Elisabeth II. wird  heute 90 Jahre alt Mein Treffen mit der Queen

Eine starke Hand auf der Schulter - und plötzlich blickt man in die freundlichen Augen der Queen. Kolumnist Peter Littger war zunächst sprachlos. Dann erlebte er einen unvergesslichen, untertänigen Moment.
Besuch in Deutschland: Queen Elizabeth II (hier mit Joachim Gauck)

Besuch in Deutschland: Queen Elizabeth II (hier mit Joachim Gauck)

Foto: RONNY HARTMANN/ AFP

16 Jahre ist es her, da stand plötzlich die englische Königin vor mir - und ich wusste nicht, was ich machen sollte. Zur Eröffnung der britischen Botschaft war sie eigens nach Berlin gekommen, kein offizieller Staatsbesuch, nur eine Dienstreise in Angelegenheiten des Vereinigten Königreichs.

Die Queen defilierte durch den Raum, ich plauderte mit anderen Gästen übers Wetter und - damals ganz wichtig - über Aktienkurse. Dabei stand ich mit dem Rücken zur sich nähernden Monarchin. Natürlich macht man das nach allen Regeln der Ich-treff-die-Königin-Kunst auf gar keinen Fall. Auf Pseudoenglisch: ein No-go !

Plötzlich spürte ich eine starke Hand auf meiner Schulter: Der damalige Botschafter Paul Lever drehte mich kurzerhand um, sodass ich seine Majestät - die nicht meine ist - vor mir erblickte.

Ich war verblüfft. Um nicht zu sagen: Ich war sofort hingerissen von ihren Augen! I was flabbergasted: her eyes were arresting! Sie gaben mir ein warmes, wohliges Gefühl, denn sie waren offen, sogar herzlich und interessiert. Das war sicher der schönste Moment eines treuen Untertans - der ich gar nicht bin. Die royale Aura fesselte und lähmte mich zugleich. Schon den ganzen Tag hatte ich das Beatles-Liedchen "Her Majesty" im Kopf:

"I want to tell her that I love her a lot.
But I gotta get a bellyful of wine.
Her Majesty's a pretty nice girl.
Someday I'm going to make her mine.
Oh yeah!"

SPIEGEL ONLINE

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte

Auf die Situation war ich völlig unvorbereitet, hatte weder eine Verbeugung geübt noch mir ein paar Worte zurechtgelegt. Klar kannte ich die gängigen Verhaltenstipps  , die aber in Wahrheit gar nicht helfen, das Richtige zu tun. Vielmehr sind es Verbote, um das Unangemessene zu unterlassen:

  • Man spricht die Queen nicht an.
  • Man gibt ihr nicht die Hand.
  • Man stellt ihr keine Fragen.

Nur: Was macht man dann?

Kann man Königin Elizabeth II. zum Beispiel mit ihrem Vornamen ansprechen? Vor dem Hintergrund unserer republikanischen Mittelschichtensozialisierung erscheint das zunächst zwingend. Schließlich stellt sie sich nie mit ihrem Nachnamen vor (der übrigens offiziell "Windsor Mountbatten" lautet, aber nie benutzt wird). Da bleibt nur der Vorname.

Peter Littger
Foto: Timm Kölln

Kolumnist Peter Littger (Jahrgang 1973) beschäftigte sich schon als Schüler in einem britischen Internat mit den Herausforderungen des englischen Sprachraums - und mit den eigenen sprachlichen Unzulänglichkeiten. In seiner "Fluent English"-Kolumne auf Spiegel Online sammelt er seit 2013 besonders kreative und verheerende Beispiele deutsch-englischer Sprachverwirrung.

Nelson Mandela hat es mehrmals so gehalten und sie "Elizabeth" gerufen. Da sie ihn kannte, soll sie geantwortet haben: "Hello Nelson"  . Da man aber nicht generell erwarten darf, dass einen die Queen kennt, sollte man auch nicht auf diese Art des lebhaften Dialogs spekulieren. Zu schnell könnte die Begegnung vorbei sein.

This is Peter. - I am Peter.

Was ich vor 15 Jahren machte (oder mit mir machen ließ), bringt mich zum wichtigsten Konversationstipp: Sollten Sie wirklich plötzlich vor der Queen stehen, plappern Sie am besten einfach nach, was sie Ihnen sagt. Oder was der Mensch, der Sie vorstellt, über Sie sagt. In meinem Fall war es Botschafter Sir Paul: "This is Peter. He brings together British and German journalists to foster the relations between our two countries." Ich leitete damals ehrenamtlich das IJP George Weidenfeld Bursary für deutsche und britische Journalisten  .

Ohne mich aus ihren warmen Augen zu verlieren, fragte mich die Königin: "What are you doing?" Das veranlasste mich zu repetieren, brav wie ein wohlerzogenes Corgi-Hündchen: "I am Peter Littger and I bring together British and German journalists to foster the relations between our two countries." Dann sagte sie, was ich niemals vergessen werde:

"That sounds very important."

Ich konnte mir keinen treffenderen Satz für unser tägliches Rumwuseln in der Ameisengesellschaft vorstellen, ob in der Monarchie oder in der Republik. Und die Ameisenkönigin sagt: "In diesem großen Haufen sind Sie ein ganz Besonderer, mein Lieber." Toll.

Oops-a-daisy and toodle-oo!

Wie bewährt das Nachplappern ist, hat auch Angela Merkel im vergangenen Jahr demonstriert. Als sie die Queen im Buckingham Palace besuchte, kam es zu folgendem Dialog:

Queen: Well, you have a very busy day, I think. Haven't you?
Merkel: Joa. But it's my duty to have busy days, I think.

Sollten Sie es schaffen, die Queen in ein längeres Gespräch zu verwickeln, können Sie übrigens zu einer Anrede greifen, die mir immer recht sonderbar vorkommt, weil sie so plump klingt wie "Mutti". Man sagt "Ma'am", was sich auf "ham" reimen muss, gesprochen: hämm. Denken Sie also einfach an einen saftigen königlichen Schinken, wenn Sie die Queen vor sich haben, damit Ihnen auf gar keinen Fall "Madam" herausrutscht. Denn das bedeutet auch "Matrone" oder "Puffmutter" und wäre, gelinde gesagt, ein epic fail .

Was Ihnen dann nur noch bliebe, wäre das "Hoppla" und Ihr Bedauern auf eine Weise auszudrücken, die der alten Dame schmeichelt und möglicherweise in ihrem Gedächtnis haften bleibt. Ich rate dafür zu alten Wörtern, die ich gern als Vintage Words bezeichne: "Upsy-daisy" oder "oops-a-daisy" zum Beispiel:

Sie: "Madam!"
Queen: Schweigen
Sie: "Oops-a-daisy!"

Denken Sie immer daran: Als deutscher Staatsbürger sind Sie der Queen gleichgestellt. Sie ist der einzige Souverän des ganzen britischen Volkes; Sie sind als Teil des deutschen Volkes ein einzelner Souverän. Und wenn man sich schon auf dieser Augenhöhe begegnet, dann sollte man sich auch auf eine alte und originelle Art verabschieden dürfen. Sagen Sie zum Beispiel im Brustton eines Souveräns: "Toodle-pip!" oder "Toodle-oo". Das bedeutet "Tschüss".

Warum denn nicht auch für ein bisschen Unterhaltung der betagten Queen sorgen? Dann merkt sie sich ein für alle Mal: They are very polite but very different - those Germans.

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