Mittwoch, 26. Juni 2019

Praktikantenspiegel 2017 Praktikanten verdienen erstmals mehr als 1000 Euro

Pharmazie-Praktikanten bei der Arbeit

Der "Generation Praktikum" geht es besser: Im Vergleich zum Vorjahr ist der Durchschnittslohn für Praktikanten auf dem deutschen Arbeitsmarkt um 82 Euro gestiegen - auf 1032 Euro. Das ist das Ergebnis des jährlichen "Praktikantenspiegels", den die Unternehmensberatung Clevis in Kooperation mit der Jobbörse Absolventa und der Universität Magdeburg erstellt hat und für den mehr als 5500 Praktikanten befragt wurden.

Noch 2011 hatte eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds DGB ein weitaus düstereres Bild gezeichnet: Trotz Recht auf Entlohnung arbeiteten 40 Prozent der Praktikanten unbezahlt, in den besonders begehrten Bereichen Kunst und Kultur waren es sogar zwei Drittel. Und der Rest verdiente im Schnitt gerade einmal 551 Euro.

Heute sind laut der aktuellen Clevis-Studie 88 Prozent der Befragten zufrieden mit ihrem Arbeitsverhältnis, nur noch 3 Prozent sehen kein Geld für ihre Arbeit. Die Einkommenssteigerung ist vor allem auf die neue Mindestlohn-Regelung zurückzuführen. Frauen verdienen dabei weniger als Männer; bei Pflichtpraktia 20, bei freiwilligen fast 50 Euro. Allerdings entscheiden sie sich auch eher für schlechter zahlende Branchen.

Die Studie stellt weiter fest, dass 85 Prozent der Arbeitgeber auch nach dem Praktikum weiter mit ihren ehemaligen Praktikanten in Kontakt bleiben und so begehrte Absolventen frühzeitig an das Unternehmen zu binden. Für gute berufliche Aussichten zeigen sich auch die Praktikanten flexibel: Mehr als die Hälfte zieht dafür an einen anderen Wohnort, 12 Prozent gehen sogar ins Ausland. Durchschnittlich dauert ein Praktikum etwa fünf Monate, der Altersschnitt der Praktikanten liegt bei 24,2 Jahren. Die Hälfte der Befragten kommen aus den Wirtschaftswissenschaften.

Der DGB meldet jedoch Zweifel an, ob wirklich alles so rosig aussieht. "Praktika sind nach wie vor anfällig für Missbrauch", sagte Florian Haggenmiller, DGB-Bundesjugendsekretär, der "Berliner Zeitung": "73 Prozent aller Praktika finden während des Studiums statt. Dort hat der Gesetzgeber aber massive Ausnahmen vom Mindestlohn zugelassen." Die Arbeitgeber seien "sehr kreativ, wenn es darum geht, bei einem Praktikum den Mindestlohn zu umgehen" und würden zuweilen freiwillige Praktika als Pflichtpraktika ausgeben.

mh

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