Mittwoch, 11. Dezember 2019

Ex-Wella-Vorstand über Babypause "Mit Dir sind wir in einem Jahr fertig"

Elke Benning-Rohnke: Nach zwölf Jahren in internationalen Konzernen wurde sie Vorstand bei Wella. Heute arbeitet sie als Top-Management-Beraterin bei Benning & Company und leitet bei FidAR die Region Süd.

"Null Bock" auf eine Frau hatten die Kollegen von Elke Benning-Rohnke, als diese nach der Geburt ihres Sohnes wieder arbeiten ging. Das war vor über 20 Jahren. Sie stieg dennoch bis in den Vorstand auf.

Niemand würde heutzutage eine Frau im ersten Personalgespräch wissen lassen, dass sie keine Chance auf eine Karriere hat. Auch werden Stellenbewertungen (vermutlich) nicht mehr nach unten korrigiert, wenn eine Frau dorthin befördert wird. Ganz klar: Die Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft hat in den letzten Jahren deutlich an gender political correctness gewonnen.

"Wir sind doch auf sehr gutem Weg", sagte neulich ein ehemaliger Vorsitzender des DCGK (Deutscher Corporate Governance Kodex) zu mir, gleich verbunden mit der Mahnung, nicht noch mehr Forderungen zum Thema Frauen in der Wirtschaft zu stellen.

Aber sind wir tatsächlich auf gutem Weg? Oder verdeckt die "political correctness" lediglich die Mythen, die sich in Deutschland über Frauen in der Wirtschaft seit langen Jahren halten?

Mit Blick auf viele der sogenannten Frauen(be)förderprogramme, die geringe Anzahl und Wirksamkeit weiblicher Vorstände, sowie die aufgeregte Diskussion um die Quote für Aufsichtsräte, gefördert von FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte e.V.) und vielen politischen Parteien, scheinen mir die Mythen noch immer Bestand zu haben. Sie drehen sich um die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf, die angeblich fehlende Verfügbarkeit und den Mangel an Kompetenzen. Die Abschaffung dieser Mythen ist überfällig, denn sie bringen uns alle nicht weiter.

Plötzlich neue Kompetenzen gefragt

Zweimal hatte ich das große Glück in Konstellationen zu arbeiten, in denen diese Mythen keine Rolle spielten. Es wird nicht wundern, dass ich dabei sehr wirksam, sehr erfolgreich und sehr froh und heiter war.

Im einen Fall entschied ich mich nach der Geburt unseres zweiten Sohnes ein neues Geschäftsfeld kennenzulernen. Umgehend wurde die Stelle in der Bewertung nach unten angepasst und mein Gehalt gegenüber dem meines Vorgängers auch; und das obwohl ich bereits hier wie auch in meinem vorherigen Unternehmen, einem US-Konzern, große Erfolge vorzuweisen hatte. Meine neuen Kollegen, die nichts anderes als nur diesen Bereich kannten, begrüßten mich dennoch mit einem geraunten "Mit Dir sind wir in einem Jahr fertig".

"Null Bock" auf die Frau und das was ich einbringen wollte. Doch dann wendete sich das Umfeld durch den Verkauf des Unternehmens an einen großen amerikanischen Konzern und der Aufgabe, die Integration zu bewältigen.

Plötzlich hingen die Karrieren an ganz neuen Kompetenzen. Wer kann Englisch? Wer kann amerikanischen Konzern? Wer kann überhaupt die Aufgabe der Integration bewältigen? In Nullkommanix war ich zur neuen Allzweckwaffe geworden. Mein internationaler Managementbackground war jetzt heißbegehrt. Meine Aufgabe war, die Integration hinzubekommen und die Positionen meiner Kollegen zu sichern.

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