Die Höhle der Löwen Lukrativster Deal für Algen-Drink-Gründer

Der Kampf um die lukrativsten Deals geht weiter: Nachdem sich schon in der vergangenen Woche fünf Gründer in die Höhle trauten, versuchten am Dienstag wieder fünf Start-ups ihr Glück.
Die Löwen: (v. l.) Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel.

Die Löwen: (v. l.) Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel.

Foto: MG RTL D / Robert Grischek
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Die vierte Staffel: Das sind die neuen und alten "Löwen"

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Die vierte Staffel der Gründerserie "Die Höhle der Löwen" startete am vorvergangenen Dienstag im gewohnten Format: Mehrere Start-ups stellten die Idee eines innovativen Produkts vor und boten den Löwen Geschäftsanteile in Relation zum ermittelten Unternehmenswert an. Neu war lediglich Löwin Dagmar Wöhrl, die seit dieser Staffel Jochen Schweizers Platz einnimmt. Und natürlich die Start-ups selbst. Der Fokus lag in der ersten Folge vor allem auf praktische Lösungen für zu Hause und unterwegs.

Dabei passierten so allerlei Löwen- und Höhlenmomente: Ralf Dümmel stieg wieder gefühlt in alles ein, was sich bewegte, Frank Thelen zeigte sich leicht mürrisch, jedoch auch mal ganz berührt, die einen blamierten sich und die anderen brillierten.

Vor allem zwei Start-ups stachen mit ihren Ideen heraus. Die Gründer von "ProtectPax"  beeindruckten mit einem unsichtbaren Handyschutz, der das Glas um 600 Prozent härter macht. Ralf Dümmel war begeistert und unterstützte die jungen Gründer mit 150.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile. Schon am Tag nach der Sendung zierten Werbeanzeigen mehrere Titelseiten deutsche Zeitungen und die Seitenleiste im Browser. Die Website war mit Neuanstrich versehen, die beiden Gründer vollzeitbeschäftigt. Mittlerweile verkaufen mehrere hundert Websites das Produkt.

Besonders emotional wurde es, als Teilnehmerin Anna Vonnemann mit einem von ihr entwickelten künstlichen Gleichgewichtssystem vor die Investoren trat. Das System "MovEAid"  ermöglicht ihrer Tochter, die noch im Bauch ihrer Mutter einen Schlaganfall erlitt, trotz Gleichgewichtsstörungen zu gehen. Die Familiengeschichte rührte die Löwen Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl so sehr, dass sie der mutigen Frau 200.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile zusagten. "MovEAid" ist nun in der weiteren Entwicklungsphase. Verschieden Lizenzen müssen eingeholt und das Produkt für den Massenmarkt tauglich gemacht werden.

"Luicella's" schaffte es als drittes Start-up zu einem Deal. Frank Thelen investierte 120.000 in das Unternehmen, das Eismischungen für zu Hause entwickelt hat. Die Website des Unternehmens bekam genau wie das Logo, das zuvor eine Kuh war, einen Neuanstrich. Das Team wuchs von zwei auf neun Mitarbeiter und die Produkte finden sich mittlerweile in 1300 Supermärkten bundesweit.

Wie erwartet schafften es nicht alle Start-ups zu einem Deal mit den Löwen. Die Produkte von "heart4heals" und "Otto Wilde Grillers"  waren nach Meinung der Löwen beide nicht ausgereift genug. Letzteres sorgte in der Höhle sogar für ein wenig Empörung, als die Gründer einen exorbitant hohen Unternehmenswert von 2 Millionen Euro angaben, der im Vergleich zum Produkt völlig ungerechtfertigt schien.

"MySchlepp App": Digitaler ADAC

In der zweiten Folge versuchten nun wieder fünf Start-ups mit ihren Innovationen zu überzeugen:

"MySchleppApp"-Gründer Frank Heck und Santosh Satschdeva

"MySchleppApp"-Gründer Frank Heck und Santosh Satschdeva

Foto: MySchleppApp

Die Erfindung von Santosh Satschdeva und Frank Heck ist eine Art digitaler ADAC: Mit "MySchleppApp"  können Nutzer bequem zu einem festgelegten Preis einen seriösen Abschleppdienst in der Nähe finden, und zwar ohne lange Wartezeiten. Statistisch gesehen nimmt jeder Autofahrer zweimal in seinem Leben einen solchen Dienst in Anspruch, wissen die beiden Gründer. Bei Judith Williams ist es sogar mehr, gibt die "Löwin" zu: "Ich bin schon öfter als zweimal abgeschleppt worden, weil ich vergessen habe, zu tanken."

Für ihr Start-up erhofften sich Santosh und Frank finanzielle Unterstützung von 100.000 Euro und boten dafür 10 Prozent ihrer Firma.

"Das Problem ist: Where is the beef?", fragte Frank Thelen offensiv. Sprich: Wie viel Umsatz kann man damit machen? Frank Heck erklärte: "Es gibt sieben Millionen Abschleppungen in Deutschland. Und die Pannen steigen." Das überzeugte. Und Thelen zog nach: "Weil ihr so cool seid, biete ich euch 100.000 für 25 Prozent." Doch dann griff Maschmeyer an, bot 25.000 Euro mehr. Beide Löwen berieten sich, überlegten ein Angebot von 150.000 für 40 Prozent. Doch irgendwie kam dabei nichts herum. Die Abschlepper entschlossen sich letztendlich für Carsten Maschmeyer.

"Helga": Der gesunde Softdrink aus Algen

"Helga"-Gründerinnen (v. l.) Renate Steger, Anneliese Niederl-Schmidinger und Ute Petrtisch

"Helga"-Gründerinnen (v. l.) Renate Steger, Anneliese Niederl-Schmidinger und Ute Petrtisch

Foto: Bernd-Michael Maurer/VOX

Jeder hat mal gerne anstelle eines öden Wassers ein Erfrischungsgetränk in der Hand. Oft muss man dann auf klebrige Softdrinks mit großem Zuckeranteil zurückgreifen. "HELGA" (steht für healthy algae), auf das die Gründerinnen Anneliese Niederl-Schmiedinger, Renate Steger und Ute Petritsch setzen, basiert allerdings auf der Chlorella-Alge und ist reich an Vitaminen und arm an Zucker. Es wird als "functional beverage" vorgestellt, ist vegan, enthält pro Flasche nur 30 Kalorien und deckt mehr als 25 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin B12.

Um das Superfood "Alge", das international schon ziemlich im Kommen ist, auch in Deutschland zu verbreiten, benötigten sie ein Investment in Höhe von 375.000 Euro. Im Gegenzug boten sie 15 Prozent ihrer Firma an.

Da wollte einer der Gründer gar nicht lange fackeln. "Meine Mutter erzählt mir seit Ewigkeiten, wie gesund Algen sind", berichtete Dümmel. "Renate, Anneliese, Ute und Ralf - das würde passen!" Stolze 375.000 Euro gab es für 23 Prozent an der "Dame". "Ich werde das Ding relativ schnell mit dem Turbo zünden!", so Dümmel.

"TeamWallet": Die App für die Mannschaftskasse

"teamwallet"-Gründer (v. l.) Kai Hörsting, Nicolo Incorvaia, Michael Schreiner und Michael Schweizer

"teamwallet"-Gründer (v. l.) Kai Hörsting, Nicolo Incorvaia, Michael Schreiner und Michael Schweizer

Foto: Frank W. Hempel

Kassenwart im Verein? Ein äußerst unbeliebter Job, wie jeder Hobbyfußballer weiß. Vier begeisterte Fußballer bekamen deshalb die Idee zur digitalen Mannschaftskasse. Die soll Teammitgliedern nicht nur Online-Payments ermöglichen, sondern diese auch noch auf die ganz spezielle Struktur in Fußballvereinen abstimmen: Ob die Organisation des Strafenkatalogs oder des Torclubs, bei dem Fans ihre Mannschaft mit einer Spende pro Tor unterstützen können, oder einfaches Geld einsammeln. Die App von Michael Schweizer, Nicolo Incorvaia, Kai Hörsting und Michael Schreiner soll all das ermöglichen.

Um mit ihr in die nächste Liga aufzusteigen, brauchten die Gründer dringend ein Investment von den Löwen. Für 75.000 Euro bot "TeamWallet"  75 Prozent Geschäftsanteile.

Zu wenig, fand Frank Thelen. Außerdem sei die App technisch nicht ausgereift genug. "Ihr seid einfach keine App-Experten, ihr seid Fußballer", so sein vernichtendes Urteil. Auch die anderen Löwen stiegen nach und nach aus. Doch dann: Ein Umschwung. Thelen macht ein Gegenangebot und verlangt für die gleiche Summe 30 Prozent Firmenanteile - und steigt im Anschluss der Sendung wieder aus. Der Grund: Parallel zu der Aufzeichnung der Sendung hätten die Jungunternehmer bereits mit einem anderen Investor verhandelt, berichtet die "Bild"-Zeitung. Ein Angebot über 150 000 € in Verbindung mit einem Business Angel in Höhe von 5% lag bereits auf dem Tisch. Thelen riet den vier Fußballern zu diesem Deal. Zum Schluss also: Ende gut, alles gut.

"Fluxbag": Schneller aufblasen als mit der Lunge

"FluxBag"-Gründer Jens Thiel und Lucas Richter

"FluxBag"-Gründer Jens Thiel und Lucas Richter

Foto: VOX/Bernd-Michael Maurer

Im Urlaub Schwimmtiere oder beim Camping Luftmatratzen aufblasen, ist mühsam und macht wenig Spaß. Deswegen haben Jens Thiel und Lucas Richter den "Fluxbag"  entwickelt. Der Trick: Mit drei Litern Lungenvolumen lassen sich im "Fluxbag" 150 Liter Luft erzeugen. Damit lässt sich zum Beispiel eine Luftmatratze deutlich bequemer aufblasen. Ist die Luft raus, lässt sich der Beutel klein zusammenrollen.

Mit einem Investment von 130.000 Euro sollte dem Unternehmen zu weiterem Wachstum verholfen. Dafür boten Jens und Lucas 10 Prozent Firmenanteile.

Zuerst gab es Verständnis und ein kleines Lob für die Produktidee. "Als Vater von drei Kindern weiß ich nicht mehr, wie oft ich schon pusten musste", erklärte Maschmeyer. "Das kennen wir alle. Da musst du dich hinsetzen. Da wird dir schwarz vor Augen." Dann mischte sich Dümmel ein: "Jetzt wird mir bei Ihrer Firmenbewertung aber auch ein kleines bisschen schwarz vor Augen." Die beiden sollten sich beraten und halbierten den Angebotspreis. Dümmel kürzte nochmal auf ein Viertel und: deal done. Draußen hatte Jens noch Redebedarf: "Er hat groß getönt. Jetzt muss er auch was tun für sein Geld!"

"TattooMed": Die vegane Tattoo-Pflege

"TattooMed"-Gründer Jenny Fischer und Janusz Hermann

"TattooMed"-Gründer Jenny Fischer und Janusz Hermann

Foto: Tattoomed

Tattoos können schmerzhaft sein. Es ist ein Schmuck, der im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht, aber gerade deswegen noch Wochen nach dem Stechen hochsensibel und pflegebedürftig ist. Jenny Fischer entwickelte deshalb zusammen mit dem Pharmazeuten und Mitgründer Janusz Hermann eine eigene und vegane Tattoo-Pflegeserie mit dem Namen "TattooMed".  Für das 2012 gegründete Start-up steht nach eigenen Angaben ein hoher Fokus auf die optimale Erstversorgung für frisch tätowierte Haut.

Um das Produkt richtig groß zu machen, verlangten die beiden Gründer eine happige Summe: Ein Investor sollte für 10 Prozent stolze 300.000 Euro zahlen, womit das Unternehmen insgesamt drei Millionen Euro wert wäre.

Doch dann gab es einen kleinen Aufreger für die Löwen: Nicht etwa der hohe Unternehmenswert, sondern die unfaire Verteilung der Anteile. Es kam raus, dass Jenny nur etwa 5 Prozent der Unternehmensanteile hält- Janusz dagegen 51 Prozent. Ein dritter Investor den Rest. "Stellt euch mal vor, ihr macht eine Million Gewinn. Sie bekommt 50.000. Er 550.000. Fühlt ihr euch dann dabei wohl?", hakte Maschmeyer nach."Jenny, so etwas passiert zu 99 Prozent nie Männern", klärte Judith Williams auf. Zum Schluss: Kein Deal für die beiden. Dafür wollen sie ihr Anteilproblem jetzt in den Griff kriegen.

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