Erfolgreich in allen Lebenslagen Zehn Dinge, die Überflieger besser machen

Überfliegern gelingt alles scheinbar mühelos. Sie sind nicht nur erfolgreich im Job, auch privat läuft es perfekt bei ihnen. Was sind die Geheimnisse erfolgreicher Multitalente? Hier sind die Experten-Tipps.
Von Tom Nebe
So wird das nichts mit der Karriere: Gesunder Schlaf ist gut, aber das alte Motto "Morgenstund hat Gold im Mund" zieht immer noch. Also runter vom Steg und ab an den Schreibtisch, junger Mann!

So wird das nichts mit der Karriere: Gesunder Schlaf ist gut, aber das alte Motto "Morgenstund hat Gold im Mund" zieht immer noch. Also runter vom Steg und ab an den Schreibtisch, junger Mann!

Foto: Corbis

Jeder kennt solche Menschen: Erfolgreich im Job, immer ausreichend Zeit für Familie und Sport, gut aussehend, total ausgeglichen und nett. Im Englischen gibt es dafür den Begriff des Super-Achievers. So wird jemand bezeichnet, der in seinem Leben mehr erreicht als andere. Klar, dass viele selbst auch gerne so wären.

Wie das gehen kann, erklären folgende Tipps.

Komplexe Probleme am Morgen angehen

Am Morgen ist die Konzentrationsfähigkeit am höchsten. Deshalb packen Beschäftigte komplexe Aufgaben am besten in dieser Zeit an, rät Michael Kastner vom Institut für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin (IAPAM).

Selbstkontrolle haben

Ruheraum: Wer in der Firma ständig von Kollegen genervt wird, sollte sich lieber zurückziehen, um ordentlich was wegzuschaffen

Ruheraum: Wer in der Firma ständig von Kollegen genervt wird, sollte sich lieber zurückziehen, um ordentlich was wegzuschaffen

Foto: Robert Schlesinger/ dpa

Wer in der Frühe fokussiert loslegt, schafft mehr. E-Mails checken, Fragen von Kollegen beantworten, ans Telefon gehen: Im Job lauern überall Ablenkungen. Die Kunst, in wenig Arbeitszeit viel zu schaffen, liegt deshalb in der Fokussierung. "Es ist eine Frage des Willens, äußere Einflüsse und Gedanken während der Arbeit auszublenden", erklärt Kerstin Till. Manche Firmen haben Ruheräume für ungestörtes Arbeiten. Freiberufler können auch einfach ihren Laptop nehmen und für ein Stündchen statt im Büro im Café oder Park arbeiten.

Sein Leben führen, nicht getrieben sein

Prototyp des Machers: Milliardär Richard Branson, der nach einer verlorenen Wette auch mal als Stewardess bei der Airline eines Konkurrenten arbeitet

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Foto: TONY ASHBY/ AFP

Ute Bölke arbeitet seit 15 Jahren als Karriereberaterin in Wiesbaden. Sie hatte in dieser Zeit schon einige Menschen vor sich, die dem Idealbild des Super-Achievers nahekamen. "Diese Leute haben nicht weniger Aufgaben auf dem Tisch liegen als andere, sie haben die Belastung aber besser im Griff", sagt Bölke. "Man merkt das an ihrer Ausstrahlung: Sie wirken sehr präsent und sind mit sich im Reinen." Das Gegenteil sind jene Menschen, die Bölke als "Getriebene" bezeichnet. "Diese können nicht aus eigener Stärke heraus agieren." Die Folge: Vieles wird ihnen diktiert, was zu Anspannung und Unzufriedenheit führt. Es klingt banal, aber nicht immer nur "Ja" zu allen Aufgaben sagen, ist für Getriebene ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Abhaken und schnell umschalten

Zack, zack: Piloten beherrschen es aus dem Eff-Eff, eine Checkliste abzuarbeiten und dabei maximal konzentriert zu sein

Zack, zack: Piloten beherrschen es aus dem Eff-Eff, eine Checkliste abzuarbeiten und dabei maximal konzentriert zu sein

Foto: J¸rgen Weyrich/ picture alliance / dpa

Ein Auftrag ist bearbeitet, der nächste steht nun an. Eine Kunst des effektiven Arbeitens besteht darin, sich immer voll auf die nächste Aufgabe zu fokussieren. "Wer dabei schnell von einem Thema ins andere springen kann, hat Vorteile", weiß Kastner. Damit meint der Professor aber nicht das Hin-und-Her-Springen zwischen verschiedenen Aufgaben: "Von Multitasking als Fähigkeit halte ich nicht viel." Vielmehr ist gemeint: Ein Thema abhaken, das nächste mit maximaler Konzentration angehen.

Säulen der Work-Life-Balance beachten

Immer nur zwischen Tür und Angel ist nicht gut: Nehmen Sie sich Zeit für Pausen

Immer nur zwischen Tür und Angel ist nicht gut: Nehmen Sie sich Zeit für Pausen

Foto: Caroline Seidel/ picture alliance / dpa

Die Karriere ist nur eine Säule für ein gelungenes Zusammenspiel von Beruf und Privatem, sagt Bölke. "Dazu muss der Körper in Schuss gehalten werden, mit Sport, gesunder Ernährung und genug Ruhephasen." Familie und Freundeskreis sollten intakt sein. Die vierte Säule ist die Selbstverwirklichung: "Die Frage ist: Mache ich etwas, das Sinn für mein Leben gibt?", erklärt Bölke. Wer nun mit Nein antwortet, sollte überprüfen, ob er auf dem richtigen beruflichen Weg ist. Und es wagen, sich im Zweifel noch einmal neu zu orientieren.

Schwächen kennen

Bei manchen Aufgaben muss es ganz exakt sein - aber manche delegiert man besser oder gibt sich auch mal mit einem 80-Prozent-Ergebnis zufrieden

Bei manchen Aufgaben muss es ganz exakt sein - aber manche delegiert man besser oder gibt sich auch mal mit einem 80-Prozent-Ergebnis zufrieden

Foto: Axel Heimken/ picture alliance / dpa

Keiner kann in allen Anforderungen seines Jobs perfekt sein. Es hilft deshalb enorm, die eigenen Schwächen zu kennen. "Man muss lernen, Aufgaben zu delegieren oder ein zu 80 Prozent gutes Ergebnis auch mal als ausreichend zu betrachten", sagt Bölke. Gerade sehr gewissenhafte Arbeiter müssen das der Karriereberaterin zufolge oft hart erlernen.

Emails: Zwei Mal ist ein Mal zuviel

Emails neigen dazu, sich zu vermehren. Tricksen Sie die Zeitfresser aus, indem Sie jede nur einmal öffnen.

Emails neigen dazu, sich zu vermehren. Tricksen Sie die Zeitfresser aus, indem Sie jede nur einmal öffnen.

Foto: Corbis

Wenn Sie Emails oder sonstige Nachrichten bearbeiten: Fangen Sie gar nicht erst an, komplizierte Ordnersysteme zu ersinnen. Sobald Sie eine Email öffnen, bearbeiten Sie sie - sofort. Es kostet sehr viel Zeit, die Nachricht zu einem späteren Zeitpunkt wieder herauszusuchen. Und wenn Sie zum Prokrastinieren neigen, bleibt die unbeantwortete Mail nicht alleine, sondern generiert eine Folge von Anrufen ("Ich wollte mich erkundigen, ob Sie schon Gelegenheit hatten...") und weiteren Mails. "Tu es gleich" ist eine hilfreiche Devise, nicht nur für Mails.

Freizeit ist arbeitsfreie Zeit

Mails checken nach Feierabend: Abschalten geht anders

Mails checken nach Feierabend: Abschalten geht anders

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Viele Menschen schleppen Probleme von der Arbeit mit nach Hause. Das ist nicht gut für die psychische Gesundheit, warnt Till. Berufstätige müssen lernen, sich in der Freizeit von belastenden Arbeitsanforderungen zu distanzieren. Ein Trick sei etwa, sich schon auf der Arbeit bewusst auf den Feierabend vorzubereiten. "Also nicht bis zur letzten Sekunde zu ackern, sondern den Arbeitstag bewusst ausklingen lassen", erläutert Till. So klappt der Übergang in die Freizeit besser.

Zeitpuffer und Rituale einplanen

Zeitpuffer einplanen: Tragen Sie ruhig ab und zu mal eine halbe Stunde für ein "Gespräch mit Dr. Müller" ein. Auch wenn es Dr. Müller gar nicht gibt.

Zeitpuffer einplanen: Tragen Sie ruhig ab und zu mal eine halbe Stunde für ein "Gespräch mit Dr. Müller" ein. Auch wenn es Dr. Müller gar nicht gibt.

Foto: Corbis

Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn im Terminkalender vor lauter Tinte das Papier nicht mehr zu sehen ist. "Man plant sich besser bewusst Zeitpuffer ein, um seine Termine im Griff zu behalten", sagt Bölke. Zur Strukturierung des Alltags helfen feste Rituale, wie der Gang in die Tennishalle jeden Donnerstag. Diese Termine stehen und müssen nicht jede Woche neu erörtert werden, erläutert die Karriereberaterin.

Kein Druck durch vermeintliche Vorbilder

Hochstapler: Manche Leute wirken so, als flöge ihnen alles zu und alles sei ganz leicht in ihrem Leben. Auch wenn es angenehm ist, wenn jemand nie jammert, sollte man sich klarmachen: Unter jedem Dach wohnt ein Ach

Hochstapler: Manche Leute wirken so, als flöge ihnen alles zu und alles sei ganz leicht in ihrem Leben. Auch wenn es angenehm ist, wenn jemand nie jammert, sollte man sich klarmachen: Unter jedem Dach wohnt ein Ach

Foto: Corbis

Wer im Beruf erfolgreich ist, ist doch überall erfolgreich. Oder? "Falsch", sagt Till. "Hier handelt es sich um einen Trugschluss." Die Wirklichkeit sieht meist anders aus. "Alle Menschen spielen immer auch eine Rolle nach außen", sagt die Wirtschaftspsychologin. Es schadet nicht, den Bekannten, der scheinbar alles locker hinkriegt, mal ein bisschen auszuquetschen. Meist rückt sich das Bild dann gerade.

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