Sonntag, 19. Januar 2020

Mission eines Rheinländers Einmal zum Mars bitte, ohne Rückflug

Wohnt in Leichlingen, will zum Mars: Stephan Günther

2. Teil: Technisch machbar, menschlich schwierig

Weil Günther schon früh ins Weltall wollte, hat er vieles danach ausgerichtet, angefangen beim Abitur mit den Schwerpunkten Technik und Physik. Er besitzt eine amerikanische Berufspilotenlizenz, entwickelt Software für Flugsimulationen - etwa Space-Shuttle-Starts und Mond-Spaziergänge. Günther hat sich zum Kommunikationstrainer ausbilden lassen, um besonders teamfähig zu sein."Rein technisch halte ich es für absolut machbar, zum Mars zu fliegen und eine Siedlung aufzubauen", sagt Günther. Allein die mentalen, menschliche Faktoren könnten einem Problem werden.

Hier wird ausgesiebt: 40 Bewerber sollen in Vierer-Teams ab 2014 für die Mission trainieren, acht Jahre lang. Nur eine Gruppe darf wirklich losfliegen, so Günther. Viele Tausend Bewerber gebe es, rund 40 aus Deutschland. Eine engere Auswahl solle zum Jahresende getroffen werden.

Das DLR ist in einigen Punkten skeptisch: "Es muss geklärt werden, wie man Ernährung und Sauerstoffversorgung durchgängig sichern will", sagt Sprecher Andreas Schütz. Mars One solle offen legen, was den Teilnehmern physisch und psychisch zugemutet werde. Technisch könne eine solche Mission aber grundsätzlich gelingen.

Ob er es bis zum Mars schafft , steht in den Sternen

Der Aufbau des "Mars One"-Camps soll nach den bisherigen Vorstellungen unbemannt über Roboter erfolgen. Nachdem fünf Module in Betrieb genommen werden, soll 2022 dann eine Rakete mit dem sechsten Modul und den vier ersten Mars-Menschen kommen.

Alle zwei Jahre ist die Landung vier weiterer Astronauten geplant. Die Freiwilligen sollen aus Eis und Wasser im Boden Sauerstoff und Wasserstoff gewinnen, Pflanzen in Gewächshäusern züchten, die später die Sauerstoffproduktion übernehmen und die ersten Bewohner ernähren sollen. Matten mit Solarzellen sollen der Energiegewinnung dienen.

Ob es wirklich dazu kommt, ist noch ungewiss, auch aus finanziellen Gründen. Die Kosten der Mission werden mit rund sieben Milliarden Euro angegeben, was Kritiker für unrealistisch wenig halten. Das Geld soll über den Verkauf weltweiter Medienrechte reinkommen. Laut DLR gehen Schätzungen bisher von 100 Milliarden US-Dollar aus, also der zehnfachen Summe - allerdings inklusive Hin- und Rückflug.

Einmal-Astronauten dagegen würden nicht mehr zurückkehren. Es sei zudem unklar, wie der Mensch den Flug biologisch überstehen würde, sagt Stephan Günther. Bei acht Monaten in der Schwerelosigkeit gingen rund 30 Prozent der Muskel- und Knochenmasse verloren; auf dem Mars schreite die Rückbildung voran.

Kritiker finden die fehlende Möglichkeit einer Rückkehr ethisch bedenklich. Ob es Günther wirklich auf den Mars schaffen wird, steht in den Sternen. Doch für den Weltall-Fan steht fest: "Es wäre mein absoluter Lebenstraum."

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