Montag, 19. August 2019

148.000 Euro im Jahr, aber ... Mehrheit der Ärzte fühlt sich zu gering bezahlt

Ärzte im Eiltempo: Mediziner arbeiten viel und verdienen nach eigener Meinung angesichts dessen zu wenig.

Der größte Teil der Bevölkerung wäre vermutlich begeistert von einem solchen Jahreseinkommen, vielen Ärzten ist es aber noch zu wenig: Einer Studie zufolge stieg das Durchschnittsgehalt der teilnehmenden Mediziner - Hausärzte ebenso wie Fachärzte - zuletzt auf 148.000 Euro im Jahr. Das sind rund 18 Prozent mehr als vor zwei Jahren, als eine ähnliche Erhebung ebenfalls durchgeführt wurde. Doch ist es auch eine angemessene Bezahlung? Mehr als die Hälfte der befragten Ärzte sagt: nein.

Das ist das Ergebnis des "Medscape Gehaltsreports 2019", einer Befragung von 534 Medizinern, die online von Februar bis April 2019 durchgeführt wurde. Unter den Teilnehmern waren Allgemeinmediziner ebenso wie Chirurgen, Anästhesisten und Internisten, Pädiater, Psychologen und Gynäkologen. Etwa 53 Prozent der teilnehmenden Ärzte waren zum Zeitpunkt der Umfrage in Krankenhäusern tätig, so die Studienautoren vom Ärzte-Informationsportal Medscape.

Obwohl die Einkommen im Schnitt erheblich gestiegen sind, fühlen sich Medscape zufolge lediglich 45 Prozent der Hausärzte und 44 Prozent der Fachärzte "fair bezahlt". Besonders unzufrieden sind die jüngeren Ärzte unter 45 Jahren, heißt es. Dort betrage das Durchschnittsgehalt 100.000 Euro pro Jahr, doch nur jeder Dritte habe das Gefühl, dass das in einem angemessenen Verhältnis zur Arbeitsbelastung stehe.

Das Stichwort Arbeitsbelastung führt zugleich zu den Hintergründen der Unzufriedenheit. Medscape verweist auf einen eigens erstellten "Burnout-Report", demzufolge 47 Prozent der Ärzte in Deutschland 51 Stunden und mehr pro Woche arbeiten. Ein Grund dafür sei auch der gestiegene Aufwand für Dokumentation und Verwaltung in dieser Berufsgruppe. Fast jeder fünfte Arzt komme sogar auf mehr als 61 Wochenstunden, heißt es. Jeder zweite befragte Mediziner litt den Angaben zufolge unter Depression oder Burnout.

Sowohl Arbeitsbelastung und Verwaltungsaufwand als auch Gehaltsniveau dürften allerdings bei den Medizinern im Einzelfall mal mehr mal weniger von den Durchschnittswerten abweichen. Das hängt beispielsweise davon ab, in welcher Fachrichtung ein Arzt praktiziert und ob er eine eigene Praxis betreibt oder in einem Krankenhaus tätig ist.

Eine Orientierung dazu liefert beispielsweise das Statistische Bundesamt. Demzufolge belief sich der Reinertrag einer Arztpraxis 2015 im Schnitt auf 258.000 Euro im Jahr. Der Wert ist kaum mit dem Gehalt gleichzusetzen, denn in manchen Praxen arbeiten weitere Mitarbeiter, oder es muss Miete bezahlt oder Kredite bedient werden.

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Generell passt die Ertragssumme aber zum Niveau des von Medscape angegebenen Durchschnittsgehalts. Und es findet sich in dem Zusammenhang auch ein Hinweis zum Thema Abweichung vom Durchschnitt: Den höchsten Reinertrag erzielen laut Statistischem Bundesamt Radiologische Praxen mit 850.000 Euro im Jahr.

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