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Desaster beim Business Lunch: Diese Gerichte sollten Sie besser nicht bestellen

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Kantinendates über "Mystery Lunch" Warum Ihre Firma will, dass Sie mit Fremden zu Mittag essen

manager-magazin.de: Was ist ein Mystery Lunch, Herr Drebes?

Christoph Drebes: Das ist ein ganz normales Mittagessen. Der Unterschied: Man geht nicht mit den gleichen Kollegen wie immer, sondern mit welchen, die man noch nicht kennt.

mm.de: Wie läuft das praktisch ab?

Drebes: Sie melden sich in Ihrem Unternehmen auf einer Plattform an, geben Ihre Abteilung an und vielleicht noch, wie oft Sie teilnehmen wollen, auf welchem Hierarchielevel Sie sind, welche Interessen Sie haben und welche Sprachen Sie sprechen. Dann wird Ihnen nach dem Zufallsprinzip für den ausgewählten Tag ein Kollege oder eine Kollegin zugeordnet.

mm.de: Wer legt diese Parameter fest? Und wer legt fest, wer miteinander essen gehen soll und wer nicht?

Christoph Drebes
Foto: Christoph Drebes

Christoph Drebes hat 2014 zusammen mit zwei Kollegen, mit denen er bei Telefónica arbeitete, die Firma "Mystery Lunch" gegründet, für die alle drei mittlerweile hauptberuflich tätig sind. Das Technologie-Start-Up bietet eine Plattform für Unternehmen, die deren einander nicht bekannte Mitarbeiter zu gemeinsamen Essen verabredet. Bisher wurden nach firmeneigenen Angaben mehr als 100.000 Meetings in 15 Ländern organisiert. Zu den Kunden zählen rund 40 große Unternehmen wie Allianz, Telekom, Telefónica und DHL.

Drebes: In der Regel werden wir von den Personalabteilungen beauftragt, unser Tool zu implementieren. Die entscheiden, auf welche Weise sie das tun wollen. Es wäre technisch möglich, bestimmte Bereiche bevorzugt zu matchen, etwa wenn Geschäftsbereiche zusammengelegt werden und die betreffenden Kollegen einander besser kennenlernen sollen. Aber solche Wünsche sind bisher noch nicht geäußert worden. Die meisten unserer Kunden setzen auf das Zufallsprinzip, weil es umso spannender wird, je weniger Vorgaben man macht. Aber manche Unternehmen machen schon einige Einschränkungen.

mm.de: Welche zum Beispiel?

Drebes: Einer unserer Kunden möchte, dass nur jeweils zwei Hierarchielevel nach oben und nach unten gematcht wird. Auch Praktikanten und Auszubildende werden zum Teil aus dem System herausgenommen. Und 70 bis 80 Prozent der Teilnehmenden am Mystery Lunch wollen zu zweit essen gehen - aber Vorstände lassen sich meist lieber drei oder vier Leute zulosen, um die knappe Zeit besser nutzen zu können. Es kann auch sinnvoll sein, bei sehr großen Unternehmen den Mystery Lunch auf jeweils eingegrenzte Geschäftsbereiche zu beschränken. Sonst ist es unter Umständen thematisch arg weit voneinander entfernt.

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mm.de: Ich bin im Zusammenhang mit Mystery Lunch auf das Wort "Mittagessenmanagement" gestoßen. Hat man nicht mal mehr beim Essen Ruhe vor dem beruflichen Optimierungszwang?

Drebes: Es ist ja kein Zwang. Jeder soll das machen, was er am liebsten machen will. Wenn man alleine besser entspannen kann oder lieber mit den vertrauten Kollegen essen gehen möchte, wunderbar. Aber wer sich gern auf etwas Neues einlassen will, kann unser Tool nutzen. Ein Netzwerk aufzubauen, kann ja auch einfach Spaß machen. Wir setzen auf das Prinzip Serendipity. Den Begriff gibt es im Deutschen so nicht: Er bezeichnet den glücklichen Zufall, der sich ergibt, obwohl man gar nicht auf der Suche war. Etliche große Innovationen sind durch solche Zufälle entstanden. Das funktioniert aber nur, wenn man einen Raum zur Verfügung stellt, in dem etwas Magisches passieren kann.

"Mystery Brainstorming" soll neue Ideen generieren

mm.de: Wie spontan sind die Leute denn so?

Drebes: Das ist abhängig von der jeweiligen Kultur. In Deutschland wissen die Leute schon gern zwei Wochen im Voraus, mit wem sie essen gehen werden. Wir bieten zwar auch eine Last-Minute-Option an, aber 97 Prozent planen längerfristig. In Vietnam gibt es keinen Mystery Lunch, sondern ein Mystery Meal, welches Frühstück oder Mittagessen sein kann. Mittags schläft man dort eine halbe Stunde nach dem Essen. Und in London bietet ein Kunde mit uns Mystery Coffee an.

mm.de: Lunch Roulette oder Random Lunch gibt es schon seit etlichen Jahren. Was ist bei Ihrem Angebot anders?

Drebes: Wir sind im deutschsprachigem Raum die ersten und auch eine richtige Firma, nicht nur ein Projekt. Wir setzen deutsche Datenschutzrichtlinien um.

mm.de: Das bedeutet?

Drebes: Zunächst stehen unsere Server in Deutschland und wir können die Sicherheit der Daten gewährleisten. Darüber hinaus sieht auch das beauftragende Unternehmen weder, wer am Programm teilnimmt, noch, wer mit wem essen war - auch nicht, wenn Sie mit einem bestimmten Kollegen vielleicht lieber nicht essen gehen möchten. Die bekommt nur die allgemeinen, anonymisierten Zahlen.

mm.de: Was kostet das Angebot für Ihre Kunden?

Drebes: Das kommt auf die Unternehmensgröße an. Bei bis zu 1000 Mitarbeitern sind es 600 Euro monatlich.

mm.de: Billiger wäre es doch, einfach in der Kantine einen Come-Together-Tisch aufzustellen, an den man sich setzen kann, wenn man neue Gesellschaft will.

Drebes: Es gibt auch Firmen, die genau das machen. Aber die Hemmschwelle ist wahrscheinlich größer, sich da hinzusetzen - vielleicht würden dort auch immer nur dieselben 20 bis 30 Kollegen sitzen. Und viele Leute planen ihren Lunch eben doch lieber weiter voraus.

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mm.de: In Firmen, in denen Sie den Mystery Lunch anbieten: Wieviel Prozent der Mitarbeiter nehmen teil? Was betrachten Sie als guten Wert?

Drebes: Je nach Unternehmenskultur und Kommunikation im Unternehmen nehmen normalerweise zwischen 10 und 25 Prozent der Mitarbeiter am Mystery Lunch teil. In kleineren Firmen ist die Teilnehmerquote teilweise deutlich über 50 Prozent.

mm.de: Was haben Sie noch in der Ideen-Pipeline?

Drebes: Schon im Einsatz ist unser Mystery Brainstorming: Da wird ein Meeting mit Kollegen aus verschiedenen Bereichen organisiert, um an frische Ideen und Sichtweisen zu kommen. Eine Vorgabe dafür könnte sein, zehn technikaffine Mitarbeiter zusammenzuwürfeln, die sich ein bestimmtes Problem oder Projekt anschauen. Eine andere Idee ist das Job Shadowing, bei dem man einem Tag lang mal einem anderen Kollegen über die Schulter schauen und an dessen Arbeitstag teilnehmen kann; eine weitere ein Customer Lunch, bei dem Unternehmenskunden mit zufällig zugelosten Mitarbeitern essen gehen - das wäre eine gute Möglichkeit, Kunden und Kundenbedürfnisse besser zu verstehen und den eigenen Mitarbeitern zu zeigen, dass man ihnen vertraut.

mm.de: Mit wem werden Sie heute zu Mittag essen, Herr Drebes?

Drebes: Heute gibt es für mich keinen Mystery Lunch: Meine Mutter ist gerade in München, wir treffen uns gleich zum Essen.