Karrieretipps Was Manager von Spitzensportlern lernen können

Führungskräfte sollten sich an Sportlern orientieren: Welche Ziele setze ich mir? Wie gehe ich mit Niederlagen um, wie mit Konkurrenten? Und wie setze ich mein Team am besten zusammen? Ehemalige Olympiasieger, Zehnkämpfer, Segler oder Beachvolleyballer geben Tipps.
Von Anja Steinbuch
Ziele setzen, das richtige Team fördern, aus Rückschlägen lernen: Ehemalige Spitzensportler wie Frank Busemann, Axel Hager oder Jochen Schümann haben Managern viel zu sagen

Ziele setzen, das richtige Team fördern, aus Rückschlägen lernen: Ehemalige Spitzensportler wie Frank Busemann, Axel Hager oder Jochen Schümann haben Managern viel zu sagen

Foto: Corbis

"Ziele müssen immer groß sein!" Die Forderung, die Frank Busemann Führungskräften ans Herz legt, überrascht zunächst. Sollte man nicht lieber kleinere Schritte vornehmen? "Nein", sagt Busemann. "Auf dem Weg zu einem Ziel treten immer Probleme auf. Bei kleinen Zielen lässt man sich davon leicht stoppen, bei großen nicht, denn hier ist der innere Ansporn meistens so enorm, dass man eine Möglichkeit findet, das Problem zu meistern, zu überspringen oder zu umgehen."

Busemann spricht aus eigener Erfahrung. Der mittlerweile 40-Jährige gewann bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 überraschend Silber. Wie er das geschafft hat, welche Hindernisse er überwinden und welche Rückschläge er wegstecken musste - darüber spricht Busemann regelmäßig vor Vertriebs- und Führungskräften in ganz Deutschland. "Manchmal muss man sich selbst auch mal austricksen", rät er. Vor 20 Jahren hat der Sportler Busemann das so gemacht: "Mich hat ein bevorstehender 1.500-Meter-Lauf immer nervlich fertig gemacht. Die Strecke war für mich eigentlich zu lang. Also habe ich mir vorgenommen, 1.000 Meter zu laufen - mit einem langen, langen Endspurt. Der endete dann bei 1.500 Metern."

Das könnten Manager ähnlich machen. "Es ist okay, sich ein Zwischenziel zu setzen, dabei aber darf man sein großes Ziel nicht aus den Augen verlieren." Dafür hat sich die Zehnkämpfer-Legende Busemann Unterstützung geholt, Mediziner, Physiotherapeuten und externe Spezialtrainer. "Das sollte ein Wirtschaftsmanager auch tun. Es gibt immer Stellschrauben, die andere klarer sehen als man selbst, an denen justiert werden kann."

Olympiasieger Jochen Schümann: "Die richtigen Handwerker im Team"

Olympiasieger Jochen Schümann: "Die richtigen Handwerker im Team"

Foto: A2609 epa efe Kai Foersterling/ dpa

Segelboot oder Konzern: In einem Team müssen sich Stärken potenzieren

Wenn es um Teambildung geht, können Manager auch von Jochen Schümann (61) lernen. Der dreimalige Olympia-Medaillen-Gewinner im Segeln sieht beim Aufbau einer guten Mannschaft "deutliche Parallelen zwischen dem Segelsport und Aufgaben im Management".

Als Führungsperson brauche man die richtigen Handwerker in seinem Team - "egal ob auf einem Segelboot oder in einem Unternehmen". Die Aufgabe des Managers sei es, die Stärken seiner Fachleute richtig zu erfassen und sie zu einem funktionierenden Team zusammenzuführen. Es reiche jedoch nicht, die Stärken der Einzelplayer zu addieren. Zwei plus Zwei sollte mehr als Vier ergeben: "Man muss eine Situation erzeugen, in der sich die Stärken potenzieren", so Schümann.

Beachvolleyball oder Krisenmeeting: Wie man Stress bewältigt und sich auf den Punkt fokussiert

Beachvolleyballer Axel Hager freut sich am Freitag (2000 in Sydney): "Den Überblick behalten, locker bleiben"

Beachvolleyballer Axel Hager freut sich am Freitag (2000 in Sydney): "Den Überblick behalten, locker bleiben"

Foto: DPA

Eine Situation kennen Sportler wie Manager besonders gut: Stress. Vor einem Wettkampf in einem Stadion werden im Gehirn die gleichen Hormone produziert wie vor einer entscheidenden Verkaufsverhandlung. Ein Endspiel bei einem Beachvolleyball-Turnier erzeugt im Körper die gleiche Anspannung wie eine Rede vor der Belegschaft.

"Erfolgreich sind die Menschen, die es schaffen, in Stress-Situationen den Überblick zu behalten, locker zu bleiben", hat Beachvolleyballer Axel Hager festgestellt, Bronzemedaillen-Gewinner von Sydney 2000.

Der heute 46-Jährige, der sich seit seinem Karriereende mit Mentaldiagnostik und -coaching beschäftigt, führt seit Jahren Outdoor-Seminare für Manager durch - beispielsweise Klettertouren am Kilimandscharo. "Man kann lernen, unter Stress nicht in Panik zu geraten", macht Hager ambitionierten Führungskräften Mut.

Kleine Rituale helfen, Handlungsabläufe im Unterbewusstsein zu verankern, die sich dann bei Anspannungen abrufen lassen.

Hager nennt das "Wenn-dann-Situationen". Rufe man sich beispielsweise ein bestimmtes Bild oder einen Song in Erinnerung, wenn Stress wahrgenommen wird, "lösen wir damit ein Reiz-Reaktionsmuster aus, welches zu einem Flow-Erlebnis führen kann, das extreme Leistungen ermöglicht". Hager rät Führungskräften, solche Situationen zu trainieren: "Dann können sie selbst vor Momenten, die ihnen früher Angst machten, ruhig bleiben."

Unternehmenserfolg ist wie Zehnkampf: Aufgeben gilt nicht

Olympiasieger Frank Busemann: Ziele müssen immer groß sein!

Olympiasieger Frank Busemann: Ziele müssen immer groß sein!

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Von Frank Busemanns, Jochen Schümann und Axel Hagers Erfahrungen in der Sportwelt können Führungskräfte in der Wirtschaft profitieren. "Viele Erfolgsmuster aus ihrer Zeit als Sportler lassen sich sehr gut in den beruflichen Alltag übertragen", hat Joachim Pawlik festgestellt. Der Chef der Personal- und Organisationsentwicklungsfirma Pawlik Consultants weiß, wovon er spricht: Pawlik spielte selbst in den 80er Jahren in der Fußball-Profimannschaft des FC St. Pauli. Heute ist er im Kiez-Club als Vizepräsident für Sponsoring und Vermarktung verantwortlich.

Pawlik zeichnet das Gleiche aus wie die drei Olympia-Medaillen-Gewinner: Die Sportler haben aus zwischenzeitlichen Niederlagen gelernt, sind wieder aufgestanden, haben weitergekämpft. Und das mit Erfolg. Frank Busemann: "Aufgeben gilt nicht", sagt Frank Busemann. Er erzählt dazu eine Anekdote: "Irgendwann rissen mir bei einem Speerwurf diverse Muskeln und Sehnen meines linken Arms. Der war danach labil und hielt der Belastung nicht mehr stand." Busemann war war verzweifelt.

"Ohne Speerwurf ließ sich kein Zehnkampf mehr gewinnen" erzählt Busemann weiter - und zog daraus die Konsequenz: "Mit meinem schwächeren rechten Arm konnte ich bis dahin nicht weit werfen. Ich trainierte ihn, blieb aber 20 bis 30 Prozent unter meinen bisherigen Weiten. Doch im Gesamtresultat des Zehnkampfes war das nur eine Einbuße von zwei bis drei Prozent. Damit konnte ich siegen." Busemanns Lehre daraus, die er Managern mitgibt: "Steh auf, wenn Du am Boden liegst!"

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