Montag, 22. April 2019

Führungskräfte fühlen sich unterbezahlt Gierig sind vor allem die anderen

Geld: Macht Manager glücklich, aber auch besorgt
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Geld: Macht Manager glücklich, aber auch besorgt

Die Hälfte der Führungskräfte in Deutschland fühlt sich unterbezahlt. Das hat eine repräsentative Befragung von 1000 Führungskräften ergeben, die die Max Grundig Klinik durchgeführt hat und die manager-magazin.de exklusiv vorliegt. Vor allem Frauen (66 Prozent) finden, sie "verdienen weniger als sie fairerweise verdienen müssten".

Zuviel Geld gibt es nicht: Überbezahlt findet sich kaum ein Manager: Dass sie zu viel Geld bekommen, finden nur 4 Prozent (und nur 1 Prozent der weiblichen Führungskräfte). 44 Prozent (33 Prozent Frauen) bewerten ihr Einkommen als fair. Am Geld hängt auch das Glück - 38 Prozent der Befragten fanden, dass Geld generell glücklich mache (31 Prozent der Frauen, 41 Prozent der unter 45jährigen). Allerdings: Wer hat, der hat auch Angst. Knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) hat "Sorge, einmal deutlich weniger zu verdienen als heute beziehungsweise Teile ihres Ersparten/Vermögens zu verlieren."

"Manager sind gierig": 43 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage zu. Allerdings sind es, zumindest in der Selbstwahrnehmung, vor allem die anderen - selbst zählt man sich eher nicht zu den Gierigen: Lediglich 18 Prozent bezeichnen sich als "Geld-getrieben", bei den Frauen sogar nur 12 Prozent. Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, dass Geld "ein wesentlicher Motivator" für sie sei; bei Frauen liegt der Wert ein bisschen niedriger. Weibliche Führungskräfte würden zu 37 Prozent kündigen, sofern sie sich das leisten könnten, beim Gesamtpanel liegt der Wert mit 31 Prozent niedriger.

Sechs Millionen Euro: Das ist die Summe, ab deren Besitz Führungskräfte im Schnitt den Status der "finanziellen Unabhängigkeit" für erreicht erachten. 9 Prozent glauben, sie müssten dafür mehr als zehn Millionen Euro haben, nur ein Prozent hielte sich auch mit einer Summe von unter einer Million Euro für finanziell unabhängig.

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Bild: Mynd

Geld und Neid: Immer wieder machen Spitzeneinkommen für angestellte Manager Schlagzeilen. Zwei Drittel der befragten Führungskräfte lehnen Gehälter von mehr als 10 Millionen Euro im Jahr ab, gut zwei Drittel halten sie für "gesellschaftlich nicht vermittelbar" und finden, dass sie der Gemeinschaft schadeten. Genauso viele glauben aber auch, die öffentliche Debatte über Spitzeneinkommen in der Wirtschaft sei "oft vom Neid der Menschen geprägt".

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Gesundheit: Der ärztliche Direktor der Max Grundig Klinik, Curt Diehm, fasst zusammen: "Unsere Befragung bestätigt, was wir täglich bei Patienten beobachten: Der Faktor Geld spielt im Leben von Führungskräften eine herausgehobene Rolle. Frauen in der Wirtschaft haben dagegen eine etwas weniger materielle Orientierung." Glück und Zufriedenheit zu stark vom materiellen Erfolg abhängig zu machen, könne aber bei Misserfolg schnell in eine zerstörerische Selbstsicht mit gravierenden psychischen Folgen münden.

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