Montag, 21. Oktober 2019

Gerald Hüther über erfolgreiche Führung "Die Zeiten, in denen der Chef alles überblickte, sind vorbei"

Führung: "Um kluge und tragfähige Entscheidungen zu treffen, muss man das Wissen und Können möglichst vieler Mitarbeiter zusammenbringen"

2. Teil: Wie man erfolgreiche Führung trainiert

Gerald Hüther
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    Josef Fischnaller
    Gerald Hüther ist der bekannteste Hirnforscher im deutschsprachigen Raum. Der Bestsellerautor ist Initiator und Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung. Er versteht sich als Mutmacher und Unterstützer von Veränderungsprozessen in Gemeinschaften. www.akademiefuerpotentialentfaltung.org

mm.de : Gemeinsam kreativ sein und das Team als Subjekte einbeziehen - kann man das trainieren?

Hüther: Über sich hinauswachsen, seinen Horizont erweitern, Kompetenzen erwerben und so zunehmend frei und autonom sein Leben gestalten will jeder Mensch - zumindest am Anfang seines Lebens. Aber offenbar gelingt es nur wenigen, dieses im Hirn verankerte Grundbedürfnis nicht zu unterdrücken. Nur wenige erleben sich zeitlebens als Gestalter ihres Lebens.

Interessanterweise sind das nicht diejenigen, die sich ständig anstrengen, um möglichst gut zu funktionieren, die alles im Griff haben und kontrollieren wollen. Es sind eher diejenigen, die in sich ruhen und mit fast spielerischer Leichtigkeit all das erreichen, worum die anderen so verbissen kämpfen. Es sind all jene Personen, die sich ihrer selbst bewusst sind und die Kraft haben, andere einzuladen, zu ermutigen und zu inspirieren, die also anderen die Erfahrung ermöglichen, sich als Subjekte gesehen und wertgeschätzt zu erleben. "Supportive Leader" heißen diese besonderen Führungskräfte, die es nicht mehr nötig haben, ihre Mitarbeiter durch Belohnungen oder Bestrafungen abzurichten und zu willfähigen Objekten ihrer eigenen Ziele und Absichten zu machen.

mm.de : Herr Schmittknecht, das Thema Supportive Leadership hat sicher schon auf vielen Flip-Charts gestanden. Können Sie ein Beispiel nennen, dass dieser Ansatz auch in der unternehmerischen Praxis funktioniert?

Axel Schmittknecht
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    Grow
    Axel Schmittknecht ist Berater und Coach für Potentialentfaltung in Unternehmen. 2004 hat er die Beratungsgesellschaft GROW gegründet und ist seit 2015 Expert Fellow der Akademie für Potentialentfaltung. Zu seinen Kunden zählen Familienunternehmen, Banken sowie Dax-Unternehmen. Das nächste Grow-Seminar zum Thema "Führung und Gestaltung im digitalen Zeitalter" beginnt am 14. November um 19 Uhr in Berlin.

Axel Schmittknecht: Wer diesen Ansatz erfolgreich in die Praxis überführen will, sollte am besten Räume schaffen, in denen Mitarbeiter neue Erfahrungen machen können. Als es zum Beispiel bei einem von mir beratenen Unternehmen darum ging, nach einiger Zeit Vakanz die Position eines Werksleiters wieder zu besetzen, haben wir die Teamleiter in den Entscheidungsprozess einbezogen. Sie haben die Kriterien aufgestellt, über welche Kompetenzen ihr künftiger Chef oder Chefin verfügen sollte. Anhand dessen haben die Geschäftsführung und die Personalabteilung die Suche gestartet und drei Kandidaten gefunden. Diese haben sich den Teamleitern vorgestellt und wurden von ihnen stolz durch IHR Werk geführt.

Das war für die Teamleiter in dem vormals patriarchalisch geführten Unternehmen eine völlig neue Erfahrung an Teilhabe an Entscheidungen. In diesem Zusammenhang heißt Kulturwandel für mich, dass Verantwortung von Mitarbeitern nicht nur verlangt wird, sondern mit ihnen gelebt wird. Der Geschäftsführer ist seinerseits als Führungskraft über sich hinausgewachsen, weil es ihm durch die neue Begegnungskultur mit seinen Mitarbeitern gelungen ist, einen Prozess der Selbstverantwortung im Unternehmen in Gang zu setzen und erfolgreich fortzuführen.

Gerald Hüther ist der bekannteste Hirnforscher in Deutschland. Der Neurobiologe und Bestsellerautor lehrte jahrelang an der Universität Göttingen. Hüther ist Initiator und Vorstand der Akademie für Potenzialentfaltung.

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