Amber Riedl über ihre Erfahrung als Gründerin und Mutter "Ich machte meine Praktikantin zur Chefin - welch Wahnsinn!"

Von Amber Riedl
Amber Riedl über Erfahrungen als Gründerin und Mutter.

Amber Riedl über Erfahrungen als Gründerin und Mutter.

Foto: Amber Riedl

Als Amber Riedl 2008 '1001 Hochzeiten' gründete, war sie überzeugt davon, dass der deutsche Markt ihren Heirats-Service brauchte. Sie steckte all ihre Energie in die Idee, investierte Erspartes und wollte jede Herausforderung alleine meistern. Hinzu kam, dass sie kurz nach der Gründung schwanger wurde und den Geburtstermin wie einen Karriere-Countdown empfand. Am Ende musste sie einsehen, dass ihr Geschäftsmodell nicht tragfähig war. Heute investiert sie viel Herzblut in ihr neues Start-up - allerdings mit professionellem Partner und Investoren an Bord. Und lebt vor, wovon sie immer überzeugt war: Gründung mit kleinen Kindern, das geht. Für SAAL ZWEI, einem Inhalte-Partner von manager-magazin.de, hat Amber Riedl ein sehr persönliches Protokoll über die Aufs und Abs ihrer Gründerjahre geschrieben.

2008 gründete ich mein erstes Start-up: 1001hochzeiten. Es handelte sich um ein Online-Magazin und Planungstool, ein Branchenbuch und gleichzeitig einen virtuellen Hochzeitstisch für Brautpaare. Im gleichen Jahr plante und feierte ich selbst meine Hochzeit - und sah in Deutschland dringenden Bedarf für einen solchen Service. Ich war so felsenfest von meiner Idee überzeugt, dass ich schlichtweg alles reinstecken wollte.

Die Konzeption, der Inhalt, die technischen Aspekte - all das hatte ich mir selbst beigebracht, und ich war bereit, jede Herausforderung auf eigene Faust zu meistern. Soviel Überzeugung ist am Anfang eines solchen Projekts sehr wichtig. Sie wirkt wie ein Schutz vor Zweifeln und gibt einem die Kraft, jeden Morgen in aller Frühe aufzustehen und von Grund auf an einem Projekt zu arbeiten, von dem anfangs noch rein gar nichts zu sehen ist.

Ich war natürlich überzeugt, dass mein Produkt - würde es erst einmal stehen - dankend von Brautpaaren angenommen wird. Ein Traum, der anfangs auch wahr zu werden schien: Immer wieder gab es Highlights im Aufbau meines Start-ups, positive Presse und lobende Stimmen von Branchenkennern, die meine Erfolgsphantasie am Leben hielten - und ja, ich habe mit dem Service auch Geld verdient. Aber zugegeben, es war nicht genug. Es war ein Familienunternehmen, das wir uns gemeinsam leisten wollten. Heute weiß ich: Wir hätten mehr Kapital und Leute gebraucht, um zu wachsen und hatten einfach nicht das Budget, um sie einzustellen.

Meine Praktikantin wurde stellvertretende Chefin - eigentlich ein Wahnsinn!

Ich wurde kurz nach der Gründung schwanger mit unserem ersten Kind. Der Geburtstermin wirkte wie ein Karriere-Countdown für mich: Es gab so viel, was noch erledigt werden musste. Ich ärgerte mich über die vielen Arzttermine, weil sie mir Zeit zum Arbeiten nahmen. Ich arbeitete bis zu dem Tag, an dem unser Sohn Paul zur Welt kam - dann ernannte ich meine Praktikantin zur stellvertretenden Geschäftsführerin. Eigentlich, das weiß ich heute, ein Wahnsinn.

Die Zeit nach der Geburt haute mich um. Ich fühlte mich in keiner Weise vorbereitet auf die Verantwortung, die dieses kleine Leben mit sich brachte. Paul kam etwa sechs Wochen zu früh auf die Welt und brauchte viel körperliche Nähe. Ich hatte den Kleinen überall dabei, saß oft mit ihm im Tragetuch vor meinem Rechner, mit dem heimlichen Wunsch, dass er noch länger schläft, damit ich mit meiner Arbeit voran kommen könnte.

Die Verantwortung und das Geld, das wir investiert hatten, war immer in meinem Hinterkopf. Nach einer Weile konnte ich wieder mehr arbeiten. 1001hochzeiten wuchs und es hatte sich endlich ein kleines Team um uns herum gebildet. 2010 reiste ich mit Paul zu Hochzeitsmessen in ganz Deutschland, das Auto voll mit Flyern, Roll-ups und Standdeko. Wie schon in der Schwangerschaft lag mir wieder ein Countdown im Nacken: Wir durften unsere potenziell umsatzstärkste Zeit, die Hochzeitssaison, auf keinen Fall verpassen. Aber es war eine Anstrengung, die auf keinen Fall angemessen war. Und der deutsche Markt war noch nicht so weit.

Geld nachschießen, um die Mitarbeiter zu halten?

Ich kann mich an ein Gespräch erinnern, in dem mein Mann und ich ernsthaft Bilanzen auf den Tisch legten und wir uns eingestehen mussten, dass wir ein weiteres Mal Eigenkapital in die Firma pumpen müssten, um die Monatsgehälter pünktlich auszahlen zu können. Wir waren an diesem Tag gezwungen, unsere erste Mitarbeiterin zu kündigen. Wir hatten unsere Kinder angesehen, dann die Finanzen angesehen und entschieden: Kein Geld mehr für die Firma. Mein zweites großes Learning: Ich identifizierte mich so stark mit dem Produkt und der Idee, dass ich mich in Details verlor. Als Geschäftsführer muss man den Überblick behalten, Impulse setzen, Orientierung geben. Das klappt nicht, wenn man zu viel Zeit in die operative Arbeit investiert.

Neuanfang: Makerist. Diesmal mit Geschäftspartner und Investoren.

Eines Tages lernte ich Axel Heinz kennen, der ein Start-up zum Thema "Do it yourself" gründen wollte. Wir waren uns sofort sympathisch, waren uns mit vielen Ideen für unsere Online-Handarbeitsschule makerist.de  sofort einig. Aber ich war noch stark operativ in 1001hochzeiten eingebunden und stand deswegen vor einer sehr großen Entscheidung. Sollte mein Start-up weiter leben oder sollten wir Schluss damit machen?

Wir waren schon so weit gekommen - und jetzt, wo die Kinder nicht mehr so klein waren - inzwischen hatten wir zwei -, bestand die Chance, nochmals etwas zu starten. Ich war begeistert von der Vision, aber auch von dem Konstrukt des Gründerteams: Nach vielen Jahren als Einzelkämpferin freute ich mich, ein Projekt mit einem Partner angehen zu können. Heute hat sich das als richtiger Schritt herausgestellt - Axel und ich ergänzen uns perfekt.

Darüber hinaus hatte ich Glück: Ich fand aller Zeitnot zum Trotz die beste Nachfolgerin für 1001hochzeiten. Heute gibt es sogar schon einen Investor, mein berufliches "Baby" ist zur Basis von foreverly.de  geworden und wächst schneller denn je. In Makerist steckt genauso viel Herzblut von mir wie damals bei 1001. Mit Makerist sind wir schnell mit erfahrenen Investoren ins Geschäft gekommen, die uns ausreichend Budget gegeben haben, um ein Team aufzustellen und unsere Idee richtig auszubauen. Ohne die Weitergabe ihres wertvollen Wissens und knallharten Feedbacks wären wir sicher nicht so weit gekommen.

Firmengründung mit kleinen Kindern - das geht!

Ich glaube an das Konzept, dass man ein Start-up und eine Familiengründung unter einen Hut bringen kann. Ein Start-up ist enorm zeitintensiv, erlaubt aber auch viele Freiheiten. Wenn ich aber etwas gelernt habe, dann dass man als junge Mutter besser kein Unternehmen alleine gründet und sich von Anfang an professionelle Partner und Investoren ins Boot holen sollte. Ansonsten ist die Verantwortung und der zeitliche Druck einfach zu hoch. Heute fühle ich mich mit dem Setup von Makerist genau richtig. Und unsere große Reise hat erst begonnen.

Dieses wurde bei SAAL ZWEI veröffentlicht, einem Online-Business-Magazin für Frauen und Inhaltepartner von manager-magazin.de. Es erscheint jede Woche Mittwoch - und kann kostenlos unter www.saalzwei.de/online-magazin-gratis-bestellen  abonniert werden.

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