Sonntag, 8. Dezember 2019

Scientology als Gefahr für Unternehmen Wie werden Unternehmen ihre Thetanen wieder los?

Schauspieler Tom Cruise ist das wohl prominenteste Mitglied der Scientology-Bewegung. Angeblich hat er bereits den siebten Level eines "Operating Thetan" erreicht - was für Scientologen ein sehr hoher Grad der Erkenntnis ist

2. Teil: Rechtslage ist nicht eindeutig

Ron Hubbard, Gründer der Scientology-Bewegung, hat hierzu die Handlungsmaxime für Scientologen ausgegeben: "Erobern Sie, egal wie, die Schlüsselpositionen, die Position als Vorsitzende des Frauenverbands, als Personalchef einer Firma, als Leiter eines guten Orchesters, Sekretärin des Direktors, als Berater der Gewerkschaft - irgendeine Schlüsselposition." Für die Umsetzung dieser Strategie in der Wirtschaft sind eine Vielzahl von Scientology selbst geführter Unternehmen, insbesondere das Beratungsunternehmen WISE zuständig

Konkret wird der Scientology-Bewegung vorgeworfen, sich in folgenden Punkten gegen die geltende Rechtsordnung zu verhalten:

  • Anstiftung zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten von Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetzen;
  • Anstiftung zur Verletzung des Datengeheimnisses (Datenschutz);
  • Anstiftung zur Verletzung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen (Straftat nach § 17 UWG);
  • Anstiftung zur Verletzung von Compliance-Richtlinien;
  • Anstiftung zu Vertragsbruch (Missachtung von Arbeitsanweisungen);
  • unerlaubte Mitgliederwerbung

Diese Vorwürfe werden regelmäßig in den gerichtlichen Auseinandersetzungen um abgelehnte Bewerbungen, Kündigungen, Ausschluss von Mitgliedschaften in Parteien, fristlose Kündigung und Anfechtung von Beratungsverträgen erhoben und sind auch Ergebnis der Untersuchungen des Verfassungsschutzes Die Rechtslage in derartigen Fallgestaltungen ist zum Leidwesen der Unternehmen leider nicht eindeutig.

Das Bundesarbeitsgericht hat in einer Entscheidung aus dem Jahr 1995 bereits festgestellt, dass die "Scientology-Kirche" keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft im Sinne der Artikel 4 und 140 Grundgesetz und Artikel 137 der Weimarer Reichsverfassung ist. Diese Entscheidung hat dazu geführt, dass sich Mitglieder der "Scientology-Kirche" bei Bewerbungen und Einstellungen in ein Arbeits- oder Dienstverhältnis sowie bei einer Kündigung nicht auf den Diskriminierungsschutz des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes berufen können. Nach dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz darf kein Mitarbeiter, also auch keine Führungskraft wegen seiner Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung benachteiligt werden. Wäre die "Scientology-Kirche" eine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft, könnte die bloße Mitgliedschaft in dieser Bewegung nicht zu einer Kündigung oder bei Beginn des Arbeitsverhältnisses zur Verweigerung einer Einstellung führen.

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