Nachtaufsteher Warum immer mehr Manager um 4 Uhr aufstehen

Immer mehr Manager machen die Nacht zum Tage und übertrumpfen sich auch noch dabei. Ob Emails, Familie oder Sport: Alles scheint sinnvoller als zu ruhen. Doch wie wenig Schlaf kann auf Dauer gut gehen?
Die meisten Topmanager sind sich einig - schlafen ist etwas für Loser

Die meisten Topmanager sind sich einig - schlafen ist etwas für Loser

Foto: Corbis

Ob man vor der Arbeit Nachrichten liest, Emails aus Übersee beantwortet oder eine Wallfahrtskapelle aufsperrt: Die Liste der Dinge, die es zu tun gibt, ist lang. Und so sind sich die meisten Topmanager einig: Schlafen ist für Loser. Galt es bis vor kurzem noch als Qualitätsmerkmal, bis tief in die Nacht im Büro zu hocken, geht es jetzt darum, nicht nur unentbehrlich zu sein, sondern auch fit, gut informiert und vernetzt. Also gilt es so früh aufzustehen, dass man vor Beginn des eigentlichen Arbeitstages nicht nur Mails macht, Zeitung liest und joggen geht, sondern idealerweise auch noch mit den Kindern frühstückt.

In den USA scheint es fast zum Standard zu gehören, spätestens um 5 Uhr aufzustehen. "Und was machen Sie morgens so?" ist eine normale Frage im dienstlichen Small-Talk geworden. "Schlafen" ist darauf eine eher ungewöhnliche Antwort.

Ob Gruppenzwang, Pflichtbewusstsein oder die innere Uhr: Die Bettflucht wirkt. "Frühaufsteher machen Karriere", sagt Biologe Christoph Randler, Professor an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg. Die Studien von Randler und seinen Kollegen zeigen, dass Frühaufsteher aktiver sind, ein höheres Leistungsvermögen und Verantwortungsgefühl haben. Gleichzeitig harmonisieren die sogenannten Lerchen stärker mit den zeitlichen Abläufen in Unternehmen. Zudem gelten sie als aktiv und diszipliniert durch ihr frühes Aufstehen. Früh kann dabei für viele nicht früh genug sein.

Claus Hipp: Morgens die Kapelle aufsperren

Wer jeden Tag tonnenweise Möhren zu Brei verarbeitet, muss früh aufstehen: Claus Hipp

Wer jeden Tag tonnenweise Möhren zu Brei verarbeitet, muss früh aufstehen: Claus Hipp

Foto: DPA

Wie für Baby-Unternehmer Claus Hipp: Für ihn endet nach eigenen Angaben die Nacht um 4:30. Bei Nacht und Nebel sperrt er morgens eine nahegelegene Kapelle auf, dann geht es weiter in die Firma. Lediglich samstags schläft er aus bis 7 Uhr, schon am Sonntag geht es wieder früh raus und in die Münchner Frauenkirche, wo er als Ministrant in der Frühmesse assistiert.

Mit seiner morgendlichen Besinnung aufs Wesentliche steht Hipp relativ alleine da. Viele Topmanager nutzen den Morgen vor allem für eines: Sport .

Richard Branson: Zeit für Sport und Familie

Bereit zum morgendlichen Sonnengruß: Richard Branson in seinem SpaceShipTwo.

Bereit zum morgendlichen Sonnengruß: Richard Branson in seinem SpaceShipTwo.

Foto: LUKE MACGREGOR/ Reuters

Virgin Chef Richard Branson steht seit Jahren gegen 5 Uhr auf. "In den 50 Jahren, die ich im Geschäft bin, habe ich gelernt, dass ich viel mehr erreichen kann in einem Tag, wenn ich früh aufstehe." Den fehlenden Schlaf versucht Branson wann immer es geht nachzuholen - meistens, wenn er im Flugzeug unterwegs ist.

"Durch das frühe Aufstehen kann ich Sport machen und Zeit mit meiner Familie verbringen, was mich in eine gute Stimmung bringt, bevor es an die Geschäfte geht", so Branson . Wenn er zuhause auf seiner Insel ist, versucht er sich mit Frühsport fit zu halten: Eine Runde Tennis, Kitesurfen, Schwimmen. Erst dann gibt es Frühstück.

Hans-Joachim Körber: Pilates vor dem Frühstück

Der gähnt nicht, der will nur spielen: Hans-Joachim Körber, Ex-Metro-Chef.

Der gähnt nicht, der will nur spielen: Hans-Joachim Körber, Ex-Metro-Chef.

Foto: DPA

Auch Ex-Metro-Chef Hans-Joachim Körber kann es nicht früh genug sein: er steht bisweilen noch vor 4 Uhr auf, um Sport zu machen (Joggen, Pilates) und sein Tagwerk zu beginnen.

Rüdiger Grube: Vier Stunden Schlaf müssen reichen

Auch nach vier Stunden Schlaf ganz vorne mit dabei: Rüdiger Grube, DB

Auch nach vier Stunden Schlaf ganz vorne mit dabei: Rüdiger Grube, DB

Foto: Malte Christians/ picture alliance / dpa

Bahnchef Rüdiger Grube reichen nach eigenen Aussagen vier Stunden Schlaf pro Nacht, um auch am nächsten Tag fit und leistungsstark den Konzern leiten zu können. Er steht um 5:30 Uhr auf - nicht, um den Zug zu bekommen, sondern um zwei bis dreimal die Woche morgens joggen zu gehen.

Tim Cook: Um 4:30 Uhr Emails scheiben

Arbeitet gern bei Mondlicht: Apple-Chef Tim Cook.

Arbeitet gern bei Mondlicht: Apple-Chef Tim Cook.

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

Andere checken ihre Emails und erfahren durch Zeitungs- und Onlinelektüre, was sie in den wenigen Stunden verpasst haben, während sie schliefen.

Apple-Chef Tim Cook macht beides: Er arbeitet ab 4.30h Emails ab um dann ab 5 Uhr Sport zu machen, berichten US-Medien. Danach fährt er ins Büro, wo er meist der erste ist. Was bei ihm nicht heißt, dass er dafür früher geht - Cook macht das Licht nicht nur an, sondern auch aus bei Apple.

Harriet Green: Der Ex-Soldat kommt zum Hanteln stemmen

Seit 3:30 Uhr auf Achse, und die Frisur sitzt: Harriet Green

Seit 3:30 Uhr auf Achse, und die Frisur sitzt: Harriet Green

Foto: © Suzanne Plunkett / Reuters/ REUTERS

Wenn Harriet Green, Ex-Thomas-Cook-Chefin, gegen sieben Uhr im Büro ankam, hatte sie schon ein volles Programm hinter sich: Ab 3:30 Uhr schrieb sie Emails, danach gönnte sie sich etwas Müßiggang und las Bücher bevor es dann zur körperlichen Ertüchtigung ging: Ab halb sechs wurden mit dem Personal Trainer, einem Ex-Soldaten, Hanteln gestemmt. Ob sie nun, des Amtes bei Thomas Cook enthoben, sich etwas mehr Schlaf gönnt? Aktiv und umtriebig, wie Green ist, wohl eher nicht. Nicht zuletzt war sie es, die den Spruch pflegte: "Ich glaube generell, die Leute essen und schlafen zu viel"

Anshu Jain: früh rein, früh raus

Schatten um die Augen, glasiger Blick: Anshu Jain, Co-CEO der Deutschen Bank, ist schon lange wach

Schatten um die Augen, glasiger Blick: Anshu Jain, Co-CEO der Deutschen Bank, ist schon lange wach

Foto: Adam Berry/ Getty Images

Durch Beispiele wie Cook oder Green drängt sich der Verdacht auf, ob in der Disziplin des Frühaufstehens nicht in Wirklichkeit die Kämpfer aus der Truppe Wenigschläfer antreten. Denn während Menschen wie der ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain gern früh aufstehen, früh arbeiten - aber auch früh Feierabend machen wollen (bei Jain soll idealerweise kein Meeting länger dauern als 19 Uhr), stehen die meisten Topmanager früher auf als der Rest, um noch mehr in ihren Tag zu bekommen.

Ein fataler Trend, denn Studien zeigen, dass zu wenig Schlaf die Kernkompetenzen von Führungskräften aushebelt. Müde Menschen agieren wie Betrunkene: bei regelmäßig weniger als fünf Stunden Schlaf sinkt die Entscheidungsfähigkeit um 50 Prozent, die Gedächtnisleistung lässt um ein Fünftel nach. Verhaltenstests und Hirnuntersuchungen haben gezeigt, dass Schlafentzug zu erhöhter Risikobereitschaft führt.

Denn "zu wenig Schlaf macht dick, dumm und krank", sagt Jürgen Zulley, Schlafforscher ("Somnologe") an der Uni Regensburg. Und vier Stunden pro Nacht, da sind sich alle Experten einig, sind auf Dauer eindeutig zu wenig.

Robert Iger: Schläft nie aus

Disney-Chef Robert Iger macht schon morgens die Maus und schleicht sich um 4.30 Uhr ins Bad.

Disney-Chef Robert Iger macht schon morgens die Maus und schleicht sich um 4.30 Uhr ins Bad.

Foto: GARY CAMERON/ REUTERS

Disneys CEO Robert Iger kümmert das wenig: Auch er steht jeden Morgen um 4.30h auf, sieben Tage die Woche, egal wo auf der Welt er sich befindet. "Ich kann zu dieser Zeit sehr produktiv sein ohne große Unterbrechung. Es ist eine gute Zeit, um zu denken", so Iger in einem Gespräch mit Devin Leonard  von "Fortune".

Falls er zuhause geschlafen hat, schleicht Iger leise durch's Haus, um seine Familie nicht zu wecken. Er liest Zeitung, schaut fern, geht seine Emails durch; macht Sport auf dem Heimtrainer oder hebt Gewichte mit einem Personal Trainer.

Mary Barra: Im Büro ab 6 Uhr morgens

Früh um 6 bei GM: Alles dunkel, keiner da außer CEO Mary Barra.

Früh um 6 bei GM: Alles dunkel, keiner da außer CEO Mary Barra.

Foto: REBECCA COOK/ REUTERS

GM-Chefin Mary Barra hat von ihrem Vorgänger Dan Akerson einiges übernommen - auch das frühe Aufstehen. Sie ist bekannt dafür, bereits ab 6 Uhr in ihrem Büro zu arbeiten. Auch Akerson war zu seiner GM-Zeit ein Freund der frühen Stunde: Ab 5 Uhr morgens war er am Telefon - er nutzte die nachtschlafene Zeit vor allem für Gespräche mit den GM-Kollegen in Asien.

Mark Hurd: Voller Energie ab 4:30 Uhr

Oracle-Boss Mark Hurd kontrolliert die Rasur - manchmal übersieht er um 4:30Uhr doch das ein oder andere Haar.

Oracle-Boss Mark Hurd kontrolliert die Rasur - manchmal übersieht er um 4:30Uhr doch das ein oder andere Haar.

Foto: Justin Sullivan/ Getty Images

Oracle-Co-Chef Mark Hurd ist ebenfalls ein Nachtaufsteher: "Mein Tag beginnt um 4.30 Uhr und ich kenne eigentlich nur zwei Geschwindigkeiten: Schnell oder Stop,",sagte er dem amerikanischen Portal Business Insider .

Howard Schultz: Radeln im Morgengrauen

Wach dank Kaffee: Starbucks-Chef Howard Schultz sitzt an der Quelle.

Wach dank Kaffee: Starbucks-Chef Howard Schultz sitzt an der Quelle.

Foto: BOBBY YIP/ REUTERS

Auch Howard Schultz, CEO von Starbucks, steht um 4.30 Uhr auf. Während der Rest ruht, schwingen er und seine Frau sich auf die Räder für eine sportliche Runde an der frischen Luft - so dass er um 6 Uhr gut durchblutet und frisch geduscht am Schreibtisch sitzen kann. Gut, dass in Schultz' Firma übermäßiger Kaffeegenuss nicht negativ auffällt.

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