Mittwoch, 13. November 2019

Recruiting Wer sensibel ist, macht Karriere

Offenheit statt Hard Skills: Die Anforderungen an Nachwuchskräfte ändern sich

Wer nach Top-Nachwuchskräften sucht, findet diese nicht mehr nach Schema F. Die Anforderungen der Unternehmen an ihre künftigen Führungskräfte wandeln sich: Der toughe Überflieger, der einsame Entscheidungen fällt, hat offenbar ausgedient.

Hamburg - Autisten, wie sie der Softwarekonzern SAP in den kommenden Monaten in großer Zahl einstellen will, findet man in den meisten deutschen Unternehmen noch selten. Doch die schlagzeilenträchtige Ankündigung des Softwarehauses zeigt deutlich, dass sich die Anforderungen an Mitarbeiter gewandelt haben: Wer nach Toppersonal sucht, findet dieses nicht mehr nach Schema F.

So genannte Hard Skills, wie sie noch vor Jahren entscheidend bei der Besetzung der Führungsebene waren, treten dabei immer mehr in den Hintergrund. Dies zeigt eine Studie von Boyden global executive search in Zusammenarbeit mit der European Business School in Oestrich Winkel. Das bedeutet: Der hoch qualifizierte Überflieger, der außer seinem Fachwissen wenig anzubieten hat, setzt sich in heutigen Personalgesprächen nicht mehr automatisch durch.

Stattdessen werden so genannte "Soft Skills" wie Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit immer wichtiger - wichtiger offenbar sogar als internationale Erfahrung. So gaben 87 Prozent der befragten Topmanager und Personalverantwortlichen an, bei der Besetzung der Spitzenpositinen vor allem auf Offenheit und Sensibilität zu achten. 82 Prozent legten besonderen Wert auf Anpassungsfähigkeit.

Offenheit und Anpassungsfähigkeit gefragt

"Für komplexe Aufgabenstellungen brauchen Unternehmen eher offene und sensible Persönlichkeiten, die sich auch im Ausland den dortigen Gegebenheiten anpassen können, schreiben die Verfasser der Studie. Internationale Berufserfahrung war immerhin noch für jeden Zweiten (56 Prozent) ein entscheidendes Kriterium.

Und auch das aktuell populäre Thema Diversität scheint zumindest teilweise in den deutschen Topetagen angekommen zu sein. So hält mehr als die Hälfte (54 Prozent) aller Befragten eine deutsche Herkunft mittlerweile nicht mehr für nötig, um eine Führungsposition in einem deutschen Unternehmen erfolgreich auszufüllen.

Die Zukunft liegt offenbar in gemischten Teams: Nur etwa jeder sechste Befragte (16 Prozent) hält den Ansatz, dass für einen optimalen Unternehmenserfolg möglichst Menschen mit verschiedenen persönlichen und ethnischen Hintergründen in einem Unternehmen arbeiten sollten, für überschätzt. Die Mehrzahl setzt auf Internationalität und eine Vielfalt der Kulturen - auch und gerade im Unternehmen.

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