Krach mit dem Vorstand Die drei größten Probleme der Consultants

Von Arne Gottschalck

Veranstaltung: Christoph Hardt und Jan Schächtele exklusiv in der Manager lounge 

Berater, das sind aalglatte Männer in grauen Anzügen und mit hohen Stundensätzen. So will es das Vorurteil. Und sie erklären den Unternehmen, was die ohnehin wissen. Noch so ein Vorurteil. Oder Urteil?

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Foto: Thies Rätzke für manager magazin

Christoph Hardt und Jan Schächtele müssen es wissen, immerhin haben sie bei dem Beratungsinstitut McKinsey gearbeitet und sich dann selbstständig gemacht - mit Comatch, einer Plattform für selbstständige Management-Berater. Manche der Vorurteile seien ihnen erst aufgegangen, seit sie selbständig sind, erklären sie.

Vorurteile, wie sie manchmal auch die Kooperation lähmen. Denn im Idealfall sollen Berater und Kunde vertrauensvoll miteinander umgehen. Herrscht zu großes Vertrauen in die Wunderkräfte der Berater? Ist das nicht gut. Und verhindert Skepsis Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber dem Consultant - wie soll er da seine Arbeit machen? Aber sehen Sie selbst - die drei größten Missverständnisse im Miteinander von Consultants und Kunden, die zu einigen Problemen führen können.

Missverständnis 1: Die scheinbare Klarheit des Problems

Am Anfang die leere Tafel ...

Am Anfang die leere Tafel ...

Foto: Peter Endig/ picture alliance / dpa

Missverständnis 1: Die scheinbare Klarheit des Problems

"Die Realität zeigt, dass Projekte sehr viel effizienter sind, wenn die ersten Stunden/Tage eines Projektes dazu genutzt werden, scheinbar Glasklares, wie die Zielsetzung, die erwarteten Endprodukte, sowie den Scope des Projektes unter allen Beteiligten, also relevanten Klienten und Berater, final abzustimmen", erklärt Hardt. "Leider wird dieses Thema immer noch unterschätzt und führt zu unterschiedlichen Verständnissen zwischen einzelnen Mitarbeitern auf Klientenseite, auf Beraterseite sowie zu Verständigungsschwierigkeiten zwischen Klient und Berater. Oft kommt dieses unterschiedliche Verständnis erst nach mehreren Wochen zu Tage und stellt alles bis dahin geleistete in Frage."

Missverständnis 2: Der emotionslose Berater

Grimmiger Blick, maschinenhafte Kälte: Der Terminator" aus dem gleichnamigen Film

Grimmiger Blick, maschinenhafte Kälte: Der Terminator" aus dem gleichnamigen Film

Foto: REUTERS

Missverständnis 2: Der emotionslose Berater

"Die Arbeit auf fast 40 unterschiedlichen Projekten zeigt, dass Mitarbeiter des Klienten Beratern oft mit diesem oder einem ähnlichen Vorurteil gegenübertreten. Berater werden nicht wie 'Du und ich' mit normalen Familien, komischen Hobbies oder abstrusen Ängsten angesehen. Komischerweise haben wir die Erfahrung gemacht, dass das im Ausland wie Südafrika, USA oder Holland anders ist. Dort begegnen einem Klienten eher auf einer persönlichen Ebene, haben weniger Scheu vor 'dem Berater' und es wird sich auch mal auf ein Bier oder zwei verabredet. Die so gewonnene Vertrautheit macht die Projektarbeit wesentlich einfacher und führt zu nachhaltigen Freundschaften, weit über das Projekt hinaus.

Missverständnis 3: Der Berater erklärt die Welt

Über die Glaskugel verfügt niemand

Über die Glaskugel verfügt niemand

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Missverständnis 3: Der Berater erklärt die Welt

"Dieses Missverständnis ist gerade in Unternehmen, die bisher weniger Erfahrung mit Beratern gemacht haben sehr weit verbreitet. Dieser starke Expertise-Fokus ist allerdings das Beraterbild von vor 30 Jahren und lange überholt", sagt Hardt. "Generell sollte der Berater eine bestimmte Expertise mitbringen, Unternehmen sollten aber das Selbstverständnis besitzen, dass sie im Detail mehr über ihr eigenes Geschäft wissen als es der Berater wissen kann. Alles andere wäre auch höchst befremdlich."

Und die Idealversion …

"Perfect world"

"Perfect world"

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Und die Idealversion …

"Der Mehrwert eines Berater ist wesentlich breiter als die rein fachliche Expertise und manchmal ist die fachliche Expertise nicht einmal entscheidend", sagt Hardt. "Heutzutage können Berater zum Beispiel beschäftigt werden, um eine unabhängige Meinung für eine intern festgefahrene Diskussion zu erhalten, bestehenden Ideen innerhalb der Organisation Gehör zu verleihen und diese zu bewerten und umsetzungsreif zu machen, den Sündenbock für unangenehme Entscheidungen zu spielen oder einfach nur als 'verlängerte Werkbank' zu fungieren. In jedem Fall, muss dem Unternehmen bereits zum Anfang des Projektes klar sein, was von dem Berater erwartet wird."

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