Dienstag, 25. Februar 2020

Xing-Vorstand erklärt sein Handwerk Wie man gute Vereinbarungen mit Mitarbeitern trifft

Was ist Führung? Die fünf Aufgaben
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Wie geht moderne Führung? "Ich empfinde meinen Alltag als weniger glamourös. Es ist viel Handwerk dabei. Und noch in jeder Firma, in der ich gearbeitet habe, sah es intern nicht so spektakulär aus, wie es nach außen dargestellt wurde", meint Timm Richter, Produktvorstand beim Karrierenetzwerk Xing. Über seine Erfahrungen hat er ein Buch geschrieben (siehe Kasten unten). manager-magazin.de bringt in vier Folgen Auszüge daraus. In der ersten Folge ging es darum, wie man neue Aufgaben angeht - und wie man unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt. Zweite Folge: Wie treffe ich gute Vereinbarungen - und wie trenne ich mich von einem Mitarbeiter, wenn es nicht mehr passt?

Timm Richter
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    Timm Richter ist Produktvorstand der Xing AG. Der Diplom-Mathematiker, der einen MBA von der MIT Sloan School of Management hat, begann seine Karriere bei McKinsey und wechselte nach mehreren Jahren in verschiedenen Positionen bei Tchibo als Geschäftsführer in die Reisebranche. Bei Xing ist er seit fünf Jahren.

Wie treffe ich gute Vereinbarungen? Eine Vereinbarung ist schnell getroffen. Vor allem als Vorgesetzter ist es ein Leichtes zu sagen: Mach das mal. Aber ist das auch richtig?

Vereinbarungen sind ein hohes Gut. Sie erfordern von beiden Seiten viel Einsatz und sind anstrengend. Bevor ich meinem Impuls nachgebe, eine Aufgabe zu verteilen, will ich mir selbst im Klaren sein: Ist dies jetzt eine Anregung oder wirklich gewollt? Wenn es wirklich sein soll, dann sage ich das mit Bestimmtheit. Und ich mache Vereinbarungen präzise: was genau von wem bis wann? Das wird manchmal als kleinlich und überflüssig wahrgenommen. Es könnte der Eindruck entstehen, dass wir einander nicht vertrauen.

Ist also so eine Präzision wirklich nötig? Ja! Noch jedes Mal habe ich mich bei wichtigen Sachen geärgert, wenn ich nicht ausreichend präzise war. Zeit geht verloren, unterschiedliche Erwartungen führen zu Frustration.

Buchtipp

Timm Richter
Jeder kann führen: Über moderne Führung zwischen Systemdenken und Menschlichkeit

Books on Demand, 132 S., gebunden, engl. Dezember 2016, 24,95 Euro

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Und ich dachte ... viele Dinge sind eben nicht klar. Ein englischer Kollege gab mir dazu eine gute Eselsbrücke mit auf den Weg: ASSUME makes an ASS out of U and ME.

Vereinbarungen bedeuten nicht nur für den Auftragnehmer Arbeit. Auch der Auftraggeber leistet seinen Beitrag zum guten Gelingen. Er hält die Erfüllung der Vereinbarung nach. Dann weiß jeder: Es ist ernst gemeint.

Wenn ich Vereinbarungen nicht konsequent kommuniziere und immer nachhalte, lernen alle Beteiligten: Ist ja doch egal, das interessiert niemanden. Auf den Auftraggeber ist kein Verlass. Dann verlieren Vereinbarungen ihre Wirkung.

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Auf der anderen Seite: Was mache ich, wenn Vereinbarungen nicht gehalten werden? Welche Macht habe ich, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist? Rumschreien, abmahnen, entlassen - das kann es ja nicht sein. Ich möchte es nicht so weit kommen lassen.

Deswegen noch einmal: das Risiko, dass Vereinbarungen nicht eingehalten werden, gehe ich für die Dinge ein, die sich wirklich lohnen. Und ich bleibe im Gespräch. Natürlich kann immer etwas dazwischenkommen. Oder es gibt neue Informationen, die zu einer Planänderung führen. Das ist alles in Ordnung, solange es einen regelmäßigen und rechtzeitigen Austausch gibt.

Glück ist Erwartungsmanagement. Ich mache klar, was ich in Ordnung finde und was nicht. Wenn nötig, ist meine erste Eskalation, die Gesprächsebene zu wechseln. Dann geht es nicht mehr um die Sache an sich, sondern darum, was sie für die Beziehung bedeutet. Die Sache wird zu einem Beispiel, wie ich nicht arbeiten möchte. Es geht darum, auf höherer Ebene zu klären, wie erfolgreiche Zusammenarbeit klappen kann und wie die Ursache der Nichteinhaltung einer Vereinbarung systematisch behoben werden kann. Wenn das nicht gelingt, ist es notwendig und angemessen, die Frage der Passung zwischen Mensch und Rolle zuzulassen.

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