wirtschaftsforschung mit besonderem Fokus auf Themen der Personalentwicklung.
Dass Investitionsentscheidungen und Selbstüberschätzung von Führungskräften eng zusammenhängen, haben unter anderem Matthew Billett und Yiming Qian von der Business-School der University of Iowa in einer Studie in der Fachzeitschrift "Management Science" gezeigt. In ihrer breit angelegten Studie analysieren sie 3500 Akquisitionsentscheidungen von über 2000 CEOs US-amerikanischer Firmen im Zeitraum von 1985 bis 2002. Sie zeigen, wie Anfangserfolge von CEOs zu Hybris und folgenden Entscheidungsfehlern bei Firmenzukäufen führen.

Ihr Fazit: CEOs lassen sich durch Anfangserfolge oft dazu verleiten, weitere und größere Firmenzukäufe zu tätigen, die aber oft negative Konsequenzen für den eigenen Firmenwert mit sich bringen. Anfangserfolge nähren zum Beispiel den Glauben, besser im Umgang mit Integrationsprozessen zu sein oder besser Synergieeffekte nutzen zu können, als es der Wirklichkeit entspricht - ein möglicherweise folgenschwerer Einschätzungsfehler.

Zu einem ähnlichen Fazit kommen auch Ulrike Malmendier von der University of California und Geoffrey Tate von der University of North Carolina in einer empirischen Studie, die im "Journal of Finance" erschienen ist. Auch sie untersuchen Investitionsentscheidungen von CEOs 477 großer US-amerikanischer Unternehmen im Zeitraum von 1980 bis 1994 und zeigen wie CEOs, die ihre Fähigkeit Rendite für Ihre Firma zu generieren überschätzen und zu hohe Preise für Firmenzukäufe bezahlen. Wie in der Studie von Matthew Billett und Yiming Qian zeigt sich also auch hier, dass sich selbstüberschätzende CEOs dazu neigen, wertmindernde Firmenzukäufe zu tätigen. Interessanterweise ist dieser Effekt am stärksten bei CEOs, die auf ausreichend firmeninterne Liquidität zugreifen können.

Ein übersteigertes Selbstbewusstsein hat aber nicht nur Einfluss auf die Entscheidungen von CEOs. Auch Unternehmer treffen potentiell schlechte Entscheidungen, wenn sie ihr eigenes Können oder Wissen überschätzen.

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