Pilotenstreik der Lufthansa Mehr Frauen ins Cockpit - die Herren der Lüfte treiben die Lufthansa in den Ruin

Die zwölf vergangenen Streikrunden der Piloten haben die Lufthansa bereits 330 Millionen Euro gekostet. Dazu der Image-Schaden: Je öfter die Piloten zu Hause bleiben, desto mehr leidet der Ruf der Linie als verlässlicher Partner für Reisende.
Von Heiner Thorborg
Im Sinkflug: Die Lufthansa kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Die Pilotengewerkschaft will notfalls jahrelang streiken - und bringt damit die Airline insgesamt in Gefahr

Im Sinkflug: Die Lufthansa kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Die Pilotengewerkschaft will notfalls jahrelang streiken - und bringt damit die Airline insgesamt in Gefahr

Foto:

Christoph Schmidt/ dpa

Diese 13. Streikrunde der Piloten wird nicht billiger werden. "Grundsätzlich ist bis auf Weiteres in jeder Woche mit Streiks zu rechnen", heißt es aus der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Nur Arbeitsniederlegungen an den Weihnachtstagen werden bislang ausgeschlossen.

Uns Stammkunden wird es bei solchen Worten ganz schwummerig - ahnen wir doch, dass wir mit Sicherheit hängen gelassen werden, umbuchen und um Mietwagen kämpfen müssen, Termine verpassen und Geschäfte nicht vorantreiben werden und überhaupt jede Menge Energie verschleudern, die wir dringend woanders einsetzen sollten.

Nach den vergangenen Querelen vor etwa einem halben Jahr hatte die Lufthansa  mit ihren Piloten eine "Gesamtschlichtung" besprochen - aber ganz offenbar waren die Streitenden nie wirklich einer Meinung, was das genau zu bedeuten habe. Die Gewerkschaft wollte dabei stets die Verschiebungen von Jobs zu der in Wien neu angesiedelten Billigtochter Eurowings mitdiskutieren. Lufthansa-Chef Carsten Spohr jedoch sah das als eine von den Tarifpartnern unabhängige unternehmerische Entscheidung. Folglich war er bislang nicht bereit, die konkreten Schritte zum Aufbau der Billiglinie in der Verhandlungsphase zu stoppen.

Eurowings sitzt in Wien und stellt derzeit Piloten zu Gehältern ein, die rund 40 Prozent unter dem bisher bei Lufthansa üblichen Niveau liegen. Ab 2016 soll ein Germanwings Jet pro Monat auf die neue Firma übertragen werden.

Es geht nur formal um die Vorruhestands-Bezüge der Piloten

Heiner Thorborg
Foto: Manuel Fischer

Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder Int. gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co. KG, die Heiner Thorborg & Co. (Zürich) sowie die Initiative "Generation CEO".

Tatsächlich geht es also nur formal um die Vorruhestands-Bezüge für die ohnehin fürstlich entlohnten Lufthansa-Piloten, faktisch aber um den Umbau zum Billigflieger. Die Kapitäne meinen, dass sie eigentlich nichts zu verlieren haben: Wenn die Muttergesellschaft wie geplant durch eine Schrumpfkur geht, sinken die Beförderungschancen für die verbleibenden Piloten. Aus der VC ist daher zu hören, man könne nötigenfalls jahrelang streiken.

Umgekehrt glaubt auch Spohr, dass die Lufthansa auf Dauer nur dann überlebensfähig bleibt, wenn sie sich modernisiert. In dieser Haltung wird er von den Lufthansa-Aktionären gestützt - und hält Kurs.

Kranich-Piloten reagieren ähnlich verbohrt wie GDL-Chef Weselsky

Und genau hier stößt die Tarifpartnerschaft an ihre Grenzen. Unkündbar und wissend, dass die Lufthansa nie mit Aussperrung antworten würde, reagieren die Kranich-Piloten nun ähnlich verbohrt wie die Lokführer der Deutschen Bahn unter der Führung von Gewerkschafter Claus Weselsky. Der hat ungefähr so viel Verhandlungsbereitschaft und -geschick wie der Tisch, an dem er sitzt. Dafür aber jede Menge Willen, den Machtbereich der GDL zu erweitern - zu Lasten der Bahn und ihrer Kunden.

Aus purem Egoismus und sehenden Auges schicken diese Leute ihre Unternehmen in den Abgrund, völlig anders als Belegschaften, deren Betriebsräte dafür sorgen, dass frühere und nicht mehr tragbare Privilegien reduziert werden - weil sie genau wissen, dass es auch für die Arbeitnehmerschaft nicht weitergeht, wenn ein Betrieb in Schieflage gerät.

Doch die Herren der Lüfte sind offenbar nicht nur beratungsresistent, sondern leider auch nicht lernfähig. Wenn sie der Lufthansa schließlich die Flügel gestutzt haben, sind ihre Jobs nämlich ganz weg, so einfach ist das. Mitbestimmung funktioniert, aber nicht so, wie sich die Piloten das vorstellen. Aber was nun?

50 Prozent Frauenquote würde der Lufthansa helfen

Wie wäre es mit einer Frauenquote von 50 Prozent bei den LH-Piloten? Dann wäre das Thema nämlich ausgestanden, denn wir hätten plötzlich 100 Prozent mehr Realismus und Verhandlungsbereitschaft im Cockpit! Hätte übrigens nie gedacht, dass ich so etwas mal schreiben würde, denn ich war bislang der Meinung, dass moderne Organisationen von allein und ohne Quoten verstehen müssten, dass sie nicht ungestraft auf die Hälfte des Talentpools verzichten können.

Aber die Sturheit der VC schreit nach ungewöhnlichen Maßnahmen. Die Deutsche Lufthansa ist mit einem Frauenanteil von 22,5 Prozent in den Toppositionen auf der Managementseite schließlich schon der Spitzenreiter im Dax - und das bei einem weiblichen Mitarbeiteranteil von nur 44,6 Prozent.

Leider liegt die Zahl der Kranich-Pilotinnen immer noch deutlich darunter, bei rund sechs Prozent. Carsten Spohr wäre also gut beraten, sich um mehr weibliche Hände an den Steuerknüppeln seiner Maschinen zu bemühen, denn Frauen sind immer auf der Suche nach einem guten Job, der ihnen erlaubt, Privates und Professionelles zu verbinden. Und mit Kinderbetreuungseinrichtungen, Väterprogrammen und Hilfe für Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen ist die Lufthansa in diesem Bereich vorbildlich aufgestellt.

Weibliche Piloten würden zweifellos schnell realisieren, dass sie bei der Lufthansa in einem gut geführten, modernen, zukunftssicheren Konzern sind und da nur gewinnen können. Sie hätten folglich kein Interesse daran, den Laden in den Ruin zu treiben.

Heiner Thorborg ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wider.

Mehr lesen über Verwandte Artikel