C&A-Chef nach Herzinfarkt wieder auf der Bühne Wie Topmanager mit Schicksalsschlägen umgehen

Alain Caparros (Archivaufnahme, 2016)

Alain Caparros (Archivaufnahme, 2016)

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Prominente Burnout-Fälle: Wenn zuviel Arbeit krank macht

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Für die Zuhörer muss es ein Schock gewesen sein. "Vor zehn Tagen lag ich noch mit einem schweren Infarkt im Krankenhaus", erzählt C&A-Chef Alain Caparros Ende vergangener Woche auf dem "Mode-Handelskongress" der "Textilwirtschaft" in Düsseldorf. Der ohnehin als freimütig bekannte CEO sei "noch offener und angriffslustiger als sonst" gewesen, schreibt das "Handelsblatt"  über den Auftritt, die Grenzerfahrung habe den Franzosen über Grundsätzliches nachdenken lassen.

"Die meisten CEOs glauben, ein Teil der Lösung zu sein. Wir sind aber ein Teil des Problems", zitiert das "Handelsblatt" den Manager . Die Chefs der Modebranche seien allesamt "überfordert" und hätten den Angriff von Discountern wie Primark "verpennt". Ähnlich hart geht er mit Unternehmensberatern und ihren Kunden ins Gericht ("Therapiezentren für Manager, die keine Visionen haben"). Auch sich selbst nimmt Caparros aus seiner kritischen Bestandsaufnahme nicht heraus. Er selbst habe "viel Glück gehabt in meiner 35-jährigen Karriere. Meine Bilanz ist im Endeffekt so: Oh, lá, lá ."

Caparros ist nicht der einzige Wirtschaftspromi, der in den vergangenen Jahren mit (gesundheitlichen) Schicksalsschlägen fertig werden musste. Krebs, Todesfälle, ein Attentat - die Betroffenen sind ganz unterschiedlich damit umgegangen. Eine Übersicht:

Die Banker: "Chemotherapie ist wie Napalm"

Lloyd Blankfein nach überstandener Chemotherapie Anfang 2016

Lloyd Blankfein nach überstandener Chemotherapie Anfang 2016

Foto: CNBC LLC

Jamie Dimon und Lloyd Blankfein gehören zu den prägenden Figuren der Wall Street nach der Finanzkrise. Beide sind Milliardäre geworden. Beide hatten mit Krebs zu kämpfen.

Im Juli 2014 hatte Jamie Dimon, der laut Vertrag noch bis 2023 der US-Großbank JPMorgan vorsteht, die Wall Street mit einer Krebsdiagnose geschockt. Schon im Oktober zeigte er sich nach Chemo- und Strahlentherapie wieder auf einer Vortragsbühne. Zwar sei der Krebs "furchteinflößend" gewesen, sagte der Milliardär, habe aber nichts an seiner Perspektive auf das Leben verändert. Natürlich wolle er weiterarbeiten: "Ich liebe immer noch, was ich tue, und ich habe immer noch etwas zu tun, ich möchte die Welt immer noch besser machen."


Prioritäten: Wenn Führungskräfte pflegen wollen


Auch Lloyd Blankfein, bis vor kurzem Chef von Goldman Sachs, hatte sich nach überstandener Krebsbehandlung schnell wieder in der Öffentlichkeit präsentiert. Im Herbst 2015 hatte er seine Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung öffentlich gemacht; er habe die Medikamente recht gut vertragen, sagte er schon Anfang 2016 im Gespräch mit dem US-Sender CNBC. Chemotherapie sei wie Napalm, erklärte Blankfein: Man treffe die Bösen, aber eben auch ein paar von den Guten. Insgesamt seien die Nebenwirkungen jedoch beherrschbar gewesen, entsprechend habe er auch während der therapeutischen Maßnahmen weiter gearbeitet. "Mein Arzt hat mir vorher gesagt: Du läufst bei etwa 80 Prozent. So war es auch."

Auf Reisen habe er in dieser Zeit verzichtet, auch andere Verpflichtungen habe er zurückgeschraubt. "Dir wird mehr durchgehen gelassen", so Blankfein im Scherz, "ich dachte: Mensch, das hättest du schon vor einer Weile machen sollen."

Der SAP-Chef: "Mein Unfall hat mein Leben besser gemacht"

Trägt seit seinem Unfall stets eine dunkle Brille: Bill McDermott (links, mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron)

Trägt seit seinem Unfall stets eine dunkle Brille: Bill McDermott (links, mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron)

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"Er ist fast verblutet, war ohnmächtig, hat sich dann raus geschleppt auf die Straße" - so beschrieb SAP-Mitgründer Hasso Plattner in der "WirtschaftsWoche" den folgenschweren Unfall seines Vorstandsvorsitzenden Bill McDermott. Der Amerikaner war laut eigener Aussage im Juli 2015 im Haus seines Bruders auf der Treppe gestürzt und auf ein Wasserglas gefallen. In der Folge des Unfalls habe er das linke Auge verloren.

Bereits im September meldete sich McDermott selbst in der "Süddeutschen Zeitung" zu Wort: Er werde im folgenden Monat wieder an der Spitze des größten deutschen Softwarekonzerns stehen. "Jedem kann so etwas passieren. Wichtig ist, wieder aufzustehen, wenn man hingefallen ist." So bitter die Erfahrung sei, er schöpfe Kraft daraus und werde sie nutzen, um SAP besser zu machen. SAP-Software könne Krankenhäusern dabei helfen, Wissen und Daten untereinander auszutauschen, schob er damals nach - ein Punkt, den PR-Berater Tom Buschardt in einem Gastbeitrag für manager-magazin.de bei aller Kritik an der Verschwiegenheit des Softwarekonzerns zu McDermotts Schicksal lobend heraushob.

Zwei Jahre später sagte McDermott im US-Fernsehen sogar, der Unfall habe sein Leben besser gemacht. Der Unfall habe ihm "so viel Kraft gegeben, so viel Entschlossenheit und so viel Leidenschaft".

Der Innogy-Vorstand: "Seelische Verarbeitung braucht viel länger"

Fahndungsaufruf nach Säure-Angriff in Haan (März 2018)

Fahndungsaufruf nach Säure-Angriff in Haan (März 2018)

Foto: Henning Kaiser/ dpa
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Prominente Burnout-Fälle: Wenn zuviel Arbeit krank macht

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Eine getönte Brille trägt auch Innogy-Vorstand Bernhard Günther, als er im Juli 2018 sein erstes Interview gibt, seit ihn Unbekannte drei Monate zuvor mit Säure überschüttethatten. Der 51-Jährige sei im Gesicht gezeichnet, schreibt das "Handelsblatt " über die Begegnung. Es gebe Bilder von Säureopfern, die weit drastischer aussehen als er, sagt Günther selbst. "Die körperliche Genesung kommt also voran. Die seelische Verarbeitung braucht natürlich viel länger." Nach einem Schicksalsschlag sei es wichtig, wieder den Alltag zu erleben, so Günther weiter im "Handelsblatt ". "Rituale und Normalität helfen sehr bei der Bewältigung." Entsprechend habe er sich letztlich dazu entschieden, mit seiner Arbeit weiterzumachen. Er werde seine Work-Life-Balance allerdings verändern und Prioritäten anders setzen.

Fragen wie "Warum ich? Warum das? Warum Säure?" brächten auf Dauer nicht weiter. "Es ist schrecklich, aber ich kann es nicht ungeschehen machen. Dieser Gedanke war bei der seelischen Bewältigung des Attentats für mich der erste Schritt."

Er hoffe, in einigen Punkten anders als Führungskraft aufzutreten als vor dem Attentat: Man könne klar und konsequent führen, aber trotzdem möglichst wertschätzend. "Mit dem, was ich erfahren habe an Mitmenschlichkeit und Anteilnahme im und außerhalb des Unternehmens, ist mir klar geworden, wie wichtig diese Dinge für mich sind."

Der Automanager: Mit "männlicher Reaktion" wertvolle Stunden verspielt

Stefan Jacoby macht seit seinem Schlaganfall selbst "so verrückte Dinge wie Yoga" (Archivaufnahme 2010)

Stefan Jacoby macht seit seinem Schlaganfall selbst "so verrückte Dinge wie Yoga" (Archivaufnahme 2010)

Foto: DPA

Es war ein Kraftakt, den sich Stefan Jacoby aufhalste - und der ihn nach knapp zwei Jahren aus der Bahn warf: Anfang 2010 wechselte der langjährige VW-Manager als CEO zur schwedischen Automarke Volvo. Volvo war gerade vom chinesischen Autohersteller Geely gekauft worden, und Jacoby hatte einen Auftrag: Die darniederliegende Traditionsmarke in kurzer Zeit zur ernstzunehmenden Konkurrenz für BMW, Audi und Mercedes umzumodeln.

Dem ehrgeizigen Automanager war vieles in seiner Karriere gelungen, seinen Körper wartete er gewissenhaft - er trieb Sport, lief Marathons, ließ sich regelmäßig von Ärzten untersuchen. Doch im September 2012, an einem seiner seltenen Abend mit der Familie, wird ihm schlecht, sein rechter Arm schläft ein. Der damals 54-jährige reagiert "männlich", wie er später sagt, verdrängt die Alarmzeichen. Erst am nächsten Morgen geht er in die Notaufnahme - und erhält die Diagnose Schlaganfall.

Zuerst glaubt Jacoby, bald wieder arbeiten zu können. Doch die ersten wertvollen Stunden zum Gegensteuern hat er verpasst. Aus einem kurzen Krankenhausaufenthalt wurden neun Monate, die er für die vollständige Rehabilitation brauchte. Seinen Job als Volvo-Chef war Jacoby bald los, die Rückkehr in hohe Management-Sphären unsicher. Doch sie gelang ihm nach einigen Frustrationen: Im August 2013 heuerte Jacoby als Vorstand für Internationales bei dem Autobauer General Motors an, seit März 2018 ist Jacoby unabhängiger GM-Berater.

Er sei an seinen Erfahrungen gewachsen, meinte Jacoby vor zwei Jahrengegenüber manager magazin. Er gönne sich mehr Pausen, nehme sich nicht mehr so wichtig und verbringe mehr Zeit mit seiner Familie. Selbst so verrückte Dinge wie Yoga" mache er nun, und er müsse auch nicht mehr überall dabei sein. Sein altes Leben, meinte Jacoby, wolle er nicht zurück.

Die Facebook-Managerin: "Ich will das Leben wählen"

Sheryl Sandberg mit Ehemann Dave Goldberg (Archivaufnahme 2014)

Sheryl Sandberg mit Ehemann Dave Goldberg (Archivaufnahme 2014)

Foto: © Rick Wilking / Reuters/ REUTERS

"Die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe, war es, Dave zu heiraten." Nicht einmal zwei Monate, nachdem Facebook-COO Sheryl Sandberg diese Worte geschrieben hatte, verstarb ihr Ehemann. Dave Goldberg war im Urlaub in Mexiko beim Sport zusammengebrochen.

Sandberg, als Facebook-Frontfrau und wortgewandte Feministin eine der bekanntesten Top-Managerinnen der USA, hatte Goldberg stets als Erfolgsfaktor ihrer illustren Karriere angeführt. "Dave war mein Fels", schrieb sie denn auch zur Beerdigung Anfang Mai 2015. Einen Monat später gab sie einen weiteren Einblick in ihr Seelenleben. Zwar sei sie in den 30 Tagen der jüdischen Trauerphase Shloshim oft in ein emotionales Loch gefallen, auch künftig werde es Momente der Leere geben. "Aber wenn ich kann, will ich das Leben wählen und den Sinn."

Sie wisse nun stärker das Lächeln, die Umarmungen ihrer Kinder zu schätzen und nehme nicht mehr jeden Tag als gegeben hin. Ihre Arbeit bei Facebook habe ihr eine Chance eröffnet, sich wieder nützlich und verbunden zu fühlen.

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