Mittwoch, 29. Januar 2020

Wie junge Familienmütter ihr Pendel-Leben organisieren Job und kleines Kind in zwei Städten

Pendel-Expertin: Nestlè-Managerin Virginia Bastian

Tipp
"Damit ihr am Ball bleibt, braucht ihr einen Job, den ihr liebt und der euch wirklich Spaß macht." Dr. Christina Weiler-Normann, Oberärztin, UKE Hamburg

Eine engagierte Berufstätigkeit mit kleinen Kindern ist anstrengend - das wissen alle, die sich in der Situation befinden. Deswegen ist für die meisten berufstätigen Mütter und Väter das gemeinsame Frühstück oder das regelmäßige Abendessen heilig. Weil es ein gemeinsames Ritual ist - und weil es Zeit für Gespräche mit der gesamten Familie lässt. Manchmal ist aber auch das nicht möglich, weil ein Elternteil an einem anderen Ort übernachten muss. Weil Projekte an anderen Standorten angesiedelt sind und die tägliche Heimfahrt zu zeitaufwendig wäre. Oder weil der Arbeitgeber seiner Mitarbeiterin eine Beförderung in eine andere Stadt angeboten hat und sie diese nicht ausschlagen will. Was macht man dann? Lehnt man die Beförderung ab oder kündigt man?

Virginia Bastian hat nichts von beidem getan. Sie kennt die Pendelei zwischen Euskirchen, ihrem Arbeitsort, und ihrem Wohnort Frankfurt noch aus den Zeiten, als sie mit ihrem Mann eine Fernbeziehung führte. Rund 200 Kilometer liegen zwischen beiden Orten. Seit ihre gut zweijährige Tochter auf der Welt ist, hat sie noch immer denselben Job als Personalleiterin bei einer Nestlé-Tochter, allerdings zurzeit nur in Teilzeit. So kann sie ihre Anwesenheit in der Firma auf ein machbares Pensum begrenzen, aber trotzdem am Ball bleiben. "Ich übernachte im Schnitt einmal pro Woche in Euskirchen. Klar ist die Pendelei anstrengend, aber für eine gewisse Zeit möglich." Wenn sie weg ist, kümmern sich ihr Mann oder das Au-pair-Mädchen um das Kind.

Warum sucht sie sich nicht einen anderen Job im großen Nestlé-Konzern in Frankfurt? "Ich liebe meine Stelle, weil ich internationale Verantwortung habe. Außerdem habe ich die Aufgaben, die ich mir vorgenommen habe, noch nicht erledigt." Alle anderen Nestlé-Töchter sind national organisiert, Bastian hat bei der Heimtiersparte Purina hingegen eine internationale Rolle. Deshalb nimmt sie die Fahrten und den zusätzlichen Aufwand in Kauf - bis sich irgendwann eine andere Herausforderung bietet.

Für Fee Steinhoff ist es eine ganz ähnliche Situation - wenn sich auch nicht abzeichnet, dass sie zeitlich begrenzt ist. Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin hatte nach ihrem Studium angefangen, in Berlin zu arbeiten. Irgendwann zog sie mit ihrem Mann ins Rheinland - und die Telekom AG, ihr Arbeitgeber, wollte die Innovationsmanagerin trotzdem weiterbeschäftigen. Die Abmachung lautete: Zwei Tage Berlin, die restliche Zeit im Home Office. Jeden Mittwoch steigt die Mutter dreier Kinder nun in den ersten Flieger von Düsseldorf nach Berlin. Nach der Arbeit checkt sie abends ins Hotel ein, jede Woche in dasselbe, und nimmt Donnerstag den 19 Uhr-Flieger zurück an den Rhein. Aus ihrer Warte sind das zwei intensive und hochgradig produktive Arbeitstage in Berlin, an denen unter anderem Teammeetings und andere Besprechungen stattfinden - ergänzt durch anderthalb Tage Home Office, in denen sie konzentriert Konzepte schreibt oder telefonisch mit Kollegen und Partnern verhandelt. "Das Arbeiten von unterschiedlichen Standorten aus funktioniert deshalb so unproblematisch, weil wir keine Präsenzkultur haben. Bei der Telekom AG hat jeder Termin in der Regel eine Telefoneinwahl, so dass es überhaupt nicht auffällt, dass ich mich vom Home Office einwähle."

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Working Moms (Hg.), Stefanie Bilen Mut zu Kindern und Karriere: 40 Working Moms erzählen, wie es funktionieren kann

Frankfurter Allgemeine Buch, 182 Seiten, Oktober 2016, 24,90 Euro

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Ganz andere Voraussetzungen gab es bei Uta Lecker-Schubert, die ihren Sohn schon während des Studiums bekam. Als dieser in der Pubertät steckte, heiratete die Personalmanagerin wieder - und zu Dritt wählten sie im Familienrat den Wohn- und Arbeitsort ihres Mannes zum Familienwohnort: Berlin. Unter der Woche lebten Mann und Sohn als Patchwork-Gespann gemeinsam in der Hauptstadt, sie selbst mietete sich ein Appartement in Düsseldorf und arbeitete als Regionalstellenleiterin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). Ihr Sohn reizte das Leben in der Hauptstadt, zudem verstand er sich gut mit seinem Stiefvater.

Ausgestattet mit einer Bahncard 100 reiste seine Mutter donnerstagabends nach Berlin 57 und arbeitete freitags in der Berliner Repräsentanz ihrer Organisation oder von zu Hause. Fast zwei Jahre lebten sie so, bis Uta Lecker-Schubert ein weiteres Mal schwanger wurde.

Ihr Mann gab seine Stelle als Geschäftsführer in Berlin auf und zog nach Düsseldorf, um dort eine PR-Agentur zu gründen. Inzwischen ist die Familie nach Frankfurt umgezogen, weil die DGFP ihren Sitz gewechselt hat. Die Mutter von inzwischen drei Kindern ist dort als Netzwerk-Managerin tätig. Ihr Sohn ist in Düsseldorf geblieben - er macht dort im kommenden Jahr sein Abitur. Für Uta Lecker-Schubert hat sich ihre Mobilität ausgezahlt: Sie hat ihren Weg in der Organisation gemacht. Eine Bereitschaft zu reisen, muss sie ohnehin mitbringen: 70 Prozent ihrer Arbeitszeit ist sie unterwegs.


Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Mut zu Kindern und Karriere - 40 Working Moms erzählen, wie es funktionieren kann" von Working Moms (Hg.) und Stefanie Bilen, 182 Seiten, Verlag Frankfurter Allgemeine Buch, Preis: 24,90 Euro. Bei amazon kaufen, Kaufmöglichkeit bei fazbuch.de; Kontakt: Twitter @KinderKarriere; Mail: stefanie.bilen@saalzwei.de

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