Montag, 9. Dezember 2019

C&A-Chef nach Herzinfarkt wieder auf der Bühne Wie Topmanager mit Schicksalsschlägen umgehen

5. Teil: Der Automanager: Mit "männlicher Reaktion" wertvolle Stunden verspielt

Stefan Jacoby macht seit seinem Schlaganfall selbst "so verrückte Dinge wie Yoga" (Archivaufnahme 2010)

Es war ein Kraftakt, den sich Stefan Jacoby aufhalste - und der ihn nach knapp zwei Jahren aus der Bahn warf: Anfang 2010 wechselte der langjährige VW-Manager als CEO zur schwedischen Automarke Volvo. Volvo war gerade vom chinesischen Autohersteller Geely gekauft worden, und Jacoby hatte einen Auftrag: Die darniederliegende Traditionsmarke in kurzer Zeit zur ernstzunehmenden Konkurrenz für BMW, Audi und Mercedes umzumodeln.

Dem ehrgeizigen Automanager war vieles in seiner Karriere gelungen, seinen Körper wartete er gewissenhaft - er trieb Sport, lief Marathons, ließ sich regelmäßig von Ärzten untersuchen. Doch im September 2012, an einem seiner seltenen Abend mit der Familie, wird ihm schlecht, sein rechter Arm schläft ein. Der damals 54-jährige reagiert "männlich", wie er später sagt, verdrängt die Alarmzeichen. Erst am nächsten Morgen geht er in die Notaufnahme - und erhält die Diagnose Schlaganfall.

Zuerst glaubt Jacoby, bald wieder arbeiten zu können. Doch die ersten wertvollen Stunden zum Gegensteuern hat er verpasst. Aus einem kurzen Krankenhausaufenthalt wurden neun Monate, die er für die vollständige Rehabilitation brauchte. Seinen Job als Volvo-Chef war Jacoby bald los, die Rückkehr in hohe Management-Sphären unsicher. Doch sie gelang ihm nach einigen Frustrationen: Im August 2013 heuerte Jacoby als Vorstand für Internationales bei dem Autobauer General Motors an, seit März 2018 ist Jacoby unabhängiger GM-Berater.

Er sei an seinen Erfahrungen gewachsen, meinte Jacoby vor zwei Jahrengegenüber manager magazin. Er gönne sich mehr Pausen, nehme sich nicht mehr so wichtig und verbringe mehr Zeit mit seiner Familie. Selbst so verrückte Dinge wie Yoga" mache er nun, und er müsse auch nicht mehr überall dabei sein. Sein altes Leben, meinte Jacoby, wolle er nicht zurück.

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