Donnerstag, 5. Dezember 2019

Kinder und Karriere passen doch zusammen Bisschen schwanger geht nicht

Jüngst kamen die neuen Zahlen. Das Betreuungsgeld wird immer beliebter: Fast 400.000 Eltern nehmen es mittlerweile in Anspruch. Ganz genau sind es laut der offiziellen Statistik 386.483 Eltern. Das Betreuungsgeld ist besser bekannt als Herdprämie. Und die meisten Empfänger leben, wie ich, in westdeutschen Großstädten. Nun habe ich mein zweites Kind - eine Tochter - zur Welt gebracht.

Und wenn ich mich konform zum Trend verhielte, müsste ich wohl die Herdprämie beantragen. Mache ich aber nicht. Würde ich niemals machen. Weil ich auch als zweifache Mutter mit beiden Beinen im Berufsleben stehe und weiter stehen will. Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es geht, auch als (werdende) Mutter eine Führungsposition auszufüllen. Und so finde ich es, nebenbei bemerkt, gut, dass es im Vorfeld so viel politische Diskussion um das Betreuungsgeld gab und sich nun auch das Bundesverfassungsgericht sehr skeptisch zur Herdprämie äußert.

Sicherlich bin ich privilegiert. Ich leide keine Not, lebe nicht in prekären Verhältnissen oder bin auf staatliche oder andere karitative Unterstützung angewiesen. Aber in einer Hinsicht bin ich auch nur eine berufstätige Mutter wie Millionen andere, die permanent mit Fragen überschüttet werden. Was hat man mich nicht immer mit besorgtem Blick gefragt, ob es mir wirklich gut geht und ich auch voll einsetzbar bin (trotz Schwangerschaft). Klar bin ich - ich bin nicht krank, sondern schwanger. Warum ich, wie beim ersten Kind, plane, nach drei Monaten wieder an meinen Vorstands-Arbeitsplatz zurückzukehren. Und nicht ein Jahr Babypause zu machen. Weil ich es so möchte und an meiner ersten Tochter sehe, dass es geht.

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Es war schon eine ungewöhnliche Situation, bei Fischer-Appelt einen Vorstandsposten anzutreten, mit dem Wissen, dass - wenn alles nach Plan verläuft - etwas Kleines unterwegs sein wird. Etwas Kleines, auf dass mein Mann und ich lange gewartet haben. Was aber eigentlich gar nicht in die aktuelle berufliche Situation passt. Und wie erkläre ich meine Umstände wiederum dem Vorstandskollegium? Wie kommuniziere ich es meinen Mitarbeitern?

Die Gedanken, die mich grämten, das schlechte Gewissen, das mich plagte - es war nicht einfach wegzureden. Der selbstgeschaffene Druck war eigentlich nur auszuhalten, weil ich vor der Unterzeichnung des Vorstandsvertrags Transparenz geschaffen habe darüber, dass bei mir die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist. Dass ich mir ein weiteres Kind wünsche. Als es dann wirklich so weit war, musste ich nichts "beichten", mit schlechtem Gewissen oder Reue. Entsprechend positiv fielen auch die Reaktionen von Vorstandskollegen und Mitarbeitern aus.

Mein Plan stand von Anfang an fest. Immer unter der Prämisse, dass alles gut läuft und alle gesund und munter sind. Denn das hilft für die Organisation zu Hause, für den Arbeitgeber und natürlich die Kunden. Wir leben in einer Zeit, in der Kunden es schätzen, wenn Frauen Mütter werden. Sie haben meist selbst in ihren Unternehmen ähnliche Konstellationen. Frauen in Führungspositionen mit Kindern und Kinderwunsch - sie wollen nur Klarheit. Und damit Planbarkeit.

Sicher, die bestehenden Teilzeitmodelle decken nicht die Lösungen für alle Unwägbarkeiten des Lebens mit Kindern ab. Immer wieder müssen Eltern und Arbeitgeber miteinander improvisieren - wenn das Kind über Nacht Fieber bekommt und ein wichtiges Meeting ansteht. Nur ein Beispiel von vielen. Aber eines können Mütter tun: Klare Botschaften senden, einen Plan machen, Absprachen und Organisation vorantreiben - also nichts Unmögliches. Lediglich eine klare Entscheidung. Denn eines geht nicht: Nur ein bisschen schwanger zu sein.

Franziska von Lewinski ist Digitalvorstand der Agentur-Gruppe Fischer-Appelt. Ihre Tochter Freda ist am 15. April zur Welt gekommen. Dieser Gastbeitrag wurde bei SAAL ZWEI veröffentlicht, einem Online-Business-Magazin für Frauen und Inhaltepartner von manager-magazin.de. Es erscheint jede Woche Mittwoch - und kann kostenlos abonniert werden.

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