Sonntag, 21. April 2019

Entrepreneur des Jahres - Thermondo Handwerker treffen auf Hipster

Thermondo-Mitgründer Philipp Pausder: Energieverbrauch senken - und nebenbei den Handwerkermarkt revolutionieren
Steffen Roth für manager magazin
Thermondo-Mitgründer Philipp Pausder: Energieverbrauch senken - und nebenbei den Handwerkermarkt revolutionieren

2. Teil: Und wie funktioniert das Modell Thermondo?

Der Kunde geht auf die Website des Start-ups und beantwortet einen Fragenkatalog zu seiner Heizung. Thermondos Algorithmus mit dem vertrauenswürdigen Vornamen "Manfred" sucht daraufhin die passende Heizung aus. Es folgt noch eine kurze telefonische Befragung des Kunden. Und fertig ist das Angebot, günstiger und schneller als beim Handwerker um die Ecke. Die komplette Förderung ist darin bereits enthalten. Der Kunde muss sich die Förderrichtlinie also nicht mühsam selbst zusammensuchen.

Sobald der Interessent zusagt, kommt ein Handwerkerduo (zumeist ein Teamleiter und ein Monteur) ins Haus. Sie tragen schwarze Polohemden und fahren mit von Thermondo geleasten Autos vor. Das nötige Werkzeug haben sie selbstredend dabei, berufsnotorische Ausreden wie "ich muss noch mal schnell in den Baumarkt" gibt es nicht.

Über 9000 Kunden in Ein- und Zweifamilienhäusern hat Thermondo so bereits neue Thermen eingesetzt und ist damit zum größten Heizungsinstallateur Deutschlands aufgestiegen. Mehr als 320 handwerkliche Mitarbeiter hat Pausder auf dem Gehaltszettel.

Es sollen noch deutlich mehr werden. Pausder kann sich in Deutschland 2000 Handwerker in Thermondo-Diensten durchaus vorstellen. Auch eine Expansion ins nahe Ausland, Österreich, die Schweiz und eventuell Frankreich wird erwogen.

Die beiden Mitgründer Fichtner und Tetzlaff sind inzwischen ausgestiegen. Neu hinzu kamen der Finanzchef David Hanf (34), er wechselte vom Kreditmarktplatz Smava.de, und der Vertriebsleiter André Heeg (38), vorher beim New Yorker Start-up Zocdoc.

Die beiden erfahrenen Manager sollen dabei helfen, das Start-up zu professionalisieren. "Wir sind dabei, Prozesse und Standards einzuführen", räumt Pausder fast entschuldigend ein. "Klingt brutal nach Konzern, ist aber bei dieser Größenordnung, die wir inzwischen haben, unerlässlich."

Obwohl sich Fichtner und Tetzlaff aus dem operativen Geschäft verabschiedet haben, hält das Gründertrio nach wie vor rund 27 Prozent am Unternehmen. Weitere Eigentümer sind die Altaktionäre Holtzbrinck Ventures, IBB, Eon und Rocket Internet, unlängst sind Vorwerk Ventures und der niederländische Energieversorger Eneco hinzugestoßen.

Insbesondere vom Einstieg Vorwerks erhofft sich Pausder eine Menge Know-how-Transfer: "Das sind die Profis im Direktvertrieb."

Er selbst gibt sein Wissen längst bereitwillig weiter - zusammen mit Ehefrau Verena, die in der Berliner Gründerszene ebenfalls eine Größe ist: als Gründerin der Kinder-App-Entwickler Fox & Sheep, wo sie noch als Geschäftsführerin arbeitet, sowie als Netzwerkerin.

Gemeinsam will das Paar Jugendlichen das Firmengründen schmackhaft machen. Dazu haben sie den Verein "Startup Teens" ins Leben gerufen. Sie und inzwischen 275 weitere Entrepreneure halten in Schulen Vorträge, veranstalten Seminare und Workshops.

Zunächst haben die Pausders allerdings andere Prioritäten - vorübergehend zumindest. Das vierte Kind ist da. Nach drei Jungs "endlich ein Mädchen" (Philipp Pausder).

Das schreit nach einer neuen Geschäftsidee: Wie gründe ich eine Großfamilie?

Überblick: Das sind die Entrepreneure des Jahres 2017

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