Montag, 18. November 2019

Weibliche Führungskräfte Frauennetzwerk auf Wachstumskurs

"Unsere Mitglieder beweisen tagtäglich, dass Frauen durchaus erfolgreich sein können": Antje Neubauer ist Vorstandsmitglied bei Generation CEO, dem Karriere-Netzwerk für Frauen
Claudia Kempf
"Unsere Mitglieder beweisen tagtäglich, dass Frauen durchaus erfolgreich sein können": Antje Neubauer ist Vorstandsmitglied bei Generation CEO, dem Karriere-Netzwerk für Frauen

Dass Frauen ebenso gute Führungskräfte sind wie Männer, dass Karriere und Familie einander nicht ausschließen müssen, dass die Rollenmodelle des vergangenen Jahrhunderts in unsere moderne Zeit nicht mehr passen - all das ist heute weitgehend gesellschaftlicher Konsens. Dennoch hinkt die Realität in der deutschen Wirtschaft der Theorie nach wie vor weit hinterher.

Nur 37 der 663 Vorstände in den Dax-, S-Dax-, M-Dax, und Tec-Dax-Unternehmen sind weiblich, hat Ernst & Young in seinem "Mixed Leadership Barometer 2015" ermittelt. Das entspricht einer Frauenquote von gerade einmal 5,6 Prozent. Gegenüber 2014 ist dies sogar ein Rückgang um 0,5 Prozentpunkte.

"Die Zahl ist bedrückend - besonders, wenn man bedenkt, dass die Frauenkarte gleichermaßen gern von Industrie und Politik gezückt wird, wenn es um die eigene Popularität geht", sagt der Personalberater Heiner Thorborg. Ein entscheidender Nachteil qualifizierter und kompetenter Frauen ist, dass sie in den Zirkeln der Macht deutlich schlechter vernetzt sind als ihre männlichen Konkurrenten.

Frauen sind schlechter vernetzt als Männer

Deshalb gründete Thorborg 2007 Generation CEO - ein Karrierenetzwerk ausschließlich für weibliche Führungskräfte. Bewerben können sich Frauen, die bereits eine Führungsposition mit entsprechender Budget- und Personalverantwortung innehaben, mindestens zehn Jahre Berufserfahrung vorweisen können und über interkulturelle Kompetenzen verfügen.

"Unsere Mitglieder beweisen tagtäglich, dass es auch anders geht und Frauen durchaus erfolgreich sein können", sagte Antje Neubauer, Vorstandsmitglied von Generation CEO. Auf 170 Mitglieder ist das Netzwerk inzwischen angewachsen. "170 Frauen, die Karriere machen und dabei eine Familie haben, 170 Frauen, die sich in klassischen Männerdomänen beweisen, ohne zu scheitern. Und das ganz ohne Quote, darauf sind wir stolz."

Am 2. November 2015 werden elf neue Managerinnen in das Netzwerk aufgenommen. manager-magazin.de hat sie interviewt - und festgestellt, dass ihre Definition von Erfolg häufig eine ganz andere ist, als die ihrer männlichen Kollegen.

Stéphanie Rupp, 46, studierte Management in Reims (Frankreich) und verbrachte ein Auslandssemester an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz. Ihre berufliche Karriere führte sie zunächst in die Schweiz zur Werbeagentur McCann Erickson, bei der sie Kunden wie Lufthansa, Nestlé und Mastercard betreute. 2005 wechselte sie zu Saatchi & Saatchi, wo sie nach Stationen in Genf und Düsseldorf heute am Standort Frankfurt als Managing Director für die globale Kundenführung von Merck Health Care und den Aufbau neuer Geschäftsfelder verantwortlich ist. "Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, junge Frauen zu fördern und vorzuleben, dass man zwischen Karriere, Familie und persönlichen Bestrebungen auf nichts verzichten muss", sagt die Französin, die Mutter eines zweijährigen Sohnes ist.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Ich kann in jedem Fall auf ein paar Highlights zurückblicken: mein Auslandsstudium an der WHU (was für mich als Französin eine richtige Herausforderung war), eine im europäischen Markt sehr erfolgreiche Kreativkampagne für ein wirklich hässliches (aber praktisches) Auto, ein herausforderndes Strategieprojekt in China, zahlreiche Industry Awards, langjährige, vertrauensvolle, fruchtbare Kundenbeziehungen usw. Was mich aber – außer meinem Sohn - am stolzesten macht, ist, dass ich mich ziemlich früh in meiner Karriere entschieden habe, mich voll auf das zu konzentrieren, was mir wirklich Spaß macht, wofür ich Leidenschaft spüre - und dabei auf meine Stärken zu setzen.

Welche Entscheidung würden Sie im Nachhinein anders treffen´- und warum?

Nicht ganz einfach zu beantworten: Das Rad lässt sich nicht zurückdrehen, auch Misserfolge führen zu positiven und wertvollen Erfahrungen. Zum Beispiel zu lernen, auf das Bauchgefühl zu hören. Entscheidungen, die ich nur mit dem Kopf getroffen habe waren nicht immer die besten.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

Folgt eurem Herzen, macht das, wofür ihr Leidenschaft habt (und gebt alles, was Ihr habt) - dann sind die Chancen auf eine erfolgreiche, glückliche Zukunft am größten

Judith Kölzer-Söding, 32, studierte Betriebswirtschaftslehre und Jura an der Universität St. Gallen (Schweiz). Im Alter von 24 Jahren stieg sie als Analystin im Investment Banking bei Goldman Sachs in London ein und verantwortete Investments in einer Gesamthöhe von mehr als 1 Milliarde Euro. 2011 wechselte Sie als Investment Executive zu CVC Capital Partners nach Frankfurt, 2012 schloss sie ihre Promotion zum Dr. jur. in St. Gallen ab. 2014 stieg sie über ein Management-Buy-in als Chief Financial Officer bei dem mittelständischen Pharmaunternehmen Dr. Förster AG in Neu Isenburg ein.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Es ist schwer, besondere Einzelleistungen zu bewerten, aber dort zu sein, wo ich heute stehe, ist eigentlich die empfundene Leistung. Der Weg ging mit Stationen im In- und Ausland über Studium, Promotion, Investmentbanking, Private Equity und jetzt ins Unternehmerische. Die Vielzahl an gesammelten Erfahrungen, eine Situation aus verschiedenen Blickwinkeln bewerten zu können und dadurch ein gutes Einschätzungsvermögen entwickelt zu haben, würde ich daher als die größte Leistung beschreiben.

Welche Entscheidung würden Sie im Nachhinein anders treffen – und warum?

Sicherlich gibt es die eine oder andere Situation, in der ich mit heutigem Wissen und Erfahrung anders entscheiden würde. Aber es heißt ja so schön, dass man gerade aus Fehlern lernt. Ich denke, es ist die Mischung – und die war in Summe prima. Hätte ich es noch einmal zu entscheiden, würde ich dem Feiern während des Studiums vielleicht ein paar Prozent mehr einräumen und der Strebsamkeit ein paar Prozent weniger.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

Nimm dir Zeit, Dinge auszuprobieren. Lege dich nicht zu früh beruflich fest, schaue dir vieles an und sei ein Schwamm. Keine Tätigkeit oder Situation hält ewig an – es gibt Höhen und Tiefen im Leben und das ist gut so!

Karin Zimmermann, 39, ist Schweizer Staatsbürgerin und studierte Betriebswirtschaftslehre und Angewandte Psychologie in Basel und Zürich. Ihre berufliche Karriere begann sie bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, für die sie in Frankreich, Chile, Argentinien und der Schweiz tätig war – vor allem in den Bereichen Handel, Konsumgüter und Luxusartikel. 2011 wechselte sie zum Modefilialisten C & A, wo sie bis in die deutsche Geschäftsleitung aufstieg und für 280 Mitarbeiter verantwortlich war. Im Sommer 2015 verließ sie Deutschland und arbeitet seither als General Manager im Einkauf für die australische Supermarktkette Coles in Melbourne. Neben Deutsch spricht sie fließend Englisch, Französisch und Spanisch und hat außerdem begonnen, Japanisch zu lernen.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Ich habe die letzten 15 Jahre quer durch die Welt gelebt, von Japan nach Bangkok nach Lateinamerika nach Barcelona und Paris sowie Köln. Und nun also Australien. Trotz dieser vielen Ländersprünge ist es meinem Lebenspartner und mir gelungen, seit 20 Jahren unzertrennlich zu sein und uns an jedem Ort der Welt zu Hause zu fühlen.

Welche Entscheidung würden Sie im Nachhinein anders treffen - und warum?

"Im Nachhinein" ist für mich kein besonders relevantes Konzept. Ich schaue prinzipiell nach vorne und bin kein "Ach, hätte ich doch"-Typ. Ich entscheide gerne und stehe zu meinen Entschlüssen. Wenn Dinge schief laufen, dann analysiere ich die Situation, wachse dadurch an Erfahrungen und mache den Fehler kein zweites Mal.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

Seid stolz darauf, Frau zu sein. Bleibt euch selbst treu und folgt eurer Passion. Findet Mentoren, die euch inspirieren (Frau oder Mann). Karriere ist meist nicht planbar, sondern muss Spaß machen und zu euch passen.

Giovanna Maag, 37, startete ihre Karriere mit einer Ausbildung als Bankkauffrau bei der DZ Bank in Frankfurt, an die sie ein Wirtschaftsstudium (Corporate Finance) in Lancaster (Großbritannien), Singapur und Bocconi (Italien) anschloss. Nach Stationen als Analystin bei der Investmentbank Morgan Stanley in Frankfurt und London und als Strategieberaterin bei McKinsey in Frankfurt wechselte sie 2008 zum Private-Equity-Unternehmen 3i, wo sie als Director Private Equity als Projektmanagerin Verantwortung für Transaktionen im deutschsprachigen Raum trägt. Giovanna Maag ist verheiratet und hat eine einjährige Tochter.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Im Private-Equity-Geschäft werden wir an den Renditen gemessen, die wir für unsere Investoren beim Verkauf von Unternehmen realisieren. Als Beiratsmitglied einer Beteiligung konnte ich dazu beitragen, das Unternehmen international zu expandieren, erfolgreich durch die Finanzkrise zu führen, und die Anzahl der Beschäftigten in Deutschland zu steigern. Der Höhepunkt der mehrjährigen Arbeit war die Vorstellung des neuen Eigentümers in einer Mitarbeiterversammlung: Der Käufer bekam hohe Zustimmung von der Belegschaft, und als Investoren erzielten wir eine sehr attraktive Rendite.

Welche Entscheidung würden Sie im Nachhinein anders treffen - und warum?

Wenn ich an Entscheidungen denke, die ich heute anders getroffen hätte, ergibt sich für mich ein roter Faden: Mit mehr Zuversicht hätte ich mir so manche Schleife erspart. Ob ich daraus für die Zukunft für mich gelernt habe? Ich denke schon – das werde ich in ein paar Jahren bei einem Rückblick bewerten können.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

Lasst euch nicht davon leiten, ob sich eure Berufswahl mit eurer gewünschten Familienplanung vereinbaren lässt. Macht erst einmal das, was euch interessiert und herausfordert. Wenn es sich mit euren Familienplänen vereinbaren lässt, hervorragend. Wenn nicht, dann habt ihr bis zu diesem Zeitpunkt ein sehr gutes Verständnis bekommen, was ihr leisten könnt und wo eure Stärken sind, die ihr anderswo einbringen könnt.

Ulrike Handel, 44, studierte Medienmanagement und Wirtschaftswissenschaften in Hannover und Madison, Wisconsin. Anschließend ging sie zur Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und promovierte parallel an der Universität Amsterdam über die "Fragmentierung der Mediennutzung", bevor sie im Jahr 2000 zum Axel Springer Verlag wechselte. Dort war sie unter anderem verantwortlich für den Verkauf von Interactive Media an die Telekom sowie die Markteinführung der Zeitung "Welt kompakt". Sie stieg in die Verlagsgeschäftsführung der "Welt"-Gruppe auf, bevor sie mit dem Kauf von Stepstone wieder in die Digitalbranche wechselte. Nach einer Station als Mitglied der Geschäftsleitung der Bertsch Innovation Group wechselte sie 2013 als Vorstandsvorsitzende zur Online-Markting-Gruppe ad pepper media International. Dort ist sie verantwortlich für 200 Mitarbeiter und ein Umsatzvolumen von 50 Millionen Euro. Ihre Aufgabe: Das börsennotierte Unternehmen wieder profitabel und fit für die Zukunft zu machen. "Meine bisherige berufliche Entwicklung wurde ausschließlich von Männern beeinflusst", sagt sie über sich selbst. "Und es handelte sich immer um Aufgaben, die völlig neu für mich waren."

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Zurzeit ist das sicher Turnaround der börsennotierten ad pepper media Gruppe, bei dem ich als CEO selber an der Spitze stehe. Rein monetär war es die Akquisition der Stepstone-Gruppe für Axel Springer 2010 - und am öffentlichkeitswirksamsten war der Turnaround der WELT-Gruppe 2007.

Welche Entscheidung würden Sie im Nachhinein anders treffen - und warum?

Ich würde alles (!) genau wieder so machen – denn zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung war es die richtige Entscheidung. Und rückblickend war es das auch, weil es immer für etwas gut war und alle Entscheidungen im Hinblick auf die daraus resultierenden Erfahrungen aufeinander aufbauen.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

Vertraut eurem Gefühl und euren Wünschen und findet heraus, was ihr wirklich wollt, wenn es um Beruf und Privatleben geht. Keiner muss Karriere machen, jeder Berufs- und Lebensweg ist hoch individuell und jeder wird auf andere Weise glücklich. Kehrtwendungen sind oft besser als (vermeintliche) Gradlinigkeit. Bei schwierigen Weichenstellungen würde ich die Situation immer mit einem Mentor besprechen: Das kann ein Experte, eine erfahrene Führungskraft, aber genauso gut der Partner, die Eltern oder ein Kollege/Vorgesetzter sein.

Susanna Schneeberger, 42, ist in Schweden geboren, hat aber einen großen Teil ihrer Karriere in Deutschland verbracht. Sie studierte International Business Administration und European Affairs in Lund (Schweden) und verbrachte als Trainee bei International Masters Publishers zwei Jahre in den USA, Großbritannien und Frankreich. Nach Stationen beim Meister Verlag und bei Icon Media Lab in München wechselte sie 2002 als europäische Marketingchefin zum Softwarehersteller Ixos. 2007 zog es sie zurück in ihre Heimat Schweden, sie ging als Vice President zum Kunststoffhersteller Trelleborg. Seit März 2015 ist sie zurück in Deutschland – als Vice President und Managing Director beim Kranhersteller Terex Material Handling, vormals Demag Cranes, in Düsseldorf. Dort ist sie verantwortlich für mehr als 5000 Mitarbeiter und einen Gesamtumsatz von mehr als 1 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich ist sie Mitglied in fünf Aufsichtsräten. Susanna Schneeberger ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Ich suche die Herausforderung und möchte etwas bewegen und gestalten. Insofern bin ich stolz darauf, wenn ich durch meine Leistung und meine Ideen überzeugen, ein Unternehmen voranbringen und durch meine Arbeit zukunftsfähig machen kann. Ein Beispiel ist die Entwicklung und Umsetzung einer erfolgreichen Wachstumsstrategie in der IT-Industrie, die sowohl aus Akquisitionen als auch organischem Wachstum bestand und ein optimiertes Produktportfolio sowie einen neuen Go-to-Market-Ansatz umfasste. Privat bin ich stolz darauf, dass ich nicht nur eine spannende Karriere leben kann, sondern gemeinsam mit meinem Mann und meinen Kindern eine harmonische Familie habe.

Welche Entscheidung würden Sie im Nachhinein anders treffen - und warum?

Keine. Auch wenn eine Entscheidung in ihrer Konsequenz manchmal schwierig war, habe ich immer etwas Wichtiges gelernt und neue Möglichkeiten und Wege finden können. Diese Erfahrungen würden mir heute fehlen – ich wäre nicht die Person und nicht in dieser Position, wenn ich sie nicht gemacht hätte.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

Ich rate ihnen, immer an sich und ihr eigenes Potential zu glauben und nicht vor Hindernissen halt zu machen. Entwicklungsmöglichkeiten zu suchen und ihnen aktiv nachzugehen. Sich nicht von anderen einschränken zu lassen. Netzwerke zu bauen und zu pflegen – beruflich und privat.

Uta-Maria Ohndorf, 46, entschied sich nach einer Banklehre bei Deutschen Bank in Bonn für ein Chemiestudium, Schwerpunkt: Biochemie. Ihre Dissertationsarbeit schrieb sie am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und promovierte an der Universität Konstanz. Anschließend arbeitete sie als Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried und an der Rockefeller University in New York, bevor sie 2005 zu Siemens in die Konzernstrategie für den Bereich Heathcare wechselte. Seit nunmehr sieben Jahren arbeitet sie für Roche Diagnostics, wo sie seit Mitte 2013 als General Manager für die belgische Landesorganisation mit 170 Mitarbeitern verantwortlich ist. Sie lebt und arbeitet in Brüssel.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Da gibt es mehrere, aber Herausforderungen, die man erst kürzlich gemeistert hat sind ja besonders präsent. Ich hatte für unsere belgische Roche-Diagnostics-Organisation noch während der Rezession einen Investitionsplan vorgelegt, um antizyklisch zu investieren. Durch eine Neuausrichtung auf diagnostische Tests mit hohem medizinischen Nutzen und Verstärkung der Consulting-Aktivitäten konnten wir unseren Kunden in Zeiten starker Konsolidierung und restriktiver Gesundheitsbudgets helfen, die Laboreffizienz zu steigern und gleichzeitig das Test-Portfolio zu verbreitern, um Patienten Zugang zu hoch innovativer Diagnostik zu ermöglichen. Stolz bin ich auch auf den daraus resultierenden Turnaround für Roche Diagnostics Belgien mit hohen profitablen Wachstumsraten.

Welche Entscheidung würden Sie im Nachhinein anders treffen - und warum?

Nicht anders, aber schneller. Ich bin nach dreieinhalb Jahren von der Konzernstrategie ins operative Geschäft gewechselt. Rückblickend hätte ich dies früher tun sollen. Ich genieße die Nähe zum Kunden, den direkteren Durchgriff und die vielfältigen und schnell wechselnden Herausforderungen im operativen Geschäft. Hier lassen sich auch strategische Entscheidungen zielgerichteter und schneller treffen.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

Gehen Sie mutig dahin, wo Wachstum, bahnbrechende Ideen und zukunftsweisende Technologien zu finden sind, wo man es sich zur Aufgabe macht, Lösungen zu den großen Herausforderungen der Zeit zu implementieren. Dort haben Sie ein innovatives Umfeld mit noch nicht festgefahrenen Strukturen, in dem Sie gestalten und führen können. Lassen Sie niemals andere für sich denken. Und: Keep your head up and your coffee strong!

Sonja Mechling, 44, ist deutsche und slowakische Staatsbürgerin und studierte Internationale Betriebswirtschaftslehre in Bratislawa. Zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn machte sie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, unter anderem für die Bausparkasse Schwäbisch Hall sowie für Touristikregionen in Osteuropa. Im Jahr 2000 wechselte sie Bosch in den Bereich Power Tools und arbeitete sich von der Produktmanagerin für Holzbearbeitung bis zum Regional President für Osteuropa und den Mittleren Osten hoch. In dieser Position ist sie für das gesamte Markenmanagement, die Distribution und das Controlling zuständig - und Vorgesetze von 40 Mitarbeitern. Sonja Mechling ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Von 2008 bis 2011 war ich in Hong Kong für das Brand Management von Bosch Power Tools Asia Pacific verantwortlich. Auf diese Leistung bin ich in zweierlei Hinsicht stolz - geschäftlich und persönlich. Geschäftlich, weil wir innerhalb dieser drei Jahre das Brand Management in der Region vom Grund auf neu aufgebaut haben. Und persönlich, weil ich den Mut hatte, mit meiner Familie dieses Abenteuer zu unternehmen. Unsere Jungs waren damals zehn und zwölf und mein Mann pendelte wegen seiner Firma zwischen Hong Kong und Deutschland. Das war nicht einfach, aber es schweißte uns als Familie zusammen, und wir alle sammelten wertvolle Erfahrungen.

Welche Entscheidung würden Sie im Nachhinein anders treffen - und warum?

Im Nachhinein würde ich mich intensiver um mein berufliches Netzwerk, um die Seilschaften, kümmern. Dazu blieb mir neben Beruf und Familie nur wenig Zeit. Das hole ich jetzt Schritt für Schritt nach.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

Glaubt an euch selbst und geht mit Überzeugung euren Weg. Und wenn ihr Zweifel habt, hilft ein Schulterblick von außen. Holt euch einen Rat von erfahrenen Kollegen, Mentoren oder Coaches, denen ihr vertraut.

Petra Molan, 46, stammt aus Slowenien, wo sie in Ljubljana Pharmazie und Science Marketing & Communications studierte. Folgerichtig führte ihr Weg sie in die Pharma- und Life-Science-Industrie, zunächst zu einem Arzneimittelgroßhändler in Slowenien, dann 1996 als Brand Manager zum US-Pharmakonzern Eli Lilly. 2004 wechselte sie als General Manager für den slowenischen Markt zum deutschen Konkurrenten Bayer und arbeitete sich in der Hierarchie rasch nach oben. Nach einer Station in der Schweiz kam sie 2012 in die Konzernzentrale nach Leverkusen, wo sie zuletzt als Vice President und Head of Corporate Konzernchef Marijn Dekkers direkt zuarbeitete und für rund 400 Mitarbeiter verantwortlich war. Seit Anfang dieses Jahres steuert sie von Mailand aus als Senior Vice President das Geschäft der Pflanzenschutztochter Bayer Crop Science für den gesamten Mittelmeerraum. "Im Laufe meiner internationalen Karriere in Sales, Marketing, Verwaltungs- und Führungspositionen in der Life Science Industrie war ich kontinuierlich gefordert, meine persönliche Balance zwischen Arbeits- und Privatleben zu finden", sagt sie über sich selbst. Petra Molan ist verheiratet und hat eine 14-jährige Tochter.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Ich bin stolz darauf, dass es mich glücklich macht, was ich heute tue – ein großes Business zu verantworten und gleichzeitig eine tolle Familie zu haben. Außerdem bin ich stolz darauf, meine positive Einstellung, meinen Eigenantrieb und meine Energie so nutzen zu können, dass ich es schaffe, Karriere und Privatleben in Balance zu halten.

Welche Entscheidung Würden Sie Nachhinein anders treffen – und warum?

Ich denke, dass internationale Erfahrung – Leben im Ausland und Arbeiten in interkulturellen Teams – in der globalen Geschäftswelt heute essenziell ist, um eine gute Führungskraft und ein starkes Vorbild zu werden. Ich habe den internationalen Teil meiner Karriere recht spät begonnen, es ist eine tolle Erfahrung, und wenn ich es nochmal machen könnte, würde ich versuchen, früher damit zu anzufangen.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

Jungen Frauen, die Ambitionen haben, eine Karriere im Business zu machen, empfehle ich, sich ein klar definiertes und ambitioniertes Ziel mit einer langfristigen Perspektive zu setzen. Auf dem Weg dorthin sind Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit hilfreich. Ich würde außerdem raten, "das System" gut zu kennen, eher damit als dagegen zu arbeiten und die eigene "Diversity" als Wettbewerbsvorteil zu nutzen. Zu guter Letzt ist es aus meiner Sicht wichtig, nie zu große Zugeständnisse zu machen, um dieses Ziel zu erreichen, sondern seinen persönlichen Werten treu zu bleiben - und dabei die Chance auf ein Familienleben und Muttersein nicht aufzugeben.

Manuela Buxo, 39, hat den größten Teil ihrer beruflichen Laufbahn im Ausland verbracht. "Die kulturellen Unterschiede in Bezug auf Frauen und Karriere haben mich sowohl fasziniert als auch persönlich bereichert", sagt sie über sich selbst. Ihr Weg begann mit einem Betriebswirtschaftsstudium an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, der University of Illinois und an der Handelshochschule Leipzig. Anschließend stieg sie über ein Trainee-Programm beim Bayer-Konzern ein und arbeitete anschließend auf verschiedensten Positionen in Leverkusen, den USA, Mexiko und der Schweiz. Zuletzt war sie als Vice President verantwortlich für das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln in den USA. Vor gut einem Jahr wechselte sie zum Wettbewerber Sanofi, wo sie als Vice President das weltweite Marketing aller nicht verschreibungspflichtigen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel verantwortet. Manuela Buxo ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von sechs und vier Jahren.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Meine zwei Kinder – auf die bin ich am meisten stolz! Und die Tatsache, dass ich Familie und Karriere gut verbinden kann (aber ich habe auch einen tollen Mann). Beruflich bin ich besonders stolz darauf, dass ich mich nach 15 Jahren bei Bayer erfolgreich in einem neuen, kulturell sehr unterschiedlichen, jedoch ebenfalls sehr bereichernden Umfeld bei Sanofi etablieren konnte.

Welche Entscheidung würden Sie im Nachhinein anders treffen - und warum?

Keine! Die wichtigsten Entscheidungen meines Lebens habe ich nicht bereut und wäre heute nicht der Mensch, der ich bin, wenn ich nicht jede Entscheidung genauso getroffen hätte.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

An sich zu glauben! Frauen (ich eingeschlossen) sind oft zu selbstkritisch, was dazu führen kann, dass sie zurückhaltender an ihre eigene Karriere herangehen. Ich würde jungen Frauen raten, öfter mal etwas zu wagen (z. B. sich für einen Job zu bewerben, der eine Nummer zu groß zu sein scheint).

Meike Schäffler, 43, ist ihren Weg in klassischen Männerdomänen gegangen. "Beginnend mit meinem Studium der Mathematik bis zu meiner heutigen Tätigkeit im Stahl-/Rohr-Bereich habe ich immer in einer männerdominierten Welt gearbeitet - und fühle mich dabei sehr wohl", sagt sie. Sie studierte und promovierte in Bielefeld und startete dort auch ihre Karriere – beim Softwareunternehmen Itelligence AG. 2003 übernahm sie die Leitung der IT beim Automobiltechnik- und Stahlrohrspezialisten Benteler in Paderborn. Zuletzt war sie als Geschäftsführerin Benteler Steel/Tube verantwortlich für 3500 Mitarbeiter und 1 Milliarde Euro Umsatz. Seit diesem Jahr ist sie als Geschäftsleiterin für die Bereiche Human Resources, IT, Werke und Technik des Energie-Technolgie-Unternehmens Westfalen AG in Münster tätig. Meike Schäffler ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von elf und acht Jahren.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?

Sich in einer zumeist reinen Männerwelt durch Leistung und ohne Quote durchgesetzt zu haben.

Welche Entscheidung würden Sie im Nachhinein anders treffen - und warum?

Ich hätte früher, vielleicht schon im Studium, einen längeren Auslandsaufenthalt einschieben sollen. Das hat sich leider nicht ergeben.

Was raten Sie jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen?

Sich nicht durch eine vermeintliche Benachteiligung von Frauen kirre machen zu lassen. Selbstbewusst die eigenen Chancen angehen.

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