Donnerstag, 27. Februar 2020

Was Führungskräfte über ihre Verträge denken - und was stimmt Die zehn Jobmythen der Manager

Alles unter Kontrolle? Führungskräfte in Deutschland glauben ihre Rechte gut zu kennen - ein Irrtum

Die Anforderungen an moderne Manager werden immer komplexer. Zusätzlich zu hervorragenden Fachkenntnissen und klassischen Führungsqualitäten sind zunehmend Soft Skills gefragt: empathisch sein, für eine positive Arbeitsatmosphäre sorgen und nebenbei auch noch den digitalen Wandel managen. Wie gut, dass sich Führungskräfte zumindest über arbeitsrechtliche Feinheiten keine Gedanken machen müssen, denn anders als für "normale" Mitarbeiter gelten für sie eigene Regeln, individuell ausgehandelt und aufgeschrieben. Steht ja alles im Vertrag. Das zumindest glauben viele leitende Angestellte - und liegen damit komplett falsch. Zehn verbreitete Mythen unter Managern - und die Wahrheit dahinter.

Christoph Abeln
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    Steffen Jänicke
    Christoph Abeln ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und auf die Vertretung von Führungskräften und leitenden Angestellten spezialisiert. Zuletzt erschien von ihm das "Handbuch für Führungskräfte", außerdem richtet seine Kanzlei jährlich den Führungskräftetag aus.
    www.abeln.de

1. "Ich bin Führungskraft, also habe ich keinen gesetzlichen Kündigungsschutz"

Falsch. Zwar stimmt es, dass leitende Angestellte nicht vom Betriebsverfassungsgesetz und dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geschützt werden. Jedoch können auch Führungskräfte grundsätzlich nur gekündigt werden, wenn betriebs-, personen-, oder verhaltensbedingte Gründe vorliegen. Damit fallen auch sie unter das Kündigungsschutzgesetz. Die gute Nachricht: Häufig irren auch die Arbeitgeber. Denn nicht jeder, der führende Aufgaben im Unternehmen ausübt, ist damit auch leitender Angestellter. Laut Gesetz sind Führungskräfte nur dann auch leitende Angestellte, wenn sie zur eigenständigen Einstellung oder Entlassung von Arbeitnehmern berechtigt sind. Doch dies dürfen die meisten gar nicht. Somit unterliegt der Großteil der vermeintlichen Führungskräfte in Deutschland dem regulären Kündigungsschutz - wie jeder andere Arbeitnehmer auch.

2. "Der Bonus ist Sache des Arbeitgebers"

Auch das stimmt so nicht, denn der Arbeitnehmer hat bei der Festlegung seines Bonus eine Mitwirkungspflicht. Wer sich mithin nicht selbst darum kümmert, mit seinem Vorgesetzten konkrete Zielvereinbarungen auszumachen, ist im Zweifel selbst schuld. Mögliche Folgen: die Minderung oder schlimmstenfalls Streichung des Bonus. Jede Führungskraft sollte ihren Arbeitgeber daher auf den Abschluss einer Bonusvereinbarung ansprechen und dies auch dokumentieren, damit man bei später auftretenden Differenzen etwas in der Hand hat.

3. "Ich kann mich zurücklehnen, wenn alles gut läuft"

Führungskräfte sollten sich nicht zu schnell zu sicher sein, nur weil es im Job gerade gut läuft. Gerade bei Geschäftsführern kann der kleinste Fehler zum Anlass für eine fristlose Kündigung werden. Und dabei ist es völlig egal, ob man den Job seit sechs Monaten hat oder seit 15 Jahren. Mündliche Absprachen, beispielsweise über Spesenabrechnungen, sollten sich Manager daher stets schriftlich bestätigen lassen. Denn im Nachhinein sind diese schwer nachweisbar. Auch wenn die Abrechnung von Spesen gern ans Sekretariat delegiert wird: Von der Verantwortung für mögliche Fehler exkulpiert Sie das nicht. Kontrolle ist daher stets anzuraten. Das gilt insbesondere dann, wenn ein neuer Chef ins Haus steht. Denn der weiß häufig nichts von der mündlichen Absprache mit seinem Vorgänger.

4. "Ich habe einen neuen Arbeitsvertrag also ist mir mein Job sicher"

Augen auf beim Arbeitgeberwechsel: Ein neuer Arbeitsvertrag ist nicht immer ein sicherer Hafen. Noch bevor man seinen Fuß in das neue Unternehmen gesetzt hat, kann einem nämlich gekündigt werden. Denn vor dem Jobantritt greift noch kein Kündigungsschutz. Ein Tipp für alle Umsteiger: In den neuen Vertrag eine Klausel aufnehmen, die eine Kündigung vor Dienstantritt" ausschließt.

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