Freitag, 19. April 2019

Topmanagerinnen Die Gründe für das Scheitern der Post-Personalchefin Titzrath

Erste Frau im Vorstand der Deutschen Post: Angela Titzrath

Die Deutsche Post ist mit 437.000 Beschäftigten ein Mammut-Konzern. Im Aufsichtsrat ist man der Meinung, Personalvorstand Titzrath sei damit überfordert gewesen.

Offiziell klang es mal wieder nach einer der normalsten Dinge der Arbeitswelt: Angela Titzrath, Personalvorstand der Deutschen Post DHL und damit erste Ansprechpartnerin für weltweit 437 000 Mitarbeiter, habe, so teilte der Dax-Konzern am Mittwoch mit, aus "persönlichen Gründen" ihr Amt niedergelegt. Aufsichtsratschef Wulf von Schimmelmann danke ihr "ausdrücklich für ihre erfolgreiche Arbeit bei der Führung und Weiterentwicklung des Personalbereichs im Konzern".

Nach Informationen von manager magazin online könnte die Wirklichkeit gegensätzlicher nicht sein. Danach hat der Aufsichtsrat unter Leitung von Schimmelmanns Titzrath die eigentlich im Mai anstehende Verlängerung ihres im kommenden Jahr auslaufenden Vertrags verweigert - aus Unzufriedenheit über ihre Arbeit. Konkret wirft die Post-Führung der Wirtschaftswissenschaftlerin, die im April 2012 von Daimler zum ehemaligen Staatskonzern stieß, vier Versäumnisse vor:

- ein Tarifabschluss vor knapp zwei Jahren, der über die Laufzeit von 22 Monaten ein Gehaltskostenplus von rund sechs Prozent ausmachen soll.

- Titzrath soll zudem die für viele Manager vorteilhafte Regelung als leitende Angestellte aufgegeben haben. Dadurch wurden viele Führungspositionen und deren Dotierung mitbestimmungspflichtig - was wiederum viel Ärger und bürokratischen Aufwand nach sich zog.

- die Aufblähung ihres Bereichs: Die Zahl der Bereichsleiter soll von sechs auf 14 gestiegen sein, auch die Zahl der Mitarbeiter insgesamt wuchs. Kostenplus insgesamt: mehr als 20 Millionen Euro.

- Konsequenterweise soll Titzrath daraus eine stärkere Zentralisierung des Personalmanagements abgeleitet haben. Damit brachte sie die mächtigen Divisionen gegen sich auf.

Wie konfrontativ am Ende das Verhältnis war, zeigt sich auch an den Umständen der Trennung. Titzrath legte ihr Amt von einem auf den anderen Tag nieder - ohne dass ein Nachfolger bestimmt ist. Vorstandschef Frank Appel übernimmt erst einmal ihre Aufgaben. Titzrath selbst war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung