Donnerstag, 14. November 2019

Methoden für Job und Alltag Wie Sie bessere Entscheidungen treffen

11. Teil: Die Best-Case-/Worst-Case-Analyse

Beim Lottospielen wissen wir, dass die Chancen auf sechs Richtige mit Zusatzzahlen bei 1 zu 139.838.160 stehen. Im Alltag kommt es aber nicht auf statistische Genauigkeit an, sondern vor allem auf gesunden Menschenverstand.

Wer eine Entscheidung zu treffen hat, steht sinnbildlich vor der Gabelung eines Weges. Der Fokus richtet sich dabei zunächst auf die offensichtlichen Abzweigungen in Form von verschiedenen Alternativen. Die nächste gedankliche Phase bleibt aber oft unbeachtet: Jede der Optionen kann sich auf verschiedene Arten entwickeln - positiv wie negativ.

An diesem Punkt knüpft die Best-Case-/Worst-Case-Analyse an, mit der sich zwei verschiedene Szenarien anhand der möglichen Verläufe vergleichen lassen. Für jede Alternative wird gedanklich ein Best-Case-Szenario und ein Worst-Case-Szenario erstellt. Der Nutzen der Methode liegt dabei in der bewussten Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen jeder Alternative beziehungsweise dem Betrachten der möglichen Konsequenzen - und zwar in beide Richtungen.

Die Worst-Case-Szenarien spielen dabei in erster Linie mit Wahrscheinlichkeiten und einem potenziell denkbaren Desaster. Das hat aber nichts mit Schwarzmalerei zu tun, sondern soll vor allem als Ausschlusskriterium genutzt werden: Stößt man bei der Analyse auf ein Szenario, dessen schlechtester Ausgang recht wahrscheinlich einer persönlichen Katastrophe gleichkommt, wird diese Alternative sofort aussortiert. Umgekehrt: Ist die Annahme mehr als unwahrscheinlich und selbst im schlimmsten Fall gar nicht mal so arg, offenbart sich sofort ein gangbarer Weg.

Ein Beispiel hierfür wäre eine Investition, bei der im Worst-Case das gesamte eingesetzte Kapital futsch ist. Wie beim Lottospielen. Gut, wer nur Minimalbeträge setzt, dürfte den Totalverlust verschmerzen können. In dem Fall ist der schlimmste Ausgang tatsächlich gar nicht mal so schlimm.

Etwas anderes aber passiert, wenn wir etwa an der Börse mit unserer Altersabsicherung spekulieren. Kann klappen, muss aber nicht. Wer dann nicht bereit ist, das entsprechende Risiko einzugehen - selbst wenn auf der anderen Seite die Chance auf einen großen Gewinn besteht -, sollte einen anderen Weg einschlagen. Natürlich lässt sich nicht für jedes Szenario eine exakte Wahrscheinlichkeit errechnen. Beim Lottospielen wissen wir zumindest, dass die Chancen auf sechs Richtige mit Zusatzzahlen bei 1 zu 139.838.160 stehen. Im Alltag kommt es aber nicht auf statistische Genauigkeit an, sondern vor allem auf gesunden Menschenverstand. Der reicht oft völlig.

Die Wahrheit, in Form der tatsächlichen Entwicklung, liegt sowieso in 99 Prozent der Fälle irgendwo zwischen den beiden Extremvarianten. Wer sich aber bewusst macht, worauf er sich im schlimmsten oder besten Fall einlässt, bezieht in seine Wahl einen weiteren Faktor mit ein, der die Entscheidung maßgeblich beeinflussen kann.

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung