Dienstag, 21. Mai 2019

Karriere Frauen verpassen die digitale Revolution

"Lean in": Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg rief in ihrem Buch die Frauen zu mehr Aufmüpfigkeit auf
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"Lean in": Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg rief in ihrem Buch die Frauen zu mehr Aufmüpfigkeit auf

2. Teil: Ein Spielfeld für echte Kerle

Seither ist einiges schiefgegangen. Laut World Economic Forum (WEF) wechselt jede zweite Frau, die in einer technologie-intensiven Branche angefangen hat, in ein anderes Feld. Unter den Männern tut das nicht mal jeder Dritte. In den USA sind nur 11 Prozent der arbeitenden Ingenieure weiblich: Von den Frauen mit einem Abschluss in Ingenieurwissenschaften verlassen 38 Prozent ihren Beritt oder haben gar nie als Ingenieurin gearbeitet.

Einer der Gründe für den Rückzug der Frauen ist, dass in den 1980er Jahren die damals neuen Personal Computer vor allem als Werkzeug für Männer und Jungs beworben wurden. Aus dem Arbeitsfeld für Frauen wurde so plötzlich ein Spielfeld für echte Kerle. Kamen in den großen US-Kinoproduktionen Hacker und Computerexperten vor, wurden ausschließlich Männer gezeigt. Das Klima änderte sich - waren 1984 noch 37 Prozent der Programmierer weiblich, so waren es 2011 noch 12 Prozent.

Entsprechend männlich ist heute die Kultur in vielen Hightech-Unternehmen. Bei Uber zum Beispiel musste unlängst Direktor David Bonderman zurücktreten, weil er auf den Vorschlag, mehr Frauen in den Verwaltungsrat zu setzen, die Ansicht äußerte, das werde nur zu mehr Geschwätz führen. Nach den Enthüllungen einer ehemaligen Software-Entwicklerin, die von sexueller Belästigung, Sexismus und Mobbing in dem schwer männerlastigen Unternehmen berichtete, hatte es zuvor schon Entlassungen gehagelt.

Frauen, erobert das digitale Feld zurück!

Aber reichen ein paar dumme Kinofilme wirklich, um tausende von Frauen abzuschrecken? Frauen fahren heute die Rallye Paris-Dakar, steuern Flugzeuge, fliegen ins All, operieren am offenen Herzen. Und eine Handvoll frauenfeindliche Dinosaurier in den Hightech-Konzernen bringen es angeblich fertig, die Damen aus dem Zukunftsfeld schlechthin zu vertreiben?

Es fällt mir schwer, das zu glauben. Sheryl Sandberg von Facebook Börsen-Chart zeigen ging mit ihrem Buch "Lean in" noch gar nicht weit genug. Sich reinzuknien reicht nicht, es ist an der Zeit, aufzustehen und mit dem Fuß aufzustampfen. Es gilt, Durchsetzungswillen und Machtbewusstsein zu entwickeln und sich das digitale Feld zurückzuerobern, das ja - siehe oben - schon einmal weiblich besetzt war.

Derzeit suchen viele Technologie-Unternehmen händeringend nach weiblichen Chefs, besonders in den europäischen Ländern, wo Frauenquoten viele Unternehmen dazu zwingen, sich ernsthafter als früher mit der Frage nach weiblichen Führungskräften auseinander zu setzen. Die Chancen für weibliche Ingenieure sind daher derzeit besser denn je und viele Betriebe arbeiten entsprechend hart daran, Kultur und Vergütungssysteme fairer und frauenfreundlicher aufzustellen.

Das alles ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich vor allem auch die Frauen selber bewegen müssen oder Hightech wird ein männliches Feld bleiben. Zukunft entsteht zunächst in den Köpfen - Frauen müssen sich daher zuerst von den oben aufgelisteten Fehlwahrnehmungen verabschieden. In jeder Revolution bilden sich neue Führungseliten, so auch in der digitalen. Es liegt vor allem an den Frauen. selber, sich auf zu schwingen und die sich jetzt bietenden Chancen auch zu ergreifen.

Heiner Thorborg ist Personalberater und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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