Freitag, 22. November 2019

 674 CEO-Lebensläufe im Vergleich Studie zeigt: So wird man Chef

CEO-Studie: Der Weg an die Spitze
Reuters(3); PR

Werner Baumann, CEO von Bayer Börsen-Chart zeigen, wird das sicher nicht gerne hören: Er ist nahezu absoluter Durchschnitt. Eine Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles hat 674 Lebensläufe von Vorstandsvorsitzenden der größten börsennotierten Unternehmen in 13 führenden Industrienationen (Westeuropa und die USA) untersucht und auf Kriterien für deren Aufstieg hin verglichen. Ergebnis: Im Durchschnitt ist der typische CEO genau wie Baumann weiß, männlich, 56 Jahre alt, kommt aus dem eigenen Unternehmen und war vor seiner Berufung Finanzvorstand (CFO) oder Chief Operations Officer (COO).

So weit, so wenig überraschend. Zwischen den einzelnen Ländern gibt es jedoch signifikante Unterschiede: Großbritannien etwa hat mit einem Anteil von immerhin 8 Prozent die meisten weiblichen CEOs; in der Schweiz gibt es die meisten Ausländer im Chefsessel, und Norwegen führt die Rangliste der Länder mit den jüngsten Chefs an - hier kommen 64 Prozent schon mit unter 50 Jahren an die Spitze. Die USA haben die meisten internen Besetzungen (84 Prozent)

Für Deutschland wurden Unternehmen in Dax Börsen-Chart zeigen und M-Dax untersucht. 68 Prozent der Chefs kommen hier aus dem eigenen Unternehmen (internationaler Schnitt: 67 Prozent) und waren bei ihrer Berufung 50 Jahre alt. Das ist auch international der Durchschnittswert, genauso wie eine Unternehmenszugehörigkeit von rund 14 Jahren. Im Schnitt sind deutsche CEOs 55 Jahre alt und folglich seit fünf Jahren im Amt.

Abgeschlagen ist Deutschland beim Frauenanteil. International liegt der zwar auch nur bei kläglichen 5,1 Prozent, aber in Deutschland liegt er noch einmal signifikant niedriger: 1,2 Prozent. Michael Oberwegner, Deutschlandchef von Heidrick & Struggles, findet: "Dies ist kein gutes Zeichen für die deutsche Wirtschaft. Gerade die Vorzeigeunternehmen des DAX gehen gewöhnlich bei den Megatrends vorneweg. Es ist überfällig, dass auch Frauen bei den wichtigsten deutschen Unternehmen die Chance bekommen, den Vorstandsvorsitz zu übernehmen." Lediglich Italien und Dänemark unterbieten noch - hier findet sich unter den Chefs der untersuchten Unternehmen keine einzige Frau.

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Wer CEO werden will, ist wahrscheinlich gut beraten, Erfahrungen im Finanzbereich zu sammeln: Gut ein Viertel der 674 untersuchten Lebensläufe weisen sie auf (auch in Deutschland sind es 26 Prozent). Alternativ: Leitungserfahrungen im operativen Geschäft ("General Management") - in Deutschland in 23 Prozent der Lebensläufe zu finden (international 22 Prozent; Spitzenreiter ist Portugal mit 30 Prozent).

Eine deutsche Besonderheit sind Ingenieurskarrieren, auf die 19 Prozent der Dax- und M-Dax-Chefs zurückblicken können. Nur Finnland liegt mit 20 Prozent darüber, international liegt der Wert bei 12 Prozent. Vor allem in Automobilbranche, Anlagen- und Maschinenbau kann man mit technischem Hintergrund punkten und "über Ingenieurskompetenz nach oben" kommen, wie Oberwegner sagt.

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