Mittwoch, 18. September 2019

Was eine Hollywood-Produktion über Führung verrät Dreh deinen eigenen Film!

Filmszene aus "Man lernt nie aus!": Anne Hathaway mit Robert de Niro als technikferner Senior-Praktikant Ben
imago/Cinema Publishers Collection
Filmszene aus "Man lernt nie aus!": Anne Hathaway mit Robert de Niro als technikferner Senior-Praktikant Ben

2. Teil: Nur eine Führungskraft, die selbst steuert, kann Akzente setzen

Zudem haben das Fehlverhalten und der Machtmissbrauch von Vertretern vieler Religionsgemeinschaften dazu geführt, dass sich die Erosion des Glaubens in westlichen Gesellschaften beschleunigt. Die Bindekraft von Religionen schwindet, was das eigene Selbst zum obersten Wert und zur letzten Instanz macht. Wir müssen uns selbst den Himmel auf Erden bescheren, denn wer weiß, was danach kommt.

Ausgehend von dieser gesellschaftlichen Annahme, ist es eine große Aufgabe - sofern man sich nicht selbst dem Hedonismus und der Gleichgültigkeit gegenüber dem Gemeinwohl zuneigt - Menschen zu führen und in ihrer Entwicklung zu begleiten, die sich vorrangig selbst optimieren möchten. Die lieber unlauteren Versprechen glauben, als daran zu arbeiten, dass noch viele Generationen den Planten Erde bevölkern können und wissen, dass die eigene Identität nur ein Staubkorn in der Atmosphäre ist.

Das führt zu der Erkenntnis, dass Menschen eine sehr hohe Verantwortungsfähigkeit sich selbst gegenüber haben müssen, um der Versuchung zu widerstehen, die Verantwortung an eine übergeordnete Instanz, einen "Hero" abzugeben. Im besten Fall sind sie in der Lage, diese Verantwortung gern und vollumfänglich, mit allen Rechten und Pflichten in einer Gemeinschaft anzunehmen und auch vor sich selbst Rechenschaft über deren Erfüllung abzulegen.

Nur eine Führungskraft, die sich überwiegend selbst steuern kann und nicht von anderen gesteuert wird, kann Akzente setzen und eine Autorität entwickeln, die dazu beiträgt, Dinge gemeinsam zu gestalten. Dazu benötige es einen Treiber, der auf ein Ziel gerichtet ist, das allgemeindienlich und individuell hilfreich ist, aber eben nicht umgekehrt.

Den Mut haben, an sich selbst zu zweifeln

Ben hatte sich in seinem Leben als Rentner nicht mehr wohlgefühlt und nicht gewartet, bis er im Altenheim das Animationsprogramm konsumieren und kritisieren konnte, sondern sich mit 70 Jahren auf einen Job beworben, bei dem ihm die Frage gestellt wurde: "Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?"

Jules hat Verantwortung für die Umsetzung ihrer Geschäftsidee übernommen. Sie hat nicht nur gedacht, sondern die Dinge selber gemacht. Sie hat sich in ihrem Umfeld Respekt erworben und Begleiter und Mitarbeiter für sich gewonnen. Sie war in der Lage, sich nicht zur "Königin" zu machen, sondern auch zum rechten Zeitpunkt einen klaren Blick auf ihre Schwächen und Herausforderungen zu richten. Sie hat die Qualität einer tiefen menschlichen Beziehung erkannt und diese zugelassen, weil sie wusste, dass diese sie in ihrer Entwicklung weiterbringen würde und sie somit auch für ihre junge, innovative Firma fortan die besten Voraussetzungen für den nachhaltigen Erfolg schaffen könnte.

Ben und Jules sind Vorbilder für ihr Umfeld, weil sie eben nicht genau so operieren, wie es üblich ist, sondern andere, neue Wege gehen. Sie probieren sich aus und haben den Mut, an sich selbst zu zweifeln. Trotzdem strahlen sie die Stärke aus, die nötig ist, damit andere ihren Ideen folgen und den Weg begeistert und engagiert mitgehen.

Die Einschätzungskompetenz ist das Differenzierungsmerkmal der Zukunft

Natürlich ist auch die Führungskraft der Zukunft an Nutzen- und Gewinnmaximierung interessiert - aber eben nicht mehr um jeden Preis. Kurzfristige Erfolge oder "Quick Wins" für situative Heldengeschichten sollten talentierte, flexible und international ausgebildete Mitarbeiter heute nicht mehr an ein Unternehmen binden, nur weil dann eine Person glänzen kann. Es geht um den gemeinsamen, integrativen Gestaltungsanspruch und das Einbringen aller Humanpotentiale für den Unternehmenserfolg.

Schnelligkeit im Handeln und Entscheiden sowie Einfühlungs- und Einschätzungskompetenz von Menschen und Situationen werden künftig die wesentlichen Differenzierungsmerkmale sein. Kapital, Boden und Produkte sind wichtig, aber nicht mehr entscheidend. Die einzelnen Menschen mit all ihren Prägungen, Fertigkeiten, Fähigkeiten, Erfahrungen und ihrem Wissen sind der Wert der Zukunft.

Nur wer alle Potentiale, Talente, Treiber und Ambitionen der Arbeits- und Führungskräfte erkennt, versteht und nutzt, wird im globalen Wettbewerb führend sein. Das gilt für alle Branchen der Wirtschaft, aber auch für Politik, Wissenschaft und den gemeinnützigen und sozialen Bereich.

Wir sollten unser Streben nach Individualität und Optimierung für die gemeinsame Weiterentwicklung einsetzen, um mit diesem Wirkungsradius auch für uns selbst Autonomie, Kompetenz und tiefe menschliche Beziehungen zu erhalten, die für ein gelungenes ökonomisches und humanistisches Leben stehen. Wenn also Menschen andere Menschen und Organisationen in die Zukunft führen wollen, müssen sie bereit sein, Gewohntes zu überdenken und sich unter fremden Rahmenbedingungen ausprobieren.

Nur so gelingt Weiterentwicklung und persönliche Innovation. Wie man das macht? Erinnern Sie sich an Ben.

Michaela Bürger ist Beraterin für Führungskräfteentwicklung und Mitglied der MeinungsMachervon manager-magazin.de. Trotzdem gibt ihr Kommentar nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

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