Managerinnen im Porträt: Constanze Buchheim Die Selbstvermarkterin

Ein paar männliche Eigenschaften beobachtet Constanze Buchheim schon an sich. Aber das ist der Geschäftsführerin der Personalvermittlung i-potentials nicht unangenehm. Im Gegenteil: Sie weiß, dass ein Teil ihres Erfolgs auch damit zusammenhängt.
Von Melanie Croyé
i-potentials-Chefin: Constanze Buchheim

i-potentials-Chefin: Constanze Buchheim

Foto: Constanze Buchheim

Es ist fast 16 Uhr und Constanze Buchheim ist unterwegs zur Kita. Sie schafft es nicht jeden Tag so früh, manchmal hängt sie auch bis 18 Uhr im Büro fest. Aber normalerweise gehört der Nachmittag ihrer Familie.

Constanze Buchheim ist 32 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder. Und sie ist Geschäftsführerin in einem aufstrebenden Unternehmen. Mit i-potentials ist sie 2009 angetreten, die führende Personalberatung in der Digitalwirtschaft zu werden. Heute, 2014, hat sie das fast geschafft.

Eher eine Generalistin

Dass sie mal im Bereich Human Resources arbeiten würde, hätte Constanze Buchheim als BWL-Studentin in Leipzig wohl nicht erwartet. Sie wusste nie so recht, auf was sie sich spezialisieren sollte, sah sich immer eher als Generalistin. Deshalb hatte sie sich für ihren ersten Job auch die Rolle der Assistentin ausgeguckt, weil man da vielseitig arbeiten kann. Das damals junge Start-up Spreadshirt, ein Online-Händler für selbst gestaltete T-Shirts, fand Buchheim sofort spannend - und bewarb sich als Assistentin der Geschäftsführung.

Das Unternehmen wuchs rasch und suchte ständig neues Personal. "Ich hätte das Recruiting gerne outgesourct, aber die Headhunter haben nicht verstanden, was wir suchen", erinnert sie sich. Also nahm sich Constanze Buchheim dieses Problems an und war selbst vor die Aufgabe gestellt, junge, hochmotivierte Leute mit digitalem Hintergrund für die Start-up-Branche zu finden - eine funktionale und kulturelle Herausforderung, weil die Arbeit für ein Start-up nichts für jeden ist.

Weil sie aber so erfolgreich darin war, trotzdem Leute zu finden, baten andere Gründer um ihre Hilfe. "Da habe ich erkannt, dass es einen riesigen Bedarf nach gutem Personal für die Digitalbranche gibt", sagt Buchheim. Zu der Zeit hatte ihr ehemaliger Chef, Lukasz Gadowski, den Start-up-Investor Team Europe gegründet und war nach Berlin gezogen. Constanze Buchheim zog mit - und startete 2009 gemeinsam mit Team Europe i-potentials.

Buchheim liebt die Selbstvermarktung

Die ersten Jahre konzentrierte sie sich auf den rasch wachsenden Start-up-Markt in Deutschland, vor allem in Berlin. Aber nach und nach erkannten auch größere Handels- und Medienunternehmen, dass sie sich digital besser aufstellen müssen und engagierten Buchheims Firma. "Wir haben uns sukzessive weiterentwickelt, inhaltlich stärker auf Führungskräfte konzentriert und so unsere Kundenbasis erweitert", sagt Buchheim.

Im vorigen Jahr kaufte sie die Anteile von Team Europe an i-potentials zurück und strukturierte das Unternehmen um. Die Dachmarke unterteilt sich heute in zwei Bereiche: "Digital Executives" für Fach- und Führungskräfte und "Talent Spin" für den Start-up-Markt. Die beiden Bereiche haben eigene Geschäftsführer, Constanze Buchheim "macht den Rest", wie sie lachend erklärt. Das heißt: Unternehmensentwicklung und Strategie, Lobbyarbeit, Netzwerken.

"Ich bin immer noch Generalistin, aber jetzt mein eigener Chef", sagt Buchheim. Und das ist auch gut so. Denn in der Zwischenzeit hat sie zwei Kinder bekommen und muss Karriere und Familie unter einen Hut bekommen. Dafür braucht sie Flexibilität. "Ich arbeite bis zum Nachmittag, dann verbringe ich bis etwa 20 Uhr Zeit mit meiner Familie und dann arbeite ich noch ein paar Stunden", erklärt sie. Das sei zwar manchmal anstrengend, aber es mache ihr einfach Spaß.

Ihr Erfolgsgeheimnis: "Wenn ich mich mit anderen Frauen vergleiche, fällt mir immer wieder auf, dass ich einige männliche Verhaltensweisen an den Tag lege", gesteht sie. Was meint sie damit? "Der Wille, mit dem ich an Aufgaben herangehe und klare Ziele verfolge und vor allem die Bereitschaft, mich selbst als Marke aufzubauen." Denn das sieht sie als wichtigen Erfolgsfaktor: sich darstellen, netzwerken, präsent sein. "Und ich liebe das", sagt sie. Ob sie Gastvorträge hält oder auf Panels sitzt, Constanze Buchheim sucht die Auseinandersetzung mit anderen Menschen, die Gespräche, die Bühne. Das fänden viele andere Frauen ganz schrecklich, sagt sie, aber für sie ist es die reine Freude.

Kinder und Karriere: "Eine Frage der Einstellung"

Gleichzeitig versucht sie, auch weibliche Fähigkeiten in ihrer Führungsrolle einzubringen. "Ich kann mich leidenschaftlich dafür begeistern, Menschen zum Team zusammenzubringen und ihre Potenziale zu wecken", sagt sie. Sie sei nicht besonders technisch versiert, aber wenn es um Menschen geht, dann fühlt sie sich wohl.

Und ein weiterer Punkt zeichne sie als weibliche Gründerin aus, sagt Constanze Buchheim: "Viele männliche Gründer sind geldgetrieben. Bei Frauen spielt das aber meist eine untergeordnete Rolle." Natürlich wolle sie Geld verdienen, aber das sei nicht ihre Hauptmotivation fürs Gründen gewesen.

Constanze Buchheim, die Generalistin, ist gerne ihr eigener Chef. Auch weil sie sich ihre Zeit selbst einteilen kann. "Ich bin der Herr über meinen Terminkalender", sagt sie. Die Gründung sieht sie als Teil ihres Lebenskonzepts. Wäre sie angestellt, könnte sie sich nicht so viele Freiheiten nehmen, die sie braucht, um neben Geschäftsfrau auch Mutter zu sein. Sie sagt: "Kinder und Karriere, das ist eine Frage der Einstellung."

Und die müsse jeder für sich definieren. Ihr Konzept ist sicher keine Patentlösung für die Masse. Dazu ist es einfach zu anstrengend. "Und dann frage ich mich manchmal: Wäre ich glücklicher, wenn ich keine Kinder bekommen hätte? Im Gegenteil! Und dann weiß ich auch, dass ich eine Lösung finde, wie ich das kombiniert bekomme."