Montag, 22. April 2019

Cevian, Elliott & Co. Wie Topmanager aktivistische Investoren abwehren können

Bei aktivistische Investoren geht es darum, Geld zu machen. Heinrich Hiesinger wollte wohlüberlegt und reflektiert das tun, was er für richtig erachtet - wenig später war er weg.

Bei drei von vier ihrer Engagements fordern aktivistische Investoren, das Topmanagement auszutauschen. Chefs, die nicht auf dem Müllhaufen von Cevian, Elliott & Co. landen wollen, müssen also vorsorgen. Je eher, desto besser.

Thyssenkrupp hat Erfahrung mit ihnen gemacht, Bilfinger und die Commerzbank auch, genauso wie Wirecard, Grammer, Stada oder Nestlé und ABB: aktivistische Investoren. Was aggressive Anteilseigner wie Cevian, Elliott, Corvex, Wyser Pratt, Petrus Advisers, Carl Icahn oder Third Point in Deutschen oder Schweizer Unternehmen anrichten können, ist vielfach beschrieben, weniger klar ist jedoch, wie das Topmanagement der betroffenen Organisationen auf den wachsenden Einfluss der Gewinnmaximierer reagieren sollte.

Heiner Thorborg
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    Michael Dannenmann
    Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder Int. gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co. KG, die Heiner Thorborg & Co. (Zürich) sowie die Initiative "Generation CEO".

Reagieren müssen sie nämlich, denn viele börsennotierte deutsche Gesellschaften stehen auf der "To do"-Liste dieser Investoren und häufig geht es nicht mehr darum, ob sich Aktivisten einkaufen, sondern nur noch darum, wann das geschieht. Daten der Unternehmensberatung Bain beispielsweise zeigen, dass die Zahl der Attacken zwischen der Jahrtausendwende und 2014 um durchschnittlich 34 Prozent pro Jahr stieg. 2016 wurden weltweit 758 Unternehmen von Aktivisten angegriffen; 13 Prozent mehr als im Jahr davor. Das besagt eine Analyse des US-Branchendienstes Activist Insight und der US-Wirtschaftskanzlei Schulte Roth & Zabel. In Europa, wo immer mehr nichtamerikanische Investoren an Einfluss gewinnen, wurden laut einer Studie von JP Morgan in den zwölf Monaten bis Juni 2017 insgesamt 119 Kampagnen gefahren; fünf Jahre zuvor waren es lediglich 62.

Simple Abwehrreflexe des belagerten Managements bringen nichts, das zeigt spätestens das Beispiel Thyssenkrupp. Gefragt, wie er mit der Forderung von Cevian und Elliott, den Stahlkonzern zu zerschlagen, umgehen wolle, sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger: "Man muss die innere Unabhängigkeit haben, wohlüberlegt und reflektiert das zu tun, was man für richtig erachtet." Man dürfe "keine Angst haben". Wenig später war er weg. Zuvor hatte der inzwischen verstorbene Bernhard Walter, einst Aufsichtsratschef bei Bilfinger, erleben müssen, dass mit den Zahlenfüchsen nicht zu spaßen ist. 2013 zog Cevian in den Aufsichtsrat des Baukonzerns ein; Walter ließ seinen Vertreter auflaufen, verweigerte ihm das Rederecht und ignorierte seine Analysen. Ein Jahr später wurde Walter durch Eckhard Cordes ersetzt, den ehemaligen Metro-Chef, der inzwischen als Partner bei Cevian arbeitet.

Topmanager in börsennotierten Unternehmen sind gut beraten, sich intensiv mit dem Vorgehen der Aktivisten zu beschäftigen. Ihre Strategie lässt sich - verkürzt - wie folgt beschreiben: In vermeintlich unterbewertete Konzerne einsteigen, Druck auf das Management ausüben, mit erheblichem Kursgewinn wieder aussteigen. Es geht darum, Geld zu machen, nicht um irgendwelche Stakeholder-Interessen. Mit den Trümmern können sich nach dem Exit andere beschäftigen.

Aus Anlegersicht sind die Finanzaktivisten mit ihren Strategien sogar erfolgreich, laut Bain steigern sie die Aktienrendite: Im Schnitt liege die schon im ersten Jahr ihres Engagements um 1,5 Prozentpunkte über dem jeweiligen Branchenindex. Dem betroffenen Topmanagement kann das jedoch kaum Freude machen: In mehr als 75 Prozent fordern die Aktivisten den Austausch hochrangiger Führungskräfte.

Wer seinen Job mag, sollte daher die Szene beobachten und sich überlegen, mit welcher Investmentthese neue Großaktionäre im eigenen Haus antreten könnten. Ein strategischer Kurswechsel? Zerschlagung? M&A-Aktivitäten? Oder mit einer Attacke auf die Vorstandsvergütung und Corporate Governance? Letzteres ist clever und daher beliebt: Lässt sich doch mit der Forderung nach einer stärker leistungsorientierten Vorstandsvergütung die Öffentlichkeit aktivieren oder mit der nach Sonderdividenden die übrige Kapitalseite auf der Hauptversammlung.

Das beste Mittel gegen Aktivisten ist ein exzellent geführtes Unternehmen, kontinuierliches Wertmanagement und professionelle Kapitalmarktkommunikation. Das ist bekanntlich leichter gesagt als getan, dennoch gilt es, den eigenen Laden gründlich auf die Schwächen hin abzuklopfen, die Aktivisten Tür und Tor öffnen. Eine geschliffene Strategie, ein bereinigtes Portfolio und eine intelligente Ausschüttungspolitik können die Lücke zwischen dem inneren Wert einer Organisation und ihrer Bewertung am Kapitalmarkt schließen und so den Raum verringern, in dem Aktivisten den Hebel ansetzen könnten.

Nicht zuletzt gilt es, Berater oder noch besser Mitarbeiter an Bord zu holen, die sich mit Investor Relations unter Druck auskennen und am besten schon Erfahrung mit aktivistischen Investoren gesammelt haben. Nur wer die Hedgefonds- und Private-Equity-Szene kennt und weiß, wie dort Investment- und Exitstrategien entstehen, wird mit entsprechenden Kapitalgebern auf Augenhöhe kommunizieren können. Die typische deutsche Arroganz mit dem Motto: "das bekommen wir schon selber irgendwie hin" wird hier nicht weiterhelfen. In Skandinavien, Großbritannien und der Schweiz ist man klüger, da versuchen immer mehr Unternehmen, den Chef eines Unternehmens, das von Aktivisten herausgefordert wurde, in den Aufsichtsrat oder Verwaltungsrat zu holen.

Heiner Thorborg ist Personalberater und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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