Donnerstag, 18. April 2019

Karriere Frauen verpassen die digitale Revolution

"Lean in": Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg rief in ihrem Buch die Frauen zu mehr Aufmüpfigkeit auf
imago/photothek
"Lean in": Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg rief in ihrem Buch die Frauen zu mehr Aufmüpfigkeit auf

Jede Menge Karrierechancen gehen an Frauen vorbei, weil sie noch nicht in der digitalen Welt angekommen sind. Das hat viel mit Männern zu tun. Dabei waren viele der ersten Computer-Pioniere weiblich. Frauen sollten sich das digitale Feld zurückzuerobern.

Heiner Thorborg
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    Michael Dannenmann
    Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder Int. gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co. KG, die Heiner Thorborg & Co. (Zürich) sowie die Initiative "Generation CEO".

Frauen sind in der digitalen Welt unterrepräsentiert, besonders unter den Anführern der technischen Revolution. Das ist schlecht für alle Beteiligten. Für die Unternehmen, weil divers geführte Unternehmen erfolgreicher sind, und für die Technologienutzer, weil viele Produkte besser wären, wenn auch Frauen mit auf Design und Funktionalitäten achten würden.

Am schlechtesten ist es jedoch für die Frauen selber: Viele Karrierechancen gehen an ihnen vorbei, weil sie noch nicht in der digitalen Welt angekommen sind. Hightech wird eine Männer-Domäne bleiben, wenn die Frauen sich nicht aufraffen und sie erobern.

Die übliche Reaktion auf eine solche Feststellung sind Entschuldigungen und Ausreden.

"Vielleicht sind Frauen in der dritten Welt nicht an Technologiejobs interessiert, aber doch nicht bei uns!"
Tatsächlich haben laut dem Mobilfunkanbieter VimpelCom 1,7 Milliarden Frauen in Entwicklungsländern nicht einmal ein Mobiltelefon. Das bedeutet aber nicht, dass wir im Westen so viel weiter wären: In vielen technologielastigen Unternehmen arbeiten deutlich weniger Frauen als Männer. Noch deutlicher wird der Abstand, wenn es um Positionen geht, die tatsächlich mit Technik zu tun haben und nicht mit Personal-, Finanz- oder PR-Themen. Apple Börsen-Chart zeigen hat in der Branche mit 20 Prozent den höchsten Frauenanteil in Technologie-Jobs, aber bereits bei Twitter Börsen-Chart zeigen ist nur jeder Zehnte Techie eine Frau. Mit anderen Worten: Auch im Westen fehlt ein Frauenanteil von zwischen 30 und 40 Prozent bis zur Geschlechterparität in den Zukunftsjobs der digitalen Welt.

"Frauen machen halt lieber etwas Anderes als Technik."
Laut World Economic Forum leben wir jedoch in Zeiten, in denen 95 Prozent der Jobs eine digitale Komponente haben. Tendenz steigend. Dennoch sind nur 30 Prozent der sieben Millionen Mitarbeiter weiblich, die in Europas digitalem Sektor arbeiten. Würden sich mehr Frauen dazu durchringen, in diesem Feld ihr Glück zu suchen, könnte dies laut Europäischer Kommission das Bruttosozialprodukt der EU um rund neun Milliarden Euro im Jahr steigern.

"Alles eine Frage der Zeit, die Mädels sind überall auf dem Vormarsch, auch in den Hightech-Branchen."
Ach, wäre es nicht wundervoll, wenn das stimmen würde! Studentinnen holen in vielen Bereichen tatsächlich auf, aber in den Ingenieurwissenschaften ist ihr Anteil nach wie vor niedrig. Laut Catalyst, der US-Frauenorganisation, sind in Frankreich 25,6 Prozent der angehenden Ingenieure an der Uni weiblich, in Großbritannien sind es 22,4 Prozent, in Deutschland 19,3 Prozent und in der Schweiz 14,7 Prozent. Viele Frauen studieren also nach wie vor die falschen Fächer, um in den Zukunftsindustrien Karriere zu machen.

"Es gibt einfach zu wenig Rollenvorbilder von Frauen in Technik-Jobs."
Alle reden von Mark Zuckerberg oder Elon Musk. Das ändert aber nichts daran, dass eines der ersten Softwareunternehmen der Welt von einer Frau gegründet wurde: 1958, drei Dekaden vor Zuckerbergs Geburt, gründete Elsie Shutt die CompInc in den USA. 1951 startete Dina St Johnston ihre Vaughan Programming Services in Großbritannien, 1962 folgte ihr die deutschstämmige Stephanie Shirley mit der F. International Group. Viele der ersten Computer-Pioniere waren weiblich, hatten auf Seiten der Alliierten doch vor allem Mathematikerinnen im Zweiten Weltkrieg an der Berechnung von Flugbahnen gearbeitet. Diese Damen wurden übrigens gemeinhin "Computers" genannt. 1967 publizierte das Frauenmagazin "Cosmopolitan" den Artikel: "Die Computer Girls" mit der These "Jetzt haben wir die großen Rechner und ein ganz neues Arbeitsfeld für Frauen: Programmieren."

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