Montag, 9. Dezember 2019

C&A-Chef nach Herzinfarkt wieder auf der Bühne Wie Topmanager mit Schicksalsschlägen umgehen

4. Teil: Der Innogy-Vorstand: "Seelische Verarbeitung braucht viel länger"

Fahndungsaufruf nach Säure-Angriff in Haan (März 2018)

Eine getönte Brille trägt auch Innogy-Vorstand Bernhard Günther, als er im Juli 2018 sein erstes Interview gibt, seit ihn Unbekannte drei Monate zuvor mit Säure überschüttethatten. Der 51-Jährige sei im Gesicht gezeichnet, schreibt das "Handelsblatt" über die Begegnung. Es gebe Bilder von Säureopfern, die weit drastischer aussehen als er, sagt Günther selbst. "Die körperliche Genesung kommt also voran. Die seelische Verarbeitung braucht natürlich viel länger." Nach einem Schicksalsschlag sei es wichtig, wieder den Alltag zu erleben, so Günther weiter im "Handelsblatt". "Rituale und Normalität helfen sehr bei der Bewältigung." Entsprechend habe er sich letztlich dazu entschieden, mit seiner Arbeit weiterzumachen. Er werde seine Work-Life-Balance allerdings verändern und Prioritäten anders setzen.

Fragen wie "Warum ich? Warum das? Warum Säure?" brächten auf Dauer nicht weiter. "Es ist schrecklich, aber ich kann es nicht ungeschehen machen. Dieser Gedanke war bei der seelischen Bewältigung des Attentats für mich der erste Schritt."

Er hoffe, in einigen Punkten anders als Führungskraft aufzutreten als vor dem Attentat: Man könne klar und konsequent führen, aber trotzdem möglichst wertschätzend. "Mit dem, was ich erfahren habe an Mitmenschlichkeit und Anteilnahme im und außerhalb des Unternehmens, ist mir klar geworden, wie wichtig diese Dinge für mich sind."

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung