Interimsmanagement Erst Vorbehalte ausräumen, dann loslegen

Interimsmanager kommen vertretungsweise in ein Unternehmen - und wecken deswegen Argwohn. Worauf Unternehmen sich einstellen müssen, erläutert der Interimsmanager Falk Janotta.
Von Arne Gottschalck
Englands Fußballtrainer der Nationalmannschaft: Roy Hodgson hatte in der WM in Brasilien kein glückliches Händchen; sein Team schied bereits in der Vorrunde aus. Das klassische Vorgehen - der Verband wirft ihn hinaus und bis ein Nachfolger gefunden ist, trainiert ein Assistent die "Three Lions". Interimsmanagement eben

Englands Fußballtrainer der Nationalmannschaft: Roy Hodgson hatte in der WM in Brasilien kein glückliches Händchen; sein Team schied bereits in der Vorrunde aus. Das klassische Vorgehen - der Verband wirft ihn hinaus und bis ein Nachfolger gefunden ist, trainiert ein Assistent die "Three Lions". Interimsmanagement eben

Foto: Andy Rain/ dpa

mm: Interimsmanagement - wie kommt es zu dem eher durchwachsenen Ruf?

Janotta: Nach meiner Erfahrung sind für viele Entscheider in den Unternehmen Interimsmanager das Gleiche wie Berater. Berater haben mittlerweile in der Tat einen durchwachsenen Ruf, was viele Gründe hat. Es ist wichtig, die wesentlichen Unterschiede zu betonen, weil sie den besonderen Wert des Einsatzes eines Interimsmanagers für das Unternehmen verdeutlicht: der Interimsmanager setzt das operativ um, was er konzipiert, plant und entscheidet. Außerdem ist er nicht daran interessiert, weitere Berater ins Unternehmen zu holen oder weitere Personentage zu verkaufen. Er interessiert sich in der Regel nur dafür, das Problem des Kunden zu lösen, die Aufgabe im Sinne des Unternehmens umzusetzen. Er kommt, um zu gehen. Das ist echter Mehrwert.

mm: Was ist die erste Hausaufgabe des Interimsmanagers - und was die Hausaufgabe des Unternehmens, das ruft?

Janotta: Der Interimsmanager muss so schnell wie möglich in der Lage sein, operative Verantwortung zu übernehmen und sein Tagesgeschäft fokussiert und produktiv zu übernehmen. Innerhalb von einer, maximal zwei Wochen muss die Einarbeitung abgeschlossen sein. Aus meiner Überzeugung erreicht er das durch 80 Prozent Kommunikation mit Management, Fachbereichsvertretern aller Ebenen und mit dem eigenen Team, zu 20 Prozent aus dem Aneignen von aufgabenspezifischen Schlüsselinformationen.

mm: Und der Kunde?

Janotta: Die wichtigste Hausaufgabe des Kunden ist es, dafür zu sorgen, dass der Interimsmanager einen reibungslosen Einstieg ohne administrative Hürden bekommt. Das heißt, dass er und seine Aufgaben schon vorgestellt werden, bevor er ins Unternehmen kommt und dass sein Arbeitsplatz voll ausgestattet ist, so dass keine Zeit für die Organisation dieser Dinge verloren geht. Idealerweise sind bereits erste Gesprächstermine für die ersten Tage im Unternehmen vereinbart.

Eine wichtige gemeinsame Hausaufgabe ist noch zu erledigen: die genaue Definition der Aufgaben und Kompetenzen des Interimsmanagers und ihre Kommunikation ins Unternehmen.

Kampf um Kompetenz

mm: Gibt es eigentlich eine Mindest- und eine Maximalverweildauer von Interimsmanagern - um ihre Aufgabe sinnvoll erfüllen zu können?

Janotta: Die Dauer eines Mandates richtet sich ausschließlich nach der Zielerreichung solange es keine externen Faktoren gibt. Es kann sein, dass das Management des Unternehmens wechselt und das Projekt gestoppt wird oder der Manager ausgetauscht wird. Es kann aber auch sein, dass das Unternehmen in eine Schieflage gerät und Kosten sparen muss. Dann werden häufig zunächst Externe nach Hause geschickt. Es passiert nicht selten, dass Mandate verlängert werden, weil der Kunde mit der Leistung des Interimsmanagers zufrieden ist. Dann gilt es, weitere Projekte und / oder Aufgaben im Unternehmen zu leiten beziehungsweise durchzuführen.

mm: Welche Rolle spielt dabei eigentlich der Komplexitätsgrad eines Fachs, also wie bei Ihnen das IT-Interimsmanagement oder zum Beispiel auch das im Finanzwesen?

Janotta: Je komplexer die Aufgabenstellung oder das Projekt, desto wahrscheinlicher ist der Einsatz eines Interimsmanagers. Und desto sinnvoller und erfolgversprechender ist er. Gleichzeitig ist die Beherrschbarkeit von Komplexität auch eine der Anforderungen, die das Unternehmen an den Interimsmanager stellen muss. Beispielsweise muss ein IT-Interimsmanager neben dem selbstverständlichen IT-Fachwissen das Geschäft und die Geschäftsprozesse verstehen, er muss unternehmerisch denken und betriebswirtschaftlich handeln. Der interimistische Leiter des Finanzbereiches (CFO) muss zum Beispiel ein sehr gutes Verständnis für die Belange der IT und von deren Arbeitsweise haben. Denn in den allermeisten Fällen verantwortet der CFO auch den IT-Bereich.

mm: Wie offen muss ein Unternehmen sein, das sich auf Interimsmanager einstellt - und haben Sie schon einmal Ihre Aufgabe sehr deutlich machen müssen?

Janotta: Da das Managementinstrument Interimsmanagement in Deutschland noch relativ jung und leider immer noch nicht so bekannt ist, benötigt das Unternehmen eine gewisse Offenheit für ungewohnte Lösungen. Laut Statistiken würden gut 80 Prozent der Unternehmen, die bereits einen Interimsmanager eingesetzt haben, das wieder tun. Das bedeutet, dass die Erfahrungen der Unternehmen durchweg positiv sind. Die Hürde liegt demnach vor dem ersten Einsatz eines Interimsmanagers. Und diese Hürde zu überspringen erfordert Offenheit.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.