Dienstag, 12. November 2019

Methoden für Job und Alltag Wie Sie bessere Entscheidungen treffen

9. Teil: Die Scheibchen-Methode

Die Salami-Taktik muss nicht immer die schlechteste sein. Manche Probleme sind zu groß und zu vielschichtig, um Entscheidungen bezogen aufs große Ganze treffen zu können - da hilft nur Aufteilen.

Im Hinterkopf ist bei einer Wahl immer das große Ganze. Gerade bei wichtigen Entscheidungen versuchen wir, den Überblick zu behalten und so die bestmögliche Option herauszufiltern. Genau diese Vorgehensweise kann aber ungeheuer abschreckend wirken. Wir sehen eben wirklich nur noch das große Ganze - einen riesigen Berg und eine monströse Wahl, die uns eher panisch macht und in die Flucht schlägt.

Die Scheibchen-Methode könnte hier die Lösung sein: Bei dieser Technik wird das zu lösende Problem in mehrere kleine Stücke aufgeteilt, um die eigentliche Entscheidung zu vereinfachen und zu erleichtern. Statt einer fundamentalen Entscheidung treffen Sie jetzt viele kleine, die sich womöglich auch mal als falsch erweisen können. Das große gemeinsame Ziel wird davon aber nicht wesentlich beeinflusst - es betrifft eben nur ein Scheibchen davon. Die Scheibchen-Methode ist damit prädestiniert für schwerwiegende Entscheidungen und beschleunigt oft den damit verbundenen Auswahlprozess.

Die Wahl eines geeigneten Berufsweges lässt sich beispielsweise fast bis ins Unendliche ziehen. Die Alternativen sind endlos und es spielen eine Menge Faktoren mit hinein. Statt zu fragen: "Was soll ich bloß beruflich machen?", können Scheibchen gebildet werden: "Will ich studieren?", "Will ich mit Menschen zu tun haben?", "Möchte ich später im Büro arbeiten?" oder "Fühle ich mich im direkten Kontakt mit Kunden wohl?" Mit jeder beantworteten Scheibe schält sich ein zunehmend klareres und weniger einschüchterndes Gesamtbild heraus.

Leider gibt es auch bei dieser Methode nicht nur Positives: So fehlt in erster Linie die Gewichtung und Bewertung der einzelnen Abschnitte, wie man sie etwa bei einer Pro-Contra-Liste oder den anderen schon erwähnten Techniken finden kann. Jedes Problem lässt sich zwar sinnvoll zerlegen und vereinfachen, eine wirkliche Orientierung bleibt die Scheibchen-Methode aber schuldig. Auch lassen sich so mehrere Alternativen nicht untereinander vergleichen. Im Projektmanagement wird aus der Technik sogar ein Trick, der Ihnen im Hinblick auf Aufgaben oder Zielsetzungen vielleicht als "Salamitaktik" bekannt ist.

Ihre Berechtigung unter den Entscheidungstechniken erlangt die Scheibchen-Methode allein dadurch, dass sie hilft, Wahlhemmungen zu überwinden und weil sie sich mit anderen Techniken sinnvoll kombinieren lässt.

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