Mittwoch, 22. Januar 2020

Interimsmanagement Erst Vorbehalte ausräumen, dann loslegen

Englands Fußballtrainer der Nationalmannschaft: Roy Hodgson hatte in der WM in Brasilien kein glückliches Händchen; sein Team schied bereits in der Vorrunde aus. Das klassische Vorgehen - der Verband wirft ihn hinaus und bis ein Nachfolger gefunden ist, trainiert ein Assistent die "Three Lions". Interimsmanagement eben

2. Teil: Kampf um Kompetenz

mm: Gibt es eigentlich eine Mindest- und eine Maximalverweildauer von Interimsmanagern - um ihre Aufgabe sinnvoll erfüllen zu können?

Janotta: Die Dauer eines Mandates richtet sich ausschließlich nach der Zielerreichung solange es keine externen Faktoren gibt. Es kann sein, dass das Management des Unternehmens wechselt und das Projekt gestoppt wird oder der Manager ausgetauscht wird. Es kann aber auch sein, dass das Unternehmen in eine Schieflage gerät und Kosten sparen muss. Dann werden häufig zunächst Externe nach Hause geschickt. Es passiert nicht selten, dass Mandate verlängert werden, weil der Kunde mit der Leistung des Interimsmanagers zufrieden ist. Dann gilt es, weitere Projekte und / oder Aufgaben im Unternehmen zu leiten beziehungsweise durchzuführen.

mm: Welche Rolle spielt dabei eigentlich der Komplexitätsgrad eines Fachs, also wie bei Ihnen das IT-Interimsmanagement oder zum Beispiel auch das im Finanzwesen?

Janotta: Je komplexer die Aufgabenstellung oder das Projekt, desto wahrscheinlicher ist der Einsatz eines Interimsmanagers. Und desto sinnvoller und erfolgversprechender ist er. Gleichzeitig ist die Beherrschbarkeit von Komplexität auch eine der Anforderungen, die das Unternehmen an den Interimsmanager stellen muss. Beispielsweise muss ein IT-Interimsmanager neben dem selbstverständlichen IT-Fachwissen das Geschäft und die Geschäftsprozesse verstehen, er muss unternehmerisch denken und betriebswirtschaftlich handeln. Der interimistische Leiter des Finanzbereiches (CFO) muss zum Beispiel ein sehr gutes Verständnis für die Belange der IT und von deren Arbeitsweise haben. Denn in den allermeisten Fällen verantwortet der CFO auch den IT-Bereich.

mm: Wie offen muss ein Unternehmen sein, das sich auf Interimsmanager einstellt - und haben Sie schon einmal Ihre Aufgabe sehr deutlich machen müssen?

Janotta: Da das Managementinstrument Interimsmanagement in Deutschland noch relativ jung und leider immer noch nicht so bekannt ist, benötigt das Unternehmen eine gewisse Offenheit für ungewohnte Lösungen. Laut Statistiken würden gut 80 Prozent der Unternehmen, die bereits einen Interimsmanager eingesetzt haben, das wieder tun. Das bedeutet, dass die Erfahrungen der Unternehmen durchweg positiv sind. Die Hürde liegt demnach vor dem ersten Einsatz eines Interimsmanagers. Und diese Hürde zu überspringen erfordert Offenheit.

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