Montag, 22. April 2019

Wie gute Raumgestaltung Teams besser macht Warum Kaffee-Monopole besser sind als Teeküchen-Pluralismus

Büroräume: Wie gute Kaffeeküchen die Zusammenarbeit verbessern
Lucia Bartl

2. Teil: Zu große Begegnungsorte können dem Austausch schaden

Zum Beispiel auf 400 Quadratmeter bei der Lufthansa Technik in Hamburg, als sogenannter "Marktplatz" und quasi als riesige "Teeküche" gedacht. Der Marktplatz ist dabei schicker und anziehender, als es eine Teeküche je sein könnte. Aber das Prinzip bleibt gleich: Hier gibt es die Getränke für alle - aber eben auf einer einzigen großen Fläche.

"Für alle" heißt aber nicht wirklich "für alle". Zumindest nicht, wenn wir ein sehr großes Unternehmen sind. Denn Begegnungsorte können auch zu groß sein. Man kennt das von Kantinen oder Hochzeitsfeiern mit vielen, vielen Gästen. Kantinen sind gut und wichtig, aber eher als Orte des Essens und weniger als Orte der Begegnung. Denn aus zu vielen Menschen entsteht eine "Masse". Der Anteil an bekannten Gesichtern und die Identifikation mit der Menge verringert sich, man fühlt sich wieder mehr als Einzelner und bleibt Teil "seiner" Kleingruppe, zufällige Begegnungen werden dadurch seltener.

Der britische Psychologe Robin Dunbar beschreibt diese kritische Gruppengröße mit der sogenannten Dunbar-Zahl, hergeleitet von der Anzahl an Personen, mit der wir als Einzelpersonen "umgehen" können, zu denen wir eine Beziehung aufbauen können. Oder, anders gesagt: Die Dunbar-Zahl beschreibt die Anzahl an Personen, die wir zufällig in der Bar auf einen Drink treffen könnten, ohne dass es peinlich wäre. Diese Zahl liegt zwischen 100 bis 250 Personen, je nach Untersuchung. Als Mittelwert wird für die Dunbar-Zahl eine Menge von 150 Menschen angegeben. Ein wenig mehr ist möglich: Der Marktplatz von Lufthansa Technik in Hamburg ist für 200 Mitarbeiter ausgelegt, und diese Größe hat sich auch in anderen Projekten bewährt, die wir beratend begleitet haben.

An der Verkehrsader trifft man sich

Wie am Beispiel des Pixar-Hauptgebäudes gesehen, kann Zentralität auch ein wichtiger Faktor für Begegnungsorte sein. Ein Begegnungsort sollte möglichst zentral und an den natürlichen Knoten der Laufwege möglichst vieler Mitarbeiter liegen - so wie auch die meisten Städte an den Knoten von Handels wegen entstanden.

Lufthansa Technik entschied sich für ein Areal in der exakten Mitte der Gebäudegrundfläche, welche nicht nur an, sondern in den Laufwegen der Mitarbeiter liegt. Man muss also wirklich mitten durch den Marktplatz gehen, um von einem Gebäudeteil in den anderen zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit, hier auf einen Gesprächspartner zu treffen und sich kurz über einen Kaffee hinweg auszutauschen, ist groß. Man läuft, wie auf einem Catwalk, direkt an den langen und schön beleuchteten Stehtresen vorbei, an denen der Kaffee getrunken wird. Und dort trifft man sich. So soll es sein: Begegnung schaffen.

Ein anderer und ebenfalls stark frequentierter Verkehrsknotenpunkt ist der Eingangsbereich eines Gebäudes, der zum Beispiel in Hotels als Begegnungsort in Form der Lobby genutzt wird. Auch in Bürogebäuden wird dieses Prinzip manchmal angewendet. Der Eingang als Begegnungsort funktioniert dabei vor allem in Gebäuden, bei denen viel hinein- und hinausgegangen wird. Wenn wir uns den gesamten Tag über vor allem im Gebäude aufhalten, ist ein zentralerer Bereich wie der Marktplatz der Lufthansa Technik ein sinnvollerer Ort für Austausch und Begegnung.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung